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Passauer Start-Up hilft regionalen Lebensmittelproduzenten | BR24

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Passauer Start-Up hilft regionalen Lebensmittelproduzenten

Woher kommt unser Essen? Ein Start-Up aus Passau versucht das auf der Online-Plattform "Regiothek" transparenter zu machen. Nebenbei hilft es damit auch kleineren und mittelständischen Lebensmittelbetrieben bei der Digitalisierung.

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Landwirt Thomas Steiner aus Spitzenberg bei Vilsbiburg besitzt 200 Schafe. Die Tiere stehen den Winter über im Stall und fressen das Heu, das der Landwirt im Sommer eingefahren hat. Ab dem Frühjahr grasen die Tiere dann wieder auf den Hügeln rund um den Hof. Der Familienbetrieb vermarktet Milch, Käse und Fleisch der Tiere selbst. Es ist aber gar nicht so einfach, Kunden auf sich aufmerksam zu machen.

"Man macht natürlich zuerst die Tiere, dann produziert man und geht zum Verkaufen. Und wenn man dann abends noch Muße hat, dann kümmert man sich ums Marketing, um das Ganze bissel darzustellen. Das ist halt des Letzte bei uns einfach." Thomas Steiner, Vilstalschäfer

Auf Laufkundschaft können die Steiners nicht setzen: die Kleinstadt Vilsbiburg ist gut fünf Kilometer entfernt.

Familienbetrieb mit eigener Herstellung

Um 4 Uhr morgens wird gemolken, dann vermengt Regina Steiner in der hofeigenen Käserei 250 Liter frische Schafsmilch mit Lab und lässt das Ganze stocken. Mit der Käseharfe schneidet sie den sogenannten Bruch, den sie zu verschiedenen Camembert-Sorten verarbeitet. Aus der Molke wird später Schafs-Ricotta.

"Wir machen insgesamt bestimmt über 40 verschiedene Sorten an Käse, aber natürlich auch an Joghurt und Quark. Tiramisu haben wir jetzt erst gemacht. Ja, wir entdecken immer wieder etwas Neues, was wir machen und das machen wir gerne." Regina Steiner, Vilstalschäferin

Lebensmittelverkauf auf dem regionalen Markt

Auf vier Märkten in und um Vilsbiburg und Landshut verkaufen die Steiners ihre Produkte. Für den Familienbetrieb sind kurze Wege wichtig. Sie arbeiten so, wie sich das viele Verbraucher wünschen. Nur: erfahren müssen die Leute davon.

"Wir produzieren wirklich das Futter alles selber, machen den Käse alles selber. Und das alles haben wir den Leuten in den ersten Jahren nicht erzählen können, weil es für uns selbstverständlich war. Wir haben gesagt, wir machen das so und für uns ist das so, und wenn dann die Leute zu uns gekommen sind und haben gesagt ja, welcher Käse ist vor ihnen, und man kann sagen alle Käse sind von uns. Wir haben keinen Fremdprodukte. Dann haben die Leute einfach gestaunt." Thomas Steiner, Vilstalschäfer

Start-Up macht Lieferkette transparent

Hilfe bekommen die Steiners daher seit einem Jahr von einem Start-Up-Unternehmen aus Passau. Der Informatiker Alexander Treml hat mit einem kleinen Team die Online-Plattform "Regiothek" geschaffen. Passend dazu gibt es eine gedruckte "Genießerfibel", mit ausführlichen Informationen über Lebensmittelproduzenten in der Region zwischen Isar, Laber und Vils.

"Das ist unser Geschäft, dass wir den Verbraucher mit Informationen ausstatten. Jeder Verbraucher interessiert sich immer mehr, wo es welche Produkte aus seiner Umgebung gibt. Auch, was auch drin ist, in den Produkten und wo es die Produkte noch gibt außer beim Direktvermarkter. Also kleine Verkaufsstellen oder Märkte. Unser Ziel ist quasi, diese Informationen so weit wie möglich zu erfassen und einfach verständlich für Verbraucher darzustellen." Alexander Treml, Regiothek

Lebensmittelproduzent und -Vermarkter verbunden

In der Vilsbiburger Innenstadt verkaufen zwei Geschäfte die Produkte der Vilstalschäfer. Eines davon ist der Unverpackt-Laden "Walnuss" von Hellen Hable. Sie präsentiert ihre Lieferanten und ihr Angebot online in der "Regiothek". Alexander Treml übernimmt auf Wunsch das Marketing gegen eine monatliche Abo-Gebühr.

