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Übernahme von Osram: IG Metall reagiert skeptisch | BR24

© BR/Birgit Harprath

IG Metall zu Fusion Osram

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Übernahme von Osram: IG Metall reagiert skeptisch

Der Chiphersteller AMS aus der Steiermark hat 55 Prozent aller Aktien des Münchner Lichtkonzerns bekommen. Dem sollen jetzt Zukunftsgespräche zwischen beiden Unternehmen folgen. Die Arbeitnehmervertreter zeigen sich weiter skeptisch.

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Die Übernahme von Osram durch AMS ist für den kleineren Konkurrenten aus Österreich finanziell eine Herausforderung: AMS muss sich dafür verschulden. Die IG Metall fürchtet, dass am Ende Osram zerschlagen und Teile abgestoßen werden könnten.

AMS verspricht Joberhalt

Dabei gibt es Zusagen von AMS an die Arbeitnehmervertreter: Keine fusionsbedingten Kündigungen für drei Jahre und die deutschen Standorte sollen gestärkt werden. Man werde gemeinsam mit Gewerkschaft und Betriebsrat einen Integrationsfahrplan erarbeiten – sichert Osram in einer Mitteilung zu.

IG Metall will nachhaltige Sicherung

Der Gewerkschaft ist das zu wenig. Der Unternehmensbeauftragte Klaus Abel fordert, dass Arbeitsplätze und Standorte nachhaltig gesichert werden. Gegenüber B5aktuell nennt er eine gute Mitbestimmung und dass der Metall-Tarifvertrag weiter gilt. Das müsse vertraglich festgeschrieben werden. Die Gewerkschaft fragt sich zudem, wie das bisherige Vorhaben des Osram-Vorstandes zu bewerten ist, 800 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Ist das fusionsbedingt und seien damit Kündigungen ausgeschlossen oder eben vor der Fusion schon beschlossen und möglich?

"Wir werden mit aller Macht darauf drängen, dass gegebene Zusicherungen für die Arbeitnehmer rechtssicher eingehalten werden. Darüber hinaus werden Investitionen notwendig sein, um die Osram-Standorte zukunftsfähig zu machen. Auch dabei werden wir AMS in die Pflicht nehmen Zukunftsvereinbarungen abzuschließen, die den Beschäftigten die Möglichkeit bieten, die Zukunft mitzugestalten und sich entsprechend zu qualifizieren." Klaus Abel, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Osram.

Osrams Optoelektronik interessanter als die Digitalsparte

Interessant für AMS ist vor allem die Optoelektronik von Osram, also die Kombination von Optik und Halbleitertechnik. AMS selbst hat sich auf Sensorlösungen und die IT dazu spezialisiert. Für die Kombination aus Lichterzeugung und Lichtsensorik gibt es eine Reihe möglicher Anwendungen – in der Autoindustrie, für die Medizintechnik und in der mobilen Kommunikation. Weniger interessant für AMS ist die Digitalsparte von Osram. Das klingt zwar fortschrittlich; de facto handelt es sich um einige wenig profitable Einzelfirmen, mit Angeboten für Showbühnen, Fassaden-Beleuchtung und Lichtquellen für Nutzpflanzen. Größere Chancen bieten sich beim autonomen Fahren: AMS und Osram sind Zulieferer für die Autoindustrie und könnten gemeinsam solche Angebote weiterentwickeln. Für das Management in Österreich wird es nun vor allem darum gehen, die Kartellbehörden und die eigenen Aktionäre zu überzeugen. Scheitert die geplante Kapitalerhöhung von AMS im Januar, dann stünde die Osram-Übernahme auf der Kippe.

Klagerecht für Beschäftigte gefordert

Die Gewerkschaft will vor diesem Hintergrund auch die Politik ansprechen. Die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei derartigen Übernahmeprozessen sollten gesetzlich verankert werden, so Abel. Unter anderem fordert die Gewerkschaft ein Klagerecht der Beschäftigten bei Übernahmen von Unternehmen.

Finanzmarktexperten wie Bert von Roosebeke vom CEP Centrum für europäische Politik halten dies jedoch für ein schwieriges Unterfangen, denn in der EU gehöre freier, grenzüberschreitender Kapitalverkehr zu den Grundfreiheiten. Einschränkungen durch den Gesetzgeber seien nur zulässig, wenn Unternehmenskäufe die öffentliche Ordnung und Sicherheit bedrohen könnten, wie das bei bestimmten Firmenübernahmen etwa durch chinesische Staatsunternehmen der Fall sein könnte. Entsprechend restriktiv sei deshalb auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes.