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Osram-Übernahme: So umstritten sind Bain und Carlyle | BR24

© BR / Ralf Schmidberger

Bain Capital und Carlyle – so könnten schon bald die neuen Eigentümer des Lichtkonzerns Osram heißen. Doch die Finanzinvestoren sind umstritten. Für das Münchner Unternehmen kann die Übernahme zugleich Fluch und Segen sein.

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Osram-Übernahme: So umstritten sind Bain und Carlyle

Bain Capital und Carlyle – so könnten schon bald die neuen Eigentümer des Lichtkonzerns Osram heißen. Doch die Finanzinvestoren sind umstritten. Für das Münchner Unternehmen kann die Übernahme zugleich Fluch und Segen sein.

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Es war Franz Müntefering, der 2005 einen Begriff prägte, der immer noch eine ganze Branche begleitet: Heuschrecken. So nannte der ehemalige SPD-Chef große Finanzinvestoren, die Unternehmen aufkaufen, um sie später wieder gewinnbringend zu veräußern. Seitdem tauchen die Heuschrecken immer dann auf, wenn solche Private-Equity-Investoren sich wie nun im Fall von Osram für ein Unternehmen interessieren. Zu Recht?

"Die Private-Equity-Branche hat inzwischen viel dazugelernt und genießt einen deutlich besseren Ruf", sagt Benjamin Hammer von der Leipzig Graduate School of Management. Einerseits. Doch auf der anderen Seite sind gerade Bain Capital und Carlyle, die nun den Münchner Lichtkonzern Osram übernehmen, alles andere als unumstritten. Zwei Beispiele machen das deutlich.

Insolvenz von Toys'R'Us: Vorwürfe gegen Bain Capital

Zum einen der Spielwarenhändler Toys'R'Us: 2005 hatte Bain Capital gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft KKR das Unternehmen übernommen. Doch anstatt Toys'R'Us fit für die Zukunft zu machen und zu modernisieren, hätten die neuen Eigner vor allem Schulden angehäuft, so der Vorwurf vieler Mitarbeiter. 2017 meldete der Spielwarenhändler schließlich Insolvenz an, Hunderte Filialen wurden in den USA geschlossen, rund 33.000 Mitarbeiter verloren dort ihre Jobs.

Pflegeheimkette Alloheim: Profit auf dem Rücken von Personal und Bewohnern?

Das zweite Beispiel: Alloheim. Bis 2008 eine kleine Pflegeheimkette, ehe Finanzinvestoren das Unternehmen für sich entdeckten – zuerst StarCapital, 2013 dann Carlyle. Als die Investoren Alloheim übernehmen, kommt die Kette schon auf fast 50 Heime. Auch Carlyle expandiert weiter, übernimmt zügig zusätzliche Einrichtungen – und verkauft Alloheim weiter an den schwedischen Investor Nordic Capital. Der Preis: 1,1 Milliarden Euro.

Für die Beteiligungsgesellschaft ein gutes Geschäft. Doch Kritiker und Mitarbeiter werfen den Eigentümern immer wieder vor, Profit auf dem Rücken von Personal und Bewohnern zu machen: Den Finanzinvestoren gehe es nicht in erster Linie um die Altenpflegen, sondern um Wachstum.

Pharmahersteller Stada profitiert von Bain-Übernahme

Dass viele Investitionen aber auch erfolgreich laufen, zeigt der Fall Stada: 2017 hatte Bain den Pharmahersteller gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Cinven übernommen. Und bislang gibt es bei Stada kaum Grund zur Klage: Unterm Strich verdiente das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 300 Millionen Euro und konnte auch beim Umsatz zulegen.

Die entscheidende Frage bei Osram ist deshalb: Welche Zukunft erwartet die Mitarbeiter in diesem Fall?

Bain und Carlyle: Fluch oder Segen für Osram?

"Bain und Carlyle sind in der Branche bekannt als Fonds, die sich auch stark ums operative Geschäft kümmern und nicht nur passiv investieren", erklärt Private-Equity-Experte Hammer.

Das kann Fluch und Segen sein: Zum einen bedeutet es, dass sich Bain und Carlyle wohl aktiv ins Tagesgeschäft einmischen werden. Zum anderen kann Osram aber auch von der Expertise der Investoren profitieren, die mit eigenen Teams Know-how ins Unternehmen einbringen dürften, um ihm aus der Krise zu helfen.

Bain und Carlyle haben bereits angekündigt, in Osram investieren zu wollen. Auch Unternehmenschef Olaf Berlien sieht darin eine Chance und bekommt Rückendeckung von der Gewerkschaft IG Metall. Eine Momentaufnahme, die sich in den kommenden Jahren durchaus wieder ändern kann.

© BR

Der Beleuchtungshersteller Osram wird voraussichtlich an zwei US-Finanzinvestoren verkauft. Vorstand und Aufsichtsrat des Münchner Traditionsunternehmens gaben grünes Licht.