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Ostbayerische Autozulieferer rüsten sich für die Zukunft | BR24

© Beatrice Hohler

Strukturwandel, Handelskriege und Brexit: Die Probleme im Automobilsektor treffen auch Zulieferer. Viele kündigen einen Stellenabbau oder Schließungen an. Andere suchen Nischen für neue Jobs und sehen optimistisch in die Zukunft.

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Ostbayerische Autozulieferer rüsten sich für die Zukunft

Strukturwandel, Handelskriege und Brexit: Die Probleme der Automobilbranche treffen auch die Zulieferer. Viele kündigen einen Stellenabbau oder Schließungen an. Andere suchen sich Nischen für neue Jobs und sehen optimistisch in die Zukunft.

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Die Automobilindustrie befindet sich in der Phase ihres wohl größten Umbruchs. Der Wandel von Verbrennungsmotoren zur Elektromobilität bringt viele Arbeitsplätze in Gefahr. Zudem sorgen Handelskonflikte sowie der Brexit für Konjunktureintrübungen. Das trifft nicht nur die Automobilhersteller, sondern auch die Zulieferer - und da unter anderem große Firmen wie Bosch, Brose und Continental. Auch ostbayerische Zulieferer suchen nach neuen Wegen für ihre Zukunft.

Kostensenkungen bei Edscha

Weltweit wurden im ersten Halbjahr 2019 deutlich weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahr. Als Zulieferer trifft Edscha in Hengersberg diese Entwicklung unmittelbar. Insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Markt habe man starke Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, teilte eine Unternehmenssprecherin auf BR-Anfrage mit. Daher habe man vor einigen Monaten ein umfassendes Kostensenkungsprogramm aufgelegt, um das Ergebnis zu stabilisieren und das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

"Das Kostensenkungsprogramm beinhaltet bisher keinen Abbau von Arbeitsplätzen und wir planen auch nach derzeitigem Stand keinen Abbau von Arbeitsplätzen. Das Kostensenkungsprogramm betrifft vielmehr den Bereich Sachkosten. Hier stellen wir alle Anschaffungen auf den Prüfstand". Christina Clemens, Sprecherin Edscha

Neue Sparten bei Webasto

Eine Möglichkeit, Mitarbeiter zu halten, sieht Webasto durch die Einführung neuer Sparten. Wie eine Unternehmenssprecherin auf BR-Anfrage mitteilt, investiere man massiv in die Weiterentwicklung im Kerngeschäft mit Cabriodächern und Standheizungen, ebenso wie in neue Geschäftsfelder mit Batterien und Ladelösungen für die Elektromobilität.

Am Standort Hengersberg im Landkreis Deggendorf habe Webasto wegen auslaufender Kundenprojekte und des stagnierenden Cabriomarktes Produktionskapazitäten reduziert und andere Projekte übernommen. Allerdings wurde bereits im Sommer 2018 ein Sozialplan unterzeichnet. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, wurde in Abstimmung mit dem Betriebsrat vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2019 Kurzarbeit angemeldet.

Am Standort Schierling mit rund 380 Mitarbeitern im Landkreis Regensburg werden seit diesem Herbst neben Autodächern auch Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge produziert, so die Webasto-Sprecherin. Bisher kümmere sich ein kleines Team aus langjährigen und neuen Mitarbeitern dort und in Hengersberg um die Batteriethemen. Abhängig von der Entwicklung dieses noch jungen Geschäftsfeldes würden in den nächsten Jahren in Hengersberg voraussichtlich weitere Elektronikfachleute gebraucht.

Dräxlmaier sucht dringend IT-Spezialisten

Bei Dräxlmaier mit der Zentrale in Vilsbiburg im Landkreis Landshut sieht man positiv in die Zukunft.

"Da die Dräxlmaier Group ein Portfolio hat, das von den Veränderungen der Automobilindustrie nur positiv beeinflusst wird, sehen wir aus diesem Themenkomplex keine Beeinträchtigungen auf uns zukommen. Durch die E-Mobilität werden unsere Hochvolt-Leitungssätze und unsere Batteriesysteme stärker nachgefragt, die wir seit 2009 entwickeln.“ Tobias Nickel, Head of Marketing & Corporate Communications bei Dräxlmaier

Das autonome Fahren werde dazu führen, dass das Interieur des Fahrzeugs wichtiger werde. Gerade als Premiumanbieter von Interieursystemen sei man daher gut aufgestellt, so Unternehmenssprecher Tobias Nickel. Derzeit suche man nach IT-Fachkräften und habe in München-Schwabing speziell für SAP-Spezialisten ein Büro eröffnet. Bedarf gebe es auch bei Ingenieuren.

© Dräxlmaier Pressefoto

Dräxlmaier Batteriesystem

ZF Passau setzt auf kollaborative Roboter

Auch bei der ZF in Passau ist man optimistisch. Wie Unternehmenssprecher Gernot Hein auf BR-Anfrage erklärt, werden künftig Roboter eingesetzt, die jedoch mit den Menschen Hand in Hand arbeiten.

"Kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, übernehmen dabei sich wiederholende, für den Menschen unangenehme, schmutzige, riskante oder einfach nur banale Aufgaben. Cobots sind sehr vielseitig und flexibel einsetzbar und können die Effizienz von ganzen Montagelinien unmittelbar steigern." Gernot Hein, ZF Passau

Auch computergestützte Montage führe nicht zum Stellenabbau, sondern biete viele Vorteile für die Mitarbeiter. Dank CAA (computer aided assambly) könne die Produktivität insgesamt erhöht werden. Dabei würden Mitarbeiter von nicht-wertschöpfenden Tätigkeiten entlastet.

Mann+Hummel: Chancen durch Digitalisierung

Wie die meisten Unternehmen in der Automobilbranche durchläuft auch Mann+Hummel derzeit einen strategischen Wandel und spüre die Mäßigung der Weltwirtschaft. Nach Aussagen von Unternehmenssprecherin Henriette Krohn arbeitet man bereits seit Februar 2019 an einem Programm zur Restrukturierung. Davon sei auch der Standort in Marklkofen im Landkreis Dingolfing-Landau betroffen. Im Rahmen der Digitalisierung werden Produktionsanlagen vernetzt und automatisiert.

Neue Chancen sieht man im Unternehmen laut Krohn durch die Digitalisierung: „Schon heute arbeiten bei Mann+Hummel Projektgruppen über Abteilungsgrenzen hinweg als ‚liquid workforce‘ zusammen. Gleichzeitig werden Produktionsanlagen vernetzt und automatisiert. Die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen erleben wir also als Chance auf verbesserte Arbeitsabläufe und Prozesse, nicht als Bedrohung."