"Es kommen auch ganz viele Kunden rein und finden gerade diese Vernetzung von euch megacool. Dass sie sehen können: 'Ah, der Lieferant und da wird’s produziert und so weit ist es von hier entfernt.' Also, megacool!" Hellen Hable, Inhaberin Walnuss – unverpackt einkaufen, Vilsbiburg

"Genau, das ist ja das Konzept der ganzen Sache", erklärt Alexander Treml. Je mehr mitmachen, desto besser funktioniere es, sagt Alexander Treml und erklärt es an einem Beispiel.

"Man kann sich das so vorstellen, wenn man eine Bäckerei dabeihat und die sagt, von welcher Mühle sie das Mehl hat. Dann macht die Mühle mit und sagt auch, von welchem Bauern sie das Getreide bezieht, dann wird die Lieferkette natürlich immer vollständiger, die man sich dann anschauen kann." Alexander Treml, Regiothek

Regionale Produkte, regional verkaufen

Vom Vilstalschäfer zum Unverpackt-Laden ist die Kette kurz und direkt. Die Schafsmilchprodukte finden so direkt im Umkreis neue Kunden.

"Die Leute sind sehr informiert und sehr interessiert daran, zurückzuverfolgen woher kommt der Käse oder Joghurt? Das spielt für meine Kunden eine immense Rolle. Also, klar ist Bio wichtig. Unverpackt ist wichtig, aber dieser regionale Aspekt, der ist fast noch wichtiger eigentlich." Hellen Hable, Inhaberin Walnuss – unverpackt einkaufen, Vilsbiburg

Rund 500 Meter Luftlinie entfernt in der Oberen Stadt sitzt das nächste Regiothek-Mitglied: Paul Grübl von der "Speisekammer Vilsbiburg". In seinem Laden gibt es ein breites, regionales Feinkost-Sortiment zu kaufen. In der Käsetheke: viele Sorten vom Vilstalschäfer - und von anderen kleinen Erzeugern.

Regionale Produkte bekannter machen

Der Honig kommt vom Imker vor Ort, der Essig hat 13 Kilometer Lieferweg, die Schokolade nur zehn. Das Besondere an der Speisekammer: Hier gibt’s von Küchenchef Paul Grübl und seinem Team täglich einen Mittagstisch.

"Dadurch, dass wir echt eine große Abwechslung immer haben mit den Produkten, müssen wir uns ganz oft für jedes Gericht, das es bei uns gibt zum Essen, immer wieder neu reindenken, neu reinfuchsen. Das macht es auch ein bisschen interessanter für uns, uns wird nie langweilig dadurch und man hat auch eine schöne Abwechslung, die man ja allen Gäste bieten kann dadurch." Paul Grübl, Speisekammer Vilsbiburg

50 bis 60 Mittagessen bereitet Paul Grübl täglich zu, auf Anfrage macht er auch Abendessen oder Caterings. Das Thema "Regionalität" geht der Küchenchef auch bei den Zutaten sehr offensiv an. Heute gibt’s Schaf-Ricotta vom Vilstalschäfer zu "Bayerischem Reis" - eine Mischung aus verschiedenen Urgetreidesorten, die im Chiemgau angebaut werden. Keine alltägliche Beilage, und da steckt Kalkül dahinter…

"Da haben wir heute eh ein schönes Beispiel mit dem Reis und dem Ricotta. Den gibt es auch zum Kaufen bei uns und die Leute probieren den, schmeckt anders wie ein Risotto, intensiver und gehaltvoller schmeckt es auch, und dann ist die Nachfrage: Was ist das? Und wenn man natürlich sagen kann: 'Schaut her, das ist das Produkt und das könnt ihr bei uns da kaufen', dann wird das gerne gekauft, weil dann sieht man, was man draus machen kann." Paul Grübl, Speisekammer Vilsbiburg

So können die Gäste neue, auch ungewöhnliche regionale Lebensmittel probieren, um sie dann zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen. Die Infos zur Herkunft der Produkte gibt’s auf Papier in der Genießerfibel oder online in der Regiothek. Transparent – und verbrauchernah.