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© BR / Stefan Lina
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Daniel Karmann

Weltweit herrscht ein Mangel an Chips. Beispielsweise müssen Autohersteller immer wieder ihre Produktion stoppen. Die Halbleiter sind gefragt, die Produktion kommt nicht hinterher.

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Ohne Halbleiter geht nichts: Globaler Engpass an Mikrochips

Die Chip-Industrie erlebt weltweit einen Boom. Der Trend zu Homeoffice und Homeschooling ließ die Nachfrage nach Mobilfunkgeräten oder Computern sprunghaft ansteigen. Doch die Hersteller schaffen es nicht, die Nachfrage zu bedienen.

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Von
  • Stephan Lina

Sie stecken in Handys, Computern oder Autos. Mikrochips oder sogenannte "Halbleiter" sind aus unserem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch weltweit sind diese Chips Mangelware. Bei Audi oder anderen Herstellern stockt deshalb immer wieder die Produktion.

Ohne Chips geht nichts

Waren vor zehn Jahren gerade einmal ein paar Handvoll Chips in ein Auto eingebaut, so finden sich in modernen Fahrzeugen hunderte von Halbleitern. Sie steuern Fahrerassistenzsysteme, das Licht, den Motor und das Abgassystem. Und: Ihre Zahl nimmt ständig zu. Insbesondere Elektroautos sind wahre "Chip-Fresser". In einem Tesla zum Beispiel sind Halbleiter im Wert von mehreren hundert Euro verbaut, um das komplexe Batteriesystem zu regulieren. Aber auch im Alltag sind Halbleiter längst allgegenwärtig: in Mobiltelefonen, Kühlschränken, Waschmaschinen, Fernsehern, aber auch in Bezahlkarten und Reisepässen.

Zu wenige Chip-Fabriken

Halbleiter bestehen beispielsweise aus dem Stoff Silicium. Das muss hochrein produziert und in dünne Scheiben, in sogenannte "Wafer", geschnitten werden. Doch während der Pandemie konnten Hersteller entweder zeitweise nicht arbeiten oder aber der Transport zu den Chip-Fabriken stockte. Egal ob Infineon, Intel oder Samsung – fast alle Chiphersteller arbeiten seit Monaten am Anschlag.

Der Nachfragesprung des vergangenen Jahres hat nahezu die gesamte Branche überrascht. Zwar haben inzwischen einige Konzerne den Aufbau neuer Werke angekündigt, aber das kann dauern. Der größte deutsche Chipkonzern Infineon will nun zumindest die Eröffnung einer neuen Fabrik im österreichischen Villach um mehrere Monate vorziehen – der Start ist nun für den September geplant.

Investitionsprogramm für Europa

Bisher dominieren amerikanische und asiatische Hersteller den Weltmarkt für Halbleiter. Europäische Unternehmen stehen zumeist in der zweiten Reihe. Infineon zum Beispiel hat es zuletzt dank eines großen Zukaufs in den USA zwar inzwischen in die Top Ten der Branche geschafft, liegt aber bei Umsatz und Gewinn weit hinter den Marktführern wie Intel, Samsung oder TSMC. Insgesamt kommen Europas Chip-Unternehmen gerade einmal auf einen Weltmarktanteil von zehn Prozent. Nach dem Willen der EU-Kommission soll dieser in den kommenden Jahren auf 20 Prozent verdoppelt werden. Unter anderem soll der Aufbau neuer Chip-Fabriken mit Milliardensummen gefördert werden. So denkt unter anderem der Branchenriese Intel über ein neues Werk in Deutschland nach.

Nadelöhr Taiwan

Weltweit wichtigster Produktionsstandort der Branche ist Taiwan. In dem asiatischen Inselstaat sitzt mit TSMC das mit Abstand größte sogenannte "Foundry-Unternehmen". Also eine Firma, die im Auftrag von Kunden wie Infineon oder Apple Halbleiterprodukte fertigt.

Diese Arbeitsteilung ist in der Branche üblich. Die Produktionsschritte bis hin zum fertigen Chip sind so aufwändig und spezialisiert, dass kaum ein Halbleiter-Unternehmen den gesamten Herstellungsprozess alleine erledigt. Taiwan wiederum hat schon früh auf die Foundries gesetzt und deckt damit heute etwa zwei Drittel des Weltmarktes ab. Deswegen lösen militärische Drohungen Chinas gegen das Land immer wieder Nervosität in der Technologie-Industrie aus.

Corona-Sorgen treffen auch die Halbleiterindustrie

Die Corona-Pandemie spielte dagegen in Taiwan lange Zeit nur eine Nebenrolle. Das Land hatte früh ein ausgeklügeltes und effizientes System zur Kontakt-Nachverfolgung, die Infektionszahlen blieben im internationalen Vergleich extrem niedrig. Zuletzt aber stiegen die Infektionszahlen an. Und es kursieren Berichte über mögliche harte Lockdowns sowie noch strengere Einreiseregeln, auch für die Piloten von Frachtflugzeugen. Das weckt die Sorge, dass die Versorgung des Weltmarktes mit Halbleitern weiter eingeschränkt werden könnte.

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