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Osram Vorstand für ams-Übernahme | BR24

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Die Geschäftsleitung von Osram sträubt sich nicht mehr gegen eine Übernahme durch ams. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die Arbeitnehmer sind nach wie vor dagegen. Sie befürchten einen großen Stellenabbau.

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Osram Vorstand für ams-Übernahme

Die Geschäftsleitung von Osram sträubt sich nicht mehr gegen eine Übernahme durch ams. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die Arbeitnehmer sind nach wie vor dagegen. Sie befürchten einen großen Stellenabbau.

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Kehrtwende bei Osram. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären, das Angebot des österreichischen Konkurrenten ams anzunehmen. Die gebotenen 41 Euro je Aktie seien angemessen. Konzernchef Olaf Berlien betonte in einer Telefonkonferenz, es handle sich nun nicht mehr um eine klassische Übernahme durch am sondern "fast um eine Fusion unter Gleichen".

"Am wichtigsten ist, dass die Mitarbeiter an deutschen Standorten bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt sind." Osram-Vorstandschef Olaf Berlien

Man werde gemeinsam stärker und es seien wichtige Zugeständnisse von ams erreicht worden. So ist vorgesehen, die Münchener Zentrale als Doppelsitz zu erhalten mit wichtigen Management-Funktionen.

Arbeitnehmer wehren sich

Die Arbeitnehmervertreter sind nach wie vor gegen eine Übernahme durch ams. Betriebsräte und Gewerkschafter im Aufsichtsrat bezeichnen das Vorgehen von ams als "unrechtmäßig". Es ist der zweite Versuch der Österreicher. Der Konzernbetriebsrat hat sogar Beschwerde gegen die Genehmigung der Übernahmeofferte durch die Finanzaufsicht BaFin eingereicht, weil ams eine Lücke im Gesetz genutzt hat, um eine zwölfmonatige Sperrfrist vor einem neuen Anlauf zu umgehen. Ob der Betriebsrat überhaupt klagen darf, ist aber unklar.

IG Metall befürchtet großen Stellenabbau

Nach Informationen der Gewerkschaft IG Metall soll in Deutschland jeder siebte Arbeitsplatz gestrichen werden. Osram wolle 800 von 5.600 Stellen abbauen. Vorstandschef Berlien bezeichnete die Zahl als "nicht richtig", betonte aber, dass man auf die geringere Nachfrage nach Halogen-Licht reagieren müsse. Der Stellenabbau werde im nächsten Geschäftsjahr 2019/20 weitergehen. Die IG Metall hält deshalb die Zusicherung, die Mitarbeiter hätten bis Ende 2022 keine fusionsbedingten Kündigungen zu befürchten, für wertlos.

"Wir befürchten, dass relativ schnell Osram zerschlagen wird, Teile verkauft werden und ein radikaler Personalabbau stattfinden kann." Irene Schulz, IG Metall und Osram-Aufsichtsrat

Deshalb habe die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat das aktuelle Übernahmeangebot von AMS auch abgelehnt, heißt es jetzt. Für kommenden Montag plant die IG Metall einen bundesweiten Aktionstag bei Osram. Allerdings hat der Chip- und Sensorhersteller inzwischen gut 20 Prozent der Osram-Aktien eingesammelt. Und mit diesem Großaktionär müssen sich Vorstand und Belegschaft irgendwie arrangieren, unabhängig davon, wie der Übernahmekampf ausgeht.

Gute Auftragslage in Regensburg

Zur Zukunft des "Kernstandorts" Regensburg sagte Berlien die Auftragslage dort sei gut und Regensburg habe eine gute Zukunft, auch weil dort Forschung und Entwicklung ausgebaut werden sollten. Allerdings sagte er auch, dass Osram und ams nicht mehr an der Option festhalten würden, Produktion aus Malaysia nach Regensburg zurückzuverlagern. Diese Diskussion sei von Anfang an "wirtschaftlicher Unfug" gewesen, da an den beiden Standorten in Malysia wesentlich günstiger produziert werde.

Standort Schwabmünchen vor ungewisser Zukunft

Berlien äußerte sich auf Nachfrage außerdem zur Zukunft des Standorts Schwabmünchen (Opto und Automotive) in der Nähe von Augsburg. Dieser Standort solle mit einem neuen Reinraum zum Halbleiterstandort werden, an dem v.a. LED-Plättchen für den Weltmarkt produziert werden. Eine Standort-Garantie könne Osram aber für Schwabmünchen nicht geben. Bislang wird dort der Grundstoff Phosphor produziert, außerdem Drähte für die Autoindustrie. In diesem Bereich war der Absatz zuletzt allerdings rückläufig.

Osram schreibt Verluste

Das Unternehmen steckt in der Krise. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 rutschte Osram in die roten Zahlen. Der Verlust lag bei 343 Millionen Euro, unter anderem wegen einer Abschreibung von 171 Millionen Euro auf den Firmenwert des Autozuliefer-Gemeinschaftsunternehmens mit Continental. Der Umsatz sank auf unter 3,5 Milliarden Euro. Eine Dividende soll es nicht geben. Bis das Unternehmen seine Mittelfrist-Ziele erreiche, werde es zwei Jahre länger dauern als bisher geplant, heißt es nun.