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Obdachlosigkeit: Notunterkünfte für Auslands-Rückkehrerinnen | BR24

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Die 77-jährige Münchnerin Karin kämpft gegen Obdachlosigkeit.

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Obdachlosigkeit: Notunterkünfte für Auslands-Rückkehrerinnen

Deutschland gehört international zu den Spitzenreitern unter den Auswanderungsländern - trotz Fachkräftemangel. Rund ein Drittel der Emigranten kehrt aber wieder zurück. Über eine Münchnerin, die in den USA Aufstieg und Fall erlebte.

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Oktober 2018. Hauptbahnhof München. Nach fast 40 Jahren Arbeit in den USA kehrt Karin zurück in ihre Geburtsstadt - mittellos. Ihre erste Anlaufstelle ist die Bahnhofsmission. Über das Internet hat sie schon Kontakt aufgenommen.

"Ich war mir ja niemals im Klaren, wie freundlich und hilfsbereit... Und das Verständnis hier - es kommen ja so viele an, die was brauchen." Karin, Auswanderin

Rückkehr nach Schicksalsschlägen und sozialem Abstieg

Karin hat schon so einiges hinter sich. In den USA arbeitete die heute 77-Jährige als Investmentberaterin. Beim Börsencrash nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 verlor sie fast ihr gesamtes Geld. Dann, erzählt sie, wurde ihre Wohnung durch einen Wirbelsturm zerstört. Und schließlich - ein Schlaganfall. Die Bahnhofsmission kümmert sich rund um die Uhr um Gestrandete wie Karin. Dort erfährt man: Immer mehr mittellose Rückkehrerinnen aus dem Ausland nehmen die Anlaufstelle in Anspruch.

"Wir bieten hier diesen Schutzraum für Frauen auch an rund um die Uhr, damit Frauen, wenn es für sie überhaupt keine andere Möglichkeit mehr gibt, übernachten können. Das ist natürlich sehr primitiv mit Isomatte auf dem Boden, aber es ist ein geschützter Raum. Und es übernachten im Schnitt jährlich drei bis fünf Frauen jede Nacht bei uns, zum Teil auch mit Kindern." Bettina Spahn, Katholische Bahnhofsmission München

Münchner Frauenobdach - so viele Anfragen wie nie zuvor

Isabel Schmidhuber vom Münchner Frauenobdach KARLA 51 kümmert sich um Karin. Gerade ist ein Einzelzimmer freigeworden - und das bekommt sie. 2000 Anfragen gibt es derzeit im Jahr, so viele wie nie zuvor. Doch die vom Evangelischen Hilfswerk getragene Notunterkunft kann nur 55 Betten vergeben.

"Der Schritt bei einer professionellen Einrichtung, bei Sozialarbeiterinnen, Hilfe zu suchen, und auf diese Hilfe haben sie ja auch einen Anspruch und ein Recht, der fällt vielen Frauen sehr schwer. Da spielt die Scham eine sehr große Rolle, dass die Frauen irgendwie das Gefühl haben, sie hätten im Leben versagt. Dass sie jetzt zu einer Institution gehen müssen und dass sie es nicht alleine geschafft haben." Isabel Schmidhuber, Frauenobdach KARLA 51

Rückkehrerin kämpft in Deutschland weiter gegen Obdachlosigkeit

Rückkehrerin Karin muss sich jetzt durch die Mühlen der Bürokratie kämpfen. Ihre kleine Rente reicht nicht, sie hat inzwischen Grundsicherung beantragen müssen. Und: Die Notunterkunft im KARLA 51 ist eigentlich nur für eine Laufzeit von acht Wochen angedacht. Für Karin ist momentan unklar, wie es weitergeht. Sie hofft auf einen Platz in einer Unterkunft für betreutes Wohnen. Und auf einen Job im Alter: "Vielleicht könnte ich bei den City-Tours übersetzen, ich habe ja auch Spanisch drauf. Vielleicht ginge da etwas, aber das sind alles Wunschträume, Fragezeichen."

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Autor
  • Susanne Fiedler
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