BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Ob kaufen oder mieten: Wohnmobil-Branche boomt dank Corona | BR24

© BR/HR/Friso Richter
Bildrechte: BR/HR/Friso Richter

Wohnmobil - mieten oder kaufen?

7
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Ob kaufen oder mieten: Wohnmobil-Branche boomt dank Corona

Die Wohnmobil-Branche boomt: Über 100.000 verkaufte Freizeitfahrzeuge im Corona-Jahr 2020 - so viele wie noch nie. Doch der Traum vom unabhängigen Reisen ist alles andere als günstig. Ist mieten die billigere Lösung und was ist beim Kauf zu beachten?

7
Per Mail sharen
Von
  • Jörn Sawatzki
  • Gabriel Wirth

78.055 Neuzulassungen von Wohnmobilen im Jahr 2020 - das sind knapp 50 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Über 100.000 verkaufte Freizeitfahrzeuge, also Reisemobile und Caravans, in einem Kalenderjahr. Und der Trend scheint auch in diesem Jahr anzuhalten, in dem nicht klar ist, wann welche Hotels unter welchen Bedingungen öffnen dürfen. Da ist ein Wohnmobil, mit dem man jederzeit unabhängig und mobil reisen kann, eine sichere Alternative. Wer allerdings seinen nächsten Urlaub mit dem Camper plant, sollte über das nötige Kleingeld verfügen, denn Wohnmobile sind teuer. Da stellt sich schnell die Frage: "Wohnmobil mieten oder kaufen?"

Ob man sich ein Wohnmobil kaufen oder mieten soll, hängt zuerst einmal davon ab, ob man über genügend Bares verfügt. Im Durchschnitt kostet ein Wohnmobil laut Industrieverband CIVD 70.000 Euro. Das heißt, es gibt deutlich teurere, große Luxusmodelle und es geht auch günstiger. Je nachdem, was man will und was man auf dem Konto hat. Natürlich kann man Camper auch finanzieren. In diesem Fall ist aber eine Anzahlung fällig.

Mit dem eigenen Wohnmobil auch spontan unterwegs

Eine weitere Frage: Wie lange will man unterwegs sein? Dabei gilt folgende Faustregel: Ein Wohnmobil-Kauf lohnt sich nur für Camping-Begeisterte, die pro Jahr mindestens vier bis sechs Wochen auf Reisen sind. Wer weniger unterwegs ist, für den lohnt sich eher das Mieten. Ein weiterer Punkt in den Überlegungen sollte sein, ob man in der Hauptsaison oder in der Nebensaison unterwegs ist. Wer nur in der Hauptsaison fahren will, der erreicht schon nach vier Wochen den sogenannten Break-Even-Bereich - also den Punkt, bei dem die Kosten gedeckt sind. In der Nebensaison liegt dieser bei ca. fünf bis sechs Wochen.

Allerdings: Nicht mit eingerechnet, so der Marketingleiter von CIVD, Marc Dreckmeier, ist der Mehrwert, der nicht mit Geld zu bezahlen ist: nämlich die Möglichkeit, mit dem eigenen, mobilen Zuhause auch mal am Wochenende spontan aufzubrechen.

Laut einer Schätzung des ADAC liegen die Unterhaltskosten für ein klassisches Wohnmobil mit einem Neuwagenpreis von 55.000 Euro bei rund 4.500 Euro pro Jahr, inklusive Steuern, Versicherung, Wartung und einer Wiederbeschaffungsrücklage. Solch ein Fahrzeug zu mieten kostet pro Tag in der Hauptsaison rund 140 Euro. Das heißt, nach diesem Rechenmodell lohnt es sich ab dem 32. Tag, ein Wohnmobil zu kaufen. Vorausgesetzt, man hält die vereinbarte Kilometerpauschale ein. Diese kann je nach Vertrag variieren. Häufig sind 250 Kilometer in der Tagespauschale enthalten; bedeutet, wer weiter fährt, zahlt pro mehr gefahrenen Kilometer noch mal einige Cent drauf.

Private Wohnmobil-Vermietung als Kostendrücker

Doch das ist nur eine pauschale Richtschnur, meint ADAC-Sprecher Thomas Biersack. Den höheren Mietkosten in der Hauptsaison stehen beispielsweise hohe Preise beim Kauf gegenüber, zu denen noch die Versicherungen dazukommen - gerade wenn es eine Vollkasko-Versicherung für ein neues Fahrzeug sein soll.

Man kann die Unterhaltskosten aber auch drücken, in dem man das Wohnmobil privat vermietet. Wie bei der privaten Zimmervermittlung AirBnB gibt es auch hier mittlerweile entsprechende Firmen, allen voran Paul Camper. Auf der Homepage des Unternehmens kann man sein Fahrzeug anderen zum Leihen anbieten. Gründer und Chef Dirk Fehse schätzt, dass man nach 20, 30 Verleih-Tagen die Instandhaltung des Wohnmobils reinholen kann. Aber auch das sind nur grobe Schätzungen.

Denn es macht natürlich einen Unterschied, ob man einen kleinen VW-Camper oder einen Alkoven für sechs Personen anbietet; ebenso, ob der Camper schon abgeschrieben ist oder ob er noch über die Instandhaltungskosten hinaus refinanziert werden muss. Gar kein Geld ist aber zu verdienen, wenn der Camper nur in der Einfahrt steht und mit laufenden Steuern und Versicherung Kosten produziert, gibt Dirk Fehse zu bedenken.

Das Wohnmobil als Begleiter für den Alltag

Wer die Standkosten möglichst gering halten will, der sollte sich überlegen, ob er sich nicht vielleicht ein alltagstaugliches Campingfahrzeug kauft. Das kann man dann sowohl für die Familie, für Fahrten in der Stadt oder zum Einkaufen nutzen - und natürlich am Wochenende zum Campen. Daneben kann man auch den Preis für ein Wohnmobil drücken, indem man es gebraucht kauft. Diese Idee scheinen derzeit viele zu haben, denn das Camping boomt. Das merkt man auch am Gebrauchtwagenmarkt:

"Bei den Gebrauchtfahrzeugen wird es gerade in diesen Wochen und Monaten sehr, sehr eng. Wir haben in den vergangenen Jahren schon erlebt, dass beim Kauf von Neufahrzeugen schon Engpässe bestehen. Bei den Gebrauchten ist der Markt ziemlich abgeräumt. Es gibt die Erkenntnis, dass im letzten Jahr der Gebrauchtwagenmarkt um 18 % zugenommen hat." (ADAC Sprecher Thomas Biersack)

Mieten oder Kaufen? Erst einmal mieten!

Deshalb Vorsicht bei vermeintlichen Schnäppchen. Bei gebrauchten Wohnmobilen lohnt es sich besonders genau hinzusehen und das gewünschte Gefährt mal in einer Werkstatt durchchecken zu lassen. Wer allerdings das erste Mal mit so einem Wohnmobil unterwegs ist, für den ist die Antwort "Mieten oder Kaufen" sehr eindeutig: erst einmal mieten, um sich heranzutasten und dann irgendwann kaufen.

Und da haben Kunden die Qual der Wahl: Es gibt umgebaute Kastenwagen, Busse, Teil-Integrierte, Voll-Integrierte, mit Schlafnische über dem Fahrerhaus, lange, kurze mit mehr oder weniger Ausstattung... Doch gemütlich sind die meisten.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!