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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Uwe Anspach

Wohnungslos kann jeder werden. Besonders schnell trifft es aber Arbeitslose, Kranke und Singles. Und es sind immer mehr Menschen, die auf der Straße leben. Könnten Obdachlose gerade nicht in den vielen leeren Hotelbetten untergebracht werden?

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Obdachlose in der Pandemie: Sind Hotels eine Lösung?

Wohnungslos kann jeder werden. Besonders schnell trifft es aber Arbeitslose, Kranke und Singles. Es sind immer mehr Menschen, die auf der Straße leben. Könnten Obdachlose gerade in den vielen leeren Hotelbetten untergebracht werden?

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Von
  • Elke Schmidhuber

Schaut man auf die Straßen der Städte, sieht man deutlich mehr Menschen, die in Schlafsäcken an windgeschützten Plätzen übernachten. Mittlerweile ein gewohntes Straßenbild. Kein Wunder: Die Mieten sind vielerorts schwindelerregend hoch, gleichzeitig gibt es zu wenige Sozialwohnungen. Auch Corona hat die Lage von Obdachlosen verschärft.

Darum kommt die Forderung von Frater Emmanuel Rotter, Prior von Sankt Bonifaz in München, nicht von ungefähr: Es wäre schön, wenn Hotels diese Menschen aufnehmen würden.

470 Hotels mit 88.000 Betten gibt es allein in München

Grundsätzlich ist die Hotellerie der Idee nicht abgeneigt. Seitens des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga heißt es, man stehe immer bereit, als Teil der Lösung auszuhelfen. Warum der Verband diese Möglichkeit nur als kurze Notlösung sieht, hat mehrere Gründe.

Hotels sind teuer. Das liegt daran, dass viel Servicepersonal zur Verfügung gehalten wird. Pensionen sind hingegen wesentlich günstiger. Sie werden zum Teil heute schon von Gemeinden als langfristige Unterkünfte für Wohnungslose gebucht - vor allem für Menschen, die wegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit durchs Raster fallen, die aber sonst keine Probleme haben. Doch warum leben dennoch Menschen auf der Straße?

Wohnungslos ist nicht gleich obdachlos

Manche Menschen, die sich "innerhalb der Gesellschaft" bewegen, reagieren oftmals empfindlich auf Obdachlose, die ja als "am Rand der Gesellschaft" wahrgenommen werden, so der Sozialpädagoge Paul Pfeiffer. Er arbeitet in der Unterkunft der Heilsarmee für Obdachlose und Wohnungslose in München-Sendling. Viele Leute, die in der Gemeinschaftsunterkunft leben, hätten psychische Probleme, seien drogenabhängig oder alkoholkrank - manche kämen auch aus dem Gefängnis.

Obdachlose benötigen Betreuung

Viele Obdachlose gehen den Konflikten mit Menschen aus dem Weg, indem sie eben nicht in eine Unterkunft gehen, wo sie auf andere Menschen treffen. Sie bevorzugen ein Leben auf der Straße. Obdachlose haben es nicht leicht gehabt im Leben. Das hat sie geprägt. Sie seien keine einfachen Menschen, weiß Pfeiffer. Diese Klientel benötigt geschultes Personal und viel Betreuung.

Die Frage, ob Hotels einfach so als Unterkunft geeignet sind, beantwortet der Sozialpädagoge so: für Wohnungslose ja, für Obdachlose nein.

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