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Oktoberfest-Absage: Milliardenverluste für Münchens Wirtschaft | BR24

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Wiesn-Absage trifft Schausteller, Brauereien und die Stadt hart

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Oktoberfest-Absage: Milliardenverluste für Münchens Wirtschaft

Entscheidung gefallen: Das Oktoberfest findet dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht statt. Viele Unternehmen, Geschäfte und Betreiber in München und Umland leben vom zweiwöchigen Volksfest. Was hat das für wirtschaftliche Folgen?

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Von
  • Iris Meinhardt

Lebkuchenherzen gehören zum Oktoberfest wie das Bier. Für Hugo Seybold mit seiner Lebkuchenfabrik Fesey ist das Volksfest die Haupteinnahmequelle. Doch dieses Jahr fällt die Wiesn aus und auch die anderen Volksfeste wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. "Jedes abgesagte Fest ist ein Stich ins Herz", so Seybold.

Doch Seybold ist nicht der Einzige, dem Einnahmen wegbrechen: 6,3 Millionen Menschen kamen 2019, tranken 7,3 Millionen Maß, verzehrten zusammen 124 Ochsen und 29 Kälber. Ganz zu schweigen von den tausenden Hendln, Steckerlfischen, Würstln, Brezn und gebrannten Mandeln, die verzehrt werden.

13.000 Arbeitsplätze auf dem Oktoberfest

Die Einnahmen der Festzelte und Fahrgeschäfte lagen im vergangenen Jahr bei 442 Millionen Euro. Für die Wiesnwirte, vor allem aber für die Schausteller und kleinen Geschäfte ist die Entscheidung eine Katastrophe. Laut Wirtschaftsreferat der bayerischen Landeshauptstadt gibt es rund 13.000 Arbeitsplätze auf dem Oktoberfest.

Aber auch abseits der Theresienwiese ist die Wiesn ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Laut Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat das größte Volksfest der Welt vergangenes Jahr insgesamt etwa 1,2 Milliarden Euro in die Kassen gespült. Diese Einnahmen werden in diesem Jahr komplett wegfallen. Das treffe auch die Gastronomie außerhalb des Oktoberfestes, bis hin zum Taxifahrer. "Alle werden natürlich schmerzlich das Oktoberfest auch im Geldbeutel vermissen", so Reiter.

Harter Schlag für die Hotellerie

Auch für die Hotellerie ist die Absage des Oktoberfestes ein weiterer herber Schlag aufgrund der Corona-Krise. Allein in München gibt es ungefähr 450 Unterkünfte mit 80.000 Betten, die während des Oktoberfestes fast komplett belegt sind. Insgesamt geben die Gäste rund 505 Millionen Euro für Übernachtungen aus.

Der bayerische Hotel-und Gaststättenverband bekräftigt deshalb nochmals die Forderung, den Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie von neunzehn auf sieben Prozent zu senken. Die Absage des Oktoberfestes dürfe "nicht zum Totalschaden des Gastgewerbes führen". Die Branche brauche "den reduzierten Umsatzsteuersatz mehr denn je, sowie einen Rettungsfonds."

Umsatzeinbußen wohl auch für Einzelhandel

Auch dem Einzelhandel gehen durch die Wiesn-Absage Einnahmen verloren. Rund 160 Millionen Euro verdienen die Geschäfte während der Festwochen vor allem mit Trachten und Souvenirs laut Handelsverband Bayern.

Für die Lebkuchenfabrik von Hugo Seybold, der das Unternehmen in der dritten Generation leitet, ist die Absage eine "Katastrophe". Dennoch versucht er optimistisch zu bleiben: "Wird schon klappen mit Kurzarbeit."

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