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Oberes Mittelfeld: Deutsche Rente im internationalen Vergleich | BR24

© BR/ Johanna Schlüter

Oberes Mittelfeld: Deutsche Rente im internationalen Vergleich

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    Oberes Mittelfeld: Deutsche Rente im internationalen Vergleich

    In internationalen Vergleichen schneidet das deutsche Rentensystem immer wieder mittelmäßig ab. An welchen Vorbildern sich Deutschland orientieren könnte, darüber gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen.

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    Regelmäßig loben Gewerkschaften und Sozialverbände das österreichische Rentensystem als vorbildlich. Denn es schütze im Alter wesentlich effizienter vor Armut als das deutsche System.

    Tatsächlich können in Österreich Rentner nach 45 Berufsjahren mit einem durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen von 33.221 Euro rund 80 Prozent als jährliche Altersversorgung erwarten, also 26.576 Euro. So listet es der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages auf. Dem stehen in Deutschland 17.026 Euro gegenüber, also gut ein Drittel weniger.

    Unterschiedliche Grundansätze

    Allerdings gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Rentensystemen der beiden Nachbarländer. In Österreich müssen Versicherte 15 Jahre einzahlen, damit sie einen Rentenanspruch haben. In Deutschland sind nur fünf Jahre nötig. Der Beitragssatz in Österreich liegt bei 22,8 Prozent, in Deutschland werden 18,6 Prozent vom Bruttolohn abgezogen.

    Ein Hauptunterschied zwischen beiden Systemen liegt darin, dass in Österreich auch Beamte und Selbstständige in die allgemeine Rentenversicherung mit einbezogen sind. In Deutschland zahlen sie nicht in die gesetzlichen Rentenkassen ein.

    Auch beim Anteil an der Wirtschaftsleistung, den die beiden Länder für ihr jeweiliges Rentensystem aufbringen, gibt es deutliche Unterschiede: In Deutschland fließen 10,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ins Rentensystem, in Österreich sind es 13,3 Prozent, also rund ein Drittel mehr, so hat es die Industriestaatenorganisation OECD errechnet.

    Vergleichssieger in Nordeuropa

    Bei deutschen Gewerkschaften und Sozialverbänden gilt das österreichische System nicht nur bei der Höhe der Leistungen als Vorbild, Wissenschaftler der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung halten es auch für nachhaltig finanziert.

    Rentenfachleute privater Versicherungs- und Beratungskonzerne machen allerdings andere Rechnungen auf. Sowohl in einem internationalen Vergleich der Allianz-Gruppe als auch in einer Studie der amerikanischen Beratungsfirma Mercer liegt Österreich nur im unteren Mittelfeld. Denn in beiden Rankings erhält Österreich gerade in puncto Nachhaltigkeit schlechte Werte: Die Alpenrepublik sei auf die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft nicht gut vorbereitet.

    Einig sind sich die Studienautoren, dass es vor allem nordeuropäische Länder seien, die ihre Rentensysteme vorbildlich gestalten: Schweden, Dänemark und die Niederlande liegen sowohl beim Ranking der Allianz auch in der Mercer-Studie weit vorne. Deutschland ordnen die Fachleute beider Konzerne im oberen Mittelfeld ein.

    Staatlicher Rentenfonds als Lösung?

    Als ein Erfolgsrezept der Alterssicherung etwa in Schweden gelten staatliche organisierte Pensionsfonds. Seit 1998 müssen die Bürger Schwedens dort einen Teil ihres Einkommens einzahlen. Sie können dabei unter insgesamt rund 850 Fonds fünf verschiedene Angebote auswählen.

    Forderungen nach einem ähnlichen System für Deutschland, wie sie vor allem von der FDP, aber auch aus der CDU immer wieder kommen, stoßen allerdings auf Widerstand bei der Versicherungswirtschaft. Branchenverbände wehren sich dagegen, dass private Fondsmanager staatlich organisierte Konkurrenz bekommen.

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