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Bildrechte: dpa/pa/Lars Schroer/Cityexpress24

Markus Kurscheidt im B5-Podcast "Extra Coronavirus: Wege aus der wirtschaftlichen Krise" (Hörfunk-Sendefassung)

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Markus Kurscheidt: "Wir müssen die Sportvereine retten"

29. Mai 2020: Wie gehen die Sportvereine mit der Krise um? Markus Kurscheidt, Professor für Sportökonomie an der Universität in Bayreuth, erklärt in unserem Podcast die Situation der Klubs. Und warum wir deren Sterben unbedingt verhindern sollten.

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Von
  • Christine Bergmann
  • Martin Raspe
  • Florian Haas

Ende Mai 2020: Die Corona-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Leben. Auch auf den Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwartet, dass die Vereine und Verbände in Deutschland mit Verlusten in Milliardenhöhe rechnen müssen. Sowohl der Breiten- als auch der Profisport. Staatliche Unterstützung ist in Aussicht gestellt, um den Vereinen zu helfen. Zuletzt hatten auch Profi-Clubs wie Borussia Dortmund oder Werder Bremen darüber nachgedacht, möglicherweise staatliche Kredithilfen in Anspruch zu nehmen.

Im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" findet Markus Kurscheidt, Professor für Sportökonomie an der Universität Bayreuth, die Idee zunächst einmal nachvollziehbar. Er hat aber auch Verständnis für die daraus entstehende gesellschaftliche Diskussion. (das ganze Gespräch können Sie hier in der Langfassung auch herunterladen).

"Das wird in der Gesellschaft natürlich nicht gut ankommen. Das Problem beim Profifußball ist einfach, dass Einzelpersonen besonders hohe Gehälter erhalten und da haben wir natürlich einen unheimlichen Fokus drauf. Aber wenn man nochmal darüber nachdenkt, so viel anders ist das bei VW oder Lufthansa auch nicht und da haben wir in der Tat auch ähnlich kritische Debatten in der Gesellschaft." Sportökonom Markus Kurscheidt, Professor an der Uni Bayreuth

Vereine wie Schalke kurz vor der Pleite

Geisterspiele um an die Fernsehgelder zu kommen, dazu die Diskussion um mögliche Staatshilfen. Das erinnert manchen an die Raupe Nimmersatt aus den Kinderbüchern. Für viele macht der Fußball aktuell keine gute Figur. Trotzdem hat – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht – die Fortsetzung der Fußball Bundesliga mehr Vor- als Nachteile.

"Einerseits ist es richtig, dass erstmal die Debatte in der Gesellschaft relativ kritisch ist,(…) andererseits müssen wir sagen, da reden wir über circa 300 Millionen Euro, die ansonsten dem Profifußball verloren gegangen wären. Und einige Vereine, wie Schalke 04 haben ja schon gesagt, wenn wir an die letzte Tranche der Mediengelder nicht rankommen, dann steht bei uns die Insolvenz im Raum. Und da müssen wir als Gesellschaft auch sagen, lasst die lieber das Geschäft machen und wir müssen nicht unterstützen als Gesellschaft. Das ist dann letztendlich immer noch die bessere Lösung." Markus Kurscheidt

Insgesamt hat die gesamte Sportwirtschaft, nicht der Profisport allein, durchaus eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung. Mit einem Volumen von rund 70 Milliarden Euro. Entsprechend hängen natürlich auch Arbeitsplätze am Sport.

Die Krise auch als Chance für Vereine?

Das Hauptargument aber, warum wir den Sport fördern sollten, sagt Markus Kurscheidt, sollten trotzdem nicht Umsatz und Arbeitsplätze sein. Sondern die "gesellschaftlichen Wohlfahrtswirkungen im sozialen Bereich, in der Integration und allem voran natürlich die Gesundheitswirkung, also Gemeinwohlfunktionen für die Gesellschaft".

Obwohl das Vereinsleben zuletzt weitgehend stillstand, waren die Sportclubs nicht tatenlos. Gerade in den zunehmenden Online-Angeboten, die aus der Not heraus entstanden sind, sieht Markus Kurscheidt jetzt auch eine Chance für die Vereine. Eine Konkurrenz zu den kommerziellen Fitness-Anbietern sieht er nicht:

"Der Wettbewerb ist immer da. Und der war schon immer da. Das Vereins- und Verbandssystem ist ungeheuer stabil, hat aber nicht die Dynamik, die ein eher marktbasiertes System hat, wie die kommerziellen Fitness-Studios. Ehrlich gesagt mache ich mir um das ein oder andere kleinere Studio mehr Sorgen als um die Vereine. Im Fitness-Studio, wenn da nichts vorangeht, ist man vielleicht eher geneigt seinen Vertrag auslaufen zu lassen. Weil auch die soziale Einbindung und die emotionale Identifikation eine andere ist, als mit dem Stadtteil – oder Dorfverein." Markus Kurscheidt

Umdenken in Sachen Wertschätzung der Fans

Nochmal den Blick auf den Profisport, speziell den Fußball gerichtet, erwartet der Sportökonom im Bereich von Gehältern und Ablösesummen nur kurzfristige Korrekturen durch die Corona-Pandemie: Kurzfristig werde es einen Dämpfer geben, da jetzt einfach weniger Geld im System sei. Mittel- und längerfristig werde es wieder "diese Kernmechanismen des Marktes" mit hier und da "überschießenden Effekten" geben: "Die Diskussion und das Hin und Hergeschacher der Spieler, da hat sich nichts geändert."

Trotzdem bleibt die Hoffnung, so Kurscheidt, dass sich in der Wertschätzung der Fans und in der Kommunikation etwas verändert. Es gibt erste Anzeichen und die Hoffnung, dass davon nach der Krise auch etwas übrig bleibt. Ein gewisses Umdenken sei zu spüren, aber es gilt abzuwarten, wie nachhaltig das sein wird.

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