BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Photovoltaik-Pflicht bei Neubauten: Zweifel am planmäßigen Start | BR24

© Lorenz Storch/BR
Bildrechte: Lorenz Storch/BR

Auf neu gebauten Gewerbe- und Industriegebäuden soll Photovoltaik in Bayern künftig Pflicht werden.

17
Per Mail sharen

    Photovoltaik-Pflicht bei Neubauten: Zweifel am planmäßigen Start

    Für Neubauten in Bayern sollen Photovoltaik-Anlagen zur Pflicht werden - bei gewerblichen Bauten schon ab kommendem Jahr. Das hat Ministerpräsident Söder bereits im Juli angekündigt. Doch nun werden Zweifel laut, ob sich der Zeitplan einhalten lässt.

    17
    Per Mail sharen
    Von
    • Lorenz Storch

    Markus Söders Ankündigung im Juli kam überraschend, aber sie war ziemlich klar: Auf jedem Neubau in Bayern soll künftig eine Photovoltaik-Anlage errichtet werden. Und diese Photovoltaik-Pflicht soll für neue Gewerbebauten bereits ab 2021 gelten, für neue Wohnhäuser dann ab 2022. Bayern würde damit sogar das grüne Baden-Württemberg übertreffen, wo die PV-Pflicht nur für Gewerbe gilt und auch erst ein Jahr später in Kraft tritt.

    Gesetzentwurf ist noch in der Abstimmung

    Vier Monate später – und nicht mal zwei Monate vor dem Jahreswechsel - gibt es jedoch noch keinen Gesetzentwurf für die bayerische PV-Pflicht. Das Bauministerium antwortet auf eine BR-Anfrage, die Angelegenheit werde zwischen den Ressorts noch immer abgestimmt, und es gebe Schwierigkeiten: "umfangreiche kompetenzrechtliche Fragestellungen", "die verfassungsrechtlichen Aspekte der Eigentumsfreiheit und des Klimaschutzes", außerdem "die seit Jahren bestehende Forderung nach einer Senkung der Baukosten". Wann und wie genau die PV-Pflicht in Bayern kommen soll, könne daher noch nicht gesagt werden.

    Viele offene Fragen zur Photovoltaik-Pflicht

    Die Erneuerbare-Energien-Branche wartet unterdessen auf Signale der Staatsregierung. Markus Käser vom Bündnis Bürgerenergie Bayern etwa nennt die PV-Pflicht "eine längst überfällige und sehr sinnvolle Maßnahme", gibt aber gleichzeitig zu bedenken: "Sie ist ja angekündigt für 2021, das haben wir in zwei Monaten. Also gehen wir davon aus, dass jetzt auch richtig Gas gegeben wird."

    Zu den offenen Fragen gehört, wie groß die Solaranlagen sein müssen, die Unternehmen ab nächstem Jahr auf die Dächer ihrer Neubauten bauen. Nur eine Mini-Anlage, egal wie groß das Dach ist? Das Dach voll ausnutzen? Oder so groß, wie es dem Eigenbedarf der Firma entspricht?

    Großen Firmen rennt Vorbereitungszeit davon

    Letzteres wäre betriebswirtschaftlich sinnvoll: Den Strom vom eigenen Dach selbst zu verbrauchen, lohnt sich in der Regel, viele Firmen tun das deshalb schon freiwillig. Aldi Süd zum Beispiel hat bereits Solarzellen auf seinen großen Logistikzentren und den meisten Filialen und verbraucht den Strom daraus nach eigenen Angaben zu 80 Prozent selbst.

    Große Photovoltaikanlagen, wie sie für Industrie und Gewerbe vielfach sinnvoll wären, könne man aber nicht von jetzt auf gleich installieren, gibt der Solarverband Bayern zu bedenken: Man müsse dafür teilweise den Stromanschluss ausbauen oder in Ausschreibungen gehen. Selbst wenn die Photovoltaik-Pflicht erst zum Ende nächsten Jahres gelten soll, wird die Zeit daher langsam knapp.

    Widerstand vom Industrie- und Handelskammertag

    Wirtschaftsverbände wollen die angekündigte Photovoltaik-Pflicht ohnehin am liebsten noch verhindern. Manfred Gößl vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag etwa sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Eine Pflicht halten wir generell für kritisch." Und die angekündigte Umsetzung schon ab 2021 hält Gößl erst recht nicht für machbar: Gebäude, die nächstes Jahr fertig werden, seien schon geplant und im Bau.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!