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Podcast-Bilanz: "Bei der Nachhaltigkeit waren sich alle einig!" | BR24

© BR/Lisa Hinder

Christine Bergmann, BR

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    Podcast-Bilanz: "Bei der Nachhaltigkeit waren sich alle einig!"

    Wie können Wege aus der wirtschaftlichen Krise aussehen? Darüber hat BR-Redakteurin Christine Bergmann in ihrem Podcast mit 20 bekannten Interviewpartnern gesprochen. Hier schildert sie Vorgehen und Erkenntnisse. Außerdem: alle Folgen im Überblick.

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    Von
    • Christine Bergmann
    • Florian Haas
    • Astrid Freyeisen

    "Beruhigend, dass sich viele Experten tiefgreifende Gedanken machen", sagt Christine Bergmann. Sie hat an 20 Freitagen mit Prominenten über Wege aus der wirtschaftlichen Krise gesprochen. Wirtschaft und Soziales hängen in einer solch gravierenden Krise besonders eng zusammen, das wurde in den 20 Podcasts sehr klar, deren Elf-Minuten-Fassungen auf B5 aktuell liefen. Hinzu kamen ARD-Angebote für den Hörfunk und natürlich Artikel für BR24.

    Alle Folgen zum Lesen und Hören gibt es hier:

    Außerdem hat Astrid Freyeisen aus der BR-Wirtschaftsredaktion im Spätsommer 2020 mit ihrer Kollegin über deren Herangehensweise, große Themenfelder und wichtige Erkenntnisse.

    Astrid Freyeisen, BR-Redaktion Wirtschaft und Soziales: Wenn Du die 20 Wochen der Podcast-Serie Revue passieren lässt: Hat sich durch diese intensive Beschäftigung mit der Corona-Krise auch Deine persönliche Gefühlslage verändert?

    Christine Bergmann, BR-Redaktion Wirtschaft und Soziales: Es hat mich eher ein bisschen beruhigt, weil ich gesehen habe, wie viele Experten sich tiefgreifende Gedanken machen. Es hat mich beruhigt, dass es Menschen gibt in unserem Land, die wirklich gründlich darüber nachdenken, und auch, dass ein Diskurs entstanden ist. Zu sehen, dass da nichts auseinanderdriftet, sondern dass man versucht, gemeinsam Lösungen zu finden.

    Was hat Dich an den Schilderungen und Analysen der Experten besonders bewegt?

    Christine Bergmann: Was mich persönlich immer wieder betroffen gemacht hat, waren Schilderungen, in denen es um die Lage von Familien ging. Und damit verbunden dann auch wieder Aussagen von Experten. Zum Beispiel die des Wirtschaftshistorikers Harold James: Er hat Angst, dass durch die Situation der Familien eine große soziale Ungleichheit entstehen wird. Sehr spannend fand ich die immer wiederkehrende Frage: Wer soll das alles bezahlen? Wir machen riesige Schulden. Da gibt es Vorschläge, die so weit reichen, dass wir die Schulden überhaupt nicht zurückzahlen. Die Schulden würden dann halt einfach stehenbleiben. Das sind neue Ansätze auch in der Ökonomie. Da möchte ich unbedingt dranbleiben. Das ist ein sehr spannendes Thema, mit dem sich renommierte Ökonomen zunehmend beschäftigen.

    In dieser Frage sind sich die Experten Deiner Gespräche nicht einig gewesen. Gab es denn Themenfelder, die tatsächlich eine Einigkeit erkennen lassen?

    Christine Bergmann: Zum einen die Nachhaltigkeit. Dass wir tatsächlich versuchen müssen, nachhaltiger zu wirtschaften und zu leben, das ganze Thema Klimawandel. Dass wir jetzt Weichen stellen müssen. Es ist auch das Thema Technologie und Digitalisierung. Da sind sich die meisten sehr einig, dass wir da den Anschluss nicht verpassen dürfen. Dass wir europäische Strukturen aufbauen müssen, das kam immer wieder. Dass wir europäische Plattformen brauchen und dass wir nicht alles den Amerikanern und Chinesen überlassen dürfen. Hier hat Europa Nachholbedarf.

    Stichpunkt Arbeitsplätze: Gibt's da irgendeinen Lösungsansatz, der verfolgbar erscheint?

    Christine Bergmann: Da sind sich die meisten einig, dass die akute Krisenpolitik sehr gut funktioniert hat und vor allen Dingen das Kurzarbeitergeld das zentrale Instrument war, um Arbeitsplätze zu sichern. Auch die Lockerungen beim Insolvenzrecht. Wie es langfristig aussieht, das kann man aktuell noch nicht so wirklich abschätzen. Da dürfte einiges auf uns zukommen. Man darf jetzt nicht Unternehmen zu sehr stützen, die keine Zukunft haben, die nicht nur durch die Krise in Schwierigkeiten gekommen sind. Und man muss gut beobachten, wo tatsächlich neue Arbeitsplätze entstehen werden und dann dort investieren. Das ist ein langfristiger Prozess, der erst in Gang kommen muss.

    Und weiß man schon, ob es auch grundlegende Dinge zu verändern gibt in unserem Finanzsystem, der Arbeitswelt, unserem Sozialsystem?

    Christine Bergmann: Alle Experten waren sich ziemlich einig, dass das Sozialsystem grundsätzlich gut funktioniert. Man muss sich natürlich Gedanken machen über Familien und ihre Unterstützung, damit die Schere zwischen arm und reich nicht weiter auseinandergeht. Dass nicht eine Generation Corona aufwächst, die schlechtere Chancen hat, weil sie den Anschluss verpasst hat. Im Finanzsystem müssen wir auf die Banken aufpassen. Ich weiß nicht, was passiert, wenn eine Pleitewelle tatsächlich kommen sollte. Da gab es Stimmen, die sagen: Unser Finanzsystem hat eigentlich noch nicht wirklich gelernt aus der Finanzkrise 2010. Das Eigenkapital der Banken ist ziemlich dünn.

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