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P&R-Gläubiger müssen nach Milliardenbetrug weiter warten | BR24

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Laut dem Insolvenzverwalter ist die erste Abschlagszahlung nach wie vor erst für 2020 geplant. Wie viel die Gläubiger am Ende zurückbekommen, ist unklar.

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P&R-Gläubiger müssen nach Milliardenbetrug weiter warten

Zehntausende betrogene Anleger der Containerfirma P&R brauchen weiter Geduld: Laut dem Insolvenzverwalter ist die erste Abschlagszahlung nach wie vor erst für 2020 geplant. Wie viel die Gläubiger am Ende zurückbekommen, ist unklar.

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Es ist einer der größten Fälle von Wirtschaftskriminalität in der deutschen Geschichte: Über Jahrzehnte hat die P&R-Gruppe Anleger mit Investitionen in Frachtcontainer gelockt. Lange gingen die Geschäfte gut – doch im März 2018 meldeten die deutschen P&R Gesellschaften überraschend Insolvenz an.

Im Verlauf des Insolvenzverfahren stellte sich dann heraus, dass von rund 1,6 Millionen Containern, die eigentlich vorhanden sein müssten, nur rund 628.000 existieren.

Viele P&R-Anleger bangen um ihre Altersvorsorge

Insgesamt geht es um rund 3,5 Milliarden Euro von 54.000 geprellten P&R-Anlegern. Die meisten von ihnen sind bereits in fortgeschrittenem Alter. Mehr als 2.500 Gläubiger erschienen heute zur Gläubigerversammlung in der Olympiahalle in München. Ursprünglich hatten sich mehr als 4.000 angemeldet, mehrere Tausend ließen sich anwaltlich vertreten.

Auf dem Weg zur Gläubigerversammlung zeigten sich viele gegenüber dem BR erschüttert. "Wir haben eine Wohnung, die wir verkaufen müssen. Die bringt genug Geld, Gott sei Dank, sonst hätten wir wirklich nichts", erzählte eine Anlegerin.

Einige haben fast ihre gesamten Ersparnisse in das Geschäft mit der Vermietung von Containern gesteckt. Über Jahrzehnte kannten und vertrauten sie dem Unternehmen aus Grünwald bei München. P&R habe stets pünktlich und verlässlich gezahlt. Zuletzt sei eine Rendite von vier bis fünf Prozent erzielt worden. In sehr guten Zeiten sollen sogar zehn Prozent gezahlt worden sein. Doch nun stehen viele vor den Trümmern ihrer Altersvorsorge.

© picture alliance/dpa/Lino Mirgeler

Teilnehmer der Gläubigerversammlung im Millardenbetrugsfall P&R Container stehen an der Olympiahalle im Olympiapark.

Verbraucherschützer: Ansprüche genau prüfen

Vielen Anleger haben nach eigenen Angaben P&R im Freundes- und Bekanntenkreis sowie innerhalb der eigenen Familie weiter empfohlen. So wuchs das Geschäft fast von alleine. Involviert waren aber auch freie Finanzberater sowie Banken.

In diesen Fällen sehen Verbraucherschützer eine Chance, etwas von dem eingesetzten Kapital wiederzubekommen. "Für die Anleger ist jetzt entscheidend, zu prüfen, ob eventuell Berater oder Vermittler dieser Investments als mögliche Anspruchsgegner, in Frage kämen – zum Beispiel für Schadensersatzansprüche", sagt Matthias Schmid, Rechtsanwalt der Verbraucherzentrale Bayern.

P&R-Anleger müssen weiter auf Zahlungen warten

Wie viel die Anleger von ihrem eingesetzten Kapital eines Tages ungezählt bekommen, ist weiter unklar. Das sei derzeit nicht seriös prognostizierbar, so die mit der Insolvenzverwaltung beauftragte Kanzlei Jaffé. Mit ersten Abschlagszahlungen soll voraussichtlich im Jahr 2020 zu rechnen sein. "Es kann keinen übereilten Verkauf der Container unter Wert geben", so Michael Jaffé. Dies würde zum jetzigen Zeitpunkt nur unnötig Werte vernichten.

"Ziel ist es, möglichst zügig die Voraussetzungen für eine erste Abschlagsverteilung an die Gläubiger zu schaffen", sagt Jaffé. Es bedürfe aber einer ausgeklügelten Verwertungsstrategie der noch vorhandenen rund 628.000 Container. Hier liefe das Vermietungsgeschäft derzeit gut.