BR24 Logo
BR24 Logo
Wirtschaft

Ein Monat niedrige Mehrwertsteuer: Was die Maßnahme bewirkt | BR24

© Christian Charisius / dpa-Bildfunk

Schilder mit der Aufschrift "16% Mehrwertsteuer geschenkt auf alle Artikel" in einem Schaufenster

43
Per Mail sharen

    Ein Monat niedrige Mehrwertsteuer: Was die Maßnahme bewirkt

    Vor einem Monat ist die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr gesenkt worden: von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent. Das soll den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln. Doch nicht überall funktioniert das.

    43
    Per Mail sharen

    Vom 1. Juli an hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent und von 7 auf 5 Prozent gesenkt. Die Maßnahme ist Teil des milliardenschweren Konjunkturpakets der Bundesregierung und befristet bis Jahresende. Das Versprechen von Finanzminister Olaf Scholz: "Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen." Doch dieser "Wumms" ist nicht bei allen angekommen. Joachim Frey vom gleichnamigen Autohaus in Gersthofen bei Augsburg wartet immer noch auf Kunden. Zwar seien einige, die die Entscheidung für einen Autokauf ohnehin schon vor sich hergeschoben hatten, zu ihm gekommen - einen großen Run habe es aber nicht gegeben, so der Händler. Dabei gebe man die gesenkte Mehrwertsteuer in vollem Umfang weiter.

    Kein Schub im Einzelhandel

    Der bayerische Einzelhandel insgesamt beklagt die anhaltende Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Man habe nicht gemerkt, dass durch die Mehrwertsteuersenkung die Umsätze spürbar nach oben gegangen seien, so Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Die Mehrwertsteuersenkung habe sich, wenn überhaupt, in homöopathischen Dosen bemerkbar gemacht.

    Konsumforscher stellen größere Kauflust fest

    Umfragen zufolge sind die Bundesbürger aber grundsätzlich wieder stärker in Einkaufslaune, wie der GfK-Konsumklimaindex zeigt. GfK-Expertin Petra Süptitz führt das aber nicht allein auf die niedrigere Mehrwertsteuer zurück. Auch die Lockerung der Corona-Maßnahmen und der Kinderbonus, der ab September gezahlt wird, spielten eine Rolle. Dennoch habe auch die Mehrwertsteuersenkung einen Effekt:

    "Wir wissen aus einer Verbraucherbefragung, dass 29 Prozent der Verbraucher planen, aufgrund der Mehrwertsteuersenkung größere Anschaffungen vorzuziehen. Und 50 Prozent wollen, dass immerhin dann machen, wenn sie denn wirklich ein günstiges Angebot finden." Petra Süptitz, GfK

    Preissenkungen bei Lebensmitteln und technischen Geräten

    Solche Angebote könne es durchaus geben, so Süptitz. Gerade bei Lebensmitteln werde die Mehrwertsteuersenkung großflächig an die Verbraucher weitergegeben. Viele Händler, vor allem Discounter, werben stark mit reduzierten Preisen. Und auch bei technischen Konsumgütern, wie Monitoren, Tablets oder Laptops, könne man nach Einschätzung der GfK-Expertin sehen, dass in den ersten beiden Juli-Wochen bei mehr als der Hälfte der Artikel der Preis gegenüber dem Juni gesunken sei.

    Effekt mit Verzögerung?

    Bis zu 120 Euro im Monat könnten Haushalte - je nach deren Zusammensetzung - im Monat sparen, hat das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW berechnet. Und die meisten Experten – wie eben Petra Süptitz und auch Bernd Ohlmann vom bayerischen Handelsverband – erwarten, dass wohl erst gegen Ende des Jahres die Verbraucher verstärkt einkaufen werden, bevor die Mehrwertsteuer wieder angehoben wird.

    Einen ähnlichen Effekt konnte man bereits im Jahr 2006 beobachten. Auch da waren die Deutschen zum Schluss noch im Einkaufsfieber – bevor dann ab 2007 die höhere Mehrwertsteuer eingeführt wurde.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!