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Niedrigere Mehrwertsteuer: Hier kommt sie tatsächlich an | BR24

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Welche Unternehmen geben die Mehrwertsteuer weiter? BR-Finanzexperte Sebastian Hanisch erklärt: Wir alle können sparen, doch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

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Niedrigere Mehrwertsteuer: Hier kommt sie tatsächlich an

Zum 1. Juli wurde die Mehrwertsteuer gesenkt. Verschiedene Testkäufe zeigen, wo sich die Steuersenkung für Kundinnen und Kunden bemerkbar macht – und welche Preise trotzdem steigen. Zeit für eine Bilanz.

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Ein halbes Jahr lang gilt in der Bundesrepublik ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 16 statt 19 Prozent. Der reduzierte Steuersatz, wie er zum Beispiel für die meisten Lebensmittel gilt, beträgt nur noch fünf statt sieben Prozent. Eine Woche nach der Senkung besuchen wir zum Beispiel Discounter, Baumärkte und Elektronikmärkte. Dabei schauen wir genau hin, wo der Handel die niedrigeren Preise tatsächlich weitergibt.

Lidl, Aldi und Co: Discounter und die Mehrwertsteuersenkung

Unsere Shopping-Tour beginnt bei den Discountern. Bei Lidl sieht der Kunde bei jedem einzelnen Produkt, wieviel die Preissenkung ausmacht. Das wirkt auf den ersten Blick übersichtlich und transparent. Wir kaufen Milch, Butter, Brot, Nudeln, Wurst, Toilettenpapier und eine Dose Ravioli. Insgesamt zahlten wir vor der Mehrwertsteuersenkung am 1. Juli 10,81 Euro. Danach kostet unser Einkauf fünf Cent weniger. Eine Preissenkung also – und das, obwohl der Discounter eigenen Angaben zufolge bereits einige Tage vor dem eigentlichen Stichtag die Preise gesenkt hatte.

Schwankende Preise fressen Rabatt auf

Eine andere Strategie wendet Aldi an: Hier gibt es drei Prozent Rabatt auf den Einkauf - was die eigentliche Mehrwertsteuersenkung sogar noch übertrifft. Trotzdem zahlen wir bei unserem zweiten Einkauf im Juli mit 10,19 Euro mehr als bei unserem ersten Besuch. Da kostete unser Einkauf noch 10,17 Euro. Der Grund: die Butter ist teurer geworden. Bei unserem Testeinkauf haben wir also keine Ersparnis.

Edeka und Rewe: Preisnachlässe nicht bei allen Produkten

Bei Rewe finden wir in den Geschäften überall Schilder, dass über 5.000 Preise gesenkt wurden. Bei welchen, ist aber nicht ersichtlich. Unser Einkauf bleibt auf den Cent gleich teuer. Ebenso bei Edeka: Auch hier zahlen wir im Juli exakt so viel wie Ende Juni. Trotz Mehrwertsteuersenkung.

Sparen im Baumarkt und im Elektrohandel

Unser nächstes Ziel: eine Bauhaus-Filiale, in der wir einen Hammer und Nägel kaufen. Hier lässt man zwar die alten Preisauszeichnungen am Regal – an der Kasse wird aber die gesenkte Mehrwertsteuer berechnet.

Auch MediaMarkt gibt die Mehrwertsteuersenkung weiter. Wir kaufen eine Funk-Maus und einen USB-Stick und zahlen dafür im Juni 19,98 Euro. Im Juli kostet unser Einkauf nur noch 19,48 Euro. Richtig bemerkbar macht sich die Steuersenkung vor allem bei teuren Geräten. Ein hochwertiger Qled-Fernseher von Samsung kostete im Juni noch 5.299 Euro. Jetzt bekommt man ihn für 5.165,47 Euro. Das Gerät ist also gut 130 Euro billiger. Ähnlich korrekt handeln auch die großen Mobilfunkanbieter und Versorger wie Stadtwerke oder Wasserwerke. Sie alle geben die Mehrwertsteuersenkung weiter.

DB-Kunden sparen nur im Fernverkehr

Doch es gibt auch andere Beispiele. So gibt die Bahn zwar ihren Angaben zufolge die Mehrwertsteuersenkung im Fernverkehr weiter. Beim Bayernticket aber geht der Fahrgast leer aus. Denn das kostete Ende Juni 25 Euro für eine Person – Anfang Juli aber auch. Zwar wurde zum sogenannten "kleinen Fahrplanwechsel" am 14. Juni 2020 bei diesem Ticket der Preis gesenkt – von 26 Euro auf 25 Euro. Hintergrund war hier jedoch die Entscheidung der Bundesregierung, im Rahmen des Klimapaketes die Mehrwertsteuer auf Bahnfahrkarten von 19 auf nun 7 Prozent zu senken. Die jetzige Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli aber wird beim Bayernticket bisher nicht berücksichtigt.

McDonald's wird trotz Steuersenkung teurer

Auch bei McDonald’s gibt man die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weiter. Im Gegenteil: Der Klassiker dort, der Hamburger, wurde erst vor wenigen Wochen im Preis angehoben von 1 Euro auf 1,29 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von 29 Prozent. Die Reduktion der Mehrwertsteuer gibt man hier trotzdem nicht weiter.

Unsere Testeinkäufe zeigen: Nicht immer kommt die Senkung der Mehrwertsteuer beim Verbraucher an. Auch wenn das von Seiten der Politik anders gedacht war.

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