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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Fernando Gutierrez-Juarez

Viele Wirte jubeln, dass sie endlich wieder Gäste empfangen dürfen. Doch manche plagt bereits das nächste Problem: Nach etlichen Monaten auf Sparflamme ist das Personal abgewandert und fehlt jetzt zum Neustart.

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Neustart in die Gastronomie - doch jetzt fehlt das Personal

Viele Wirte jubeln, dass sie endlich wieder Gäste empfangen dürfen. Doch manche plagt bereits das nächste Problem: Nach etlichen Monaten auf Sparflamme ist das Personal abgewandert und fehlt jetzt zum Neustart.

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Von
  • Tobias Brunner

Horst Jirgl hat eine Anzeige geschaltet, wie sie gerade hundertfach in Lokal-Zeitungen und Stellenportalen erscheint. "Nach etlichen Monaten ‚Pause‘ gehts wieder los", steht darin, gesucht werden deshalb "Bedienung/Kellner" in Voll- und Teilzeit. Genau genommen hat der Inhaber des Wiener Hendlhauses in Germering inzwischen sogar fünf solcher Inserate aufgegeben. Rückmeldungen: null.

"Es ist ein bisschen erschütternd", erzählt Jirgl. Doch verübeln kann er es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht, die sich in der Corona-Zeit einen neuen Job gesucht haben und jetzt fehlen. "Natürlich wollen sie nicht Kurzarbeit zum Beruf machen", sagt er. Und an der Kasse im Supermarkt hätten sie immerhin die Gewissheit, dass nicht in einer Woche der nächste Lockdown droht.

Gastronomie in Bayern: Jeder zehnte Mitarbeiter hat sich neuen Job gesucht

Servicekräfte, Thekenkräfte, Aushilfen, Mini-Jobber, Barmitarbeiter und viele mehr: Die Liste der Stellenangebote im Hotel- und Gaststättengewerbe ist lang – zu lang aus Sicht der Branche. Denn in der Corona-Pandemie ist vielen Betrieben das Personal abhandengekommen, was jetzt den Neustart bremst.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) haben die Mitglieder in Bayern in der Krise etwa zwölf Prozent der Mitarbeiter verloren – vor allem Mini-Jobber und Aushilfen. Deshalb auch der Aufruf von Dehoga-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert: "Jeder kann sich bei uns melden, jede Hand ist gefragt."

"Wir starten wieder voll durch – und dafür brauchen wir Dich!", ist auch als bezahlte Werbung auf manchen Internetseiten zu lesen, In Kombination mit den Hashtags #wirsindzurück, #gastro und #hotellerie.

Manche Gastro-Betriebe können noch nicht öffnen, weil Personal fehlt

Anfang Juni hat der Dehoga die Betriebe zur aktuellen Situation befragt. Fast jeder Dritte, der aktuell noch nicht öffnet, nannte dabei Personalprobleme als Grund. Mehr als 42 Prozent gaben an, dass Beschäftigte in anderen Branche gewechselt seien.

Auch auf der finanziellen Seite mussten viel Wirte zuletzt weiter große Abstriche hinnehmen. Laut Umfrage machten sie im Mai etwa zwei Drittel weniger Umsatz als im Mai 2019. "Das Wichtigste ist, dass wir nie wieder in einen Lockdown gehen müssen – selbst wenn wieder eine Welle kommt", sagt Geppert. Er hofft außerdem, dass auch Bars und Discos demnächst wieder öffnen dürfen und fordert, dass die Sperrstunde ab 24 Uhr aufgehoben werden sollte.

Auch Kinobetreiber suchen neue Aushilfen

Dabei plagen die Personalsorgen nicht nur das Gastgewerbe, sondern alle Branchen, die teilweise oder stark auf Aushilfen oder andere flexible Arbeitskräfte setzen. Das gilt insbesondere auch für die Kinobetreiber. Bei ihnen würden die Mini-Jobber einen Großteil des Personals ausmachen, heißt es vom Branchenverband HDF Kino auf BR-Anfrage.

Auch ohne konkrete Zahlen zu den Mitarbeitern fällt das Fazit der Betreiber eindeutig aus: "Im ersten Lockdown konnten diese noch gehalten werden, im zweiten Lockdown war dies wirtschaftlich aber nicht mehr möglich." Vor allem die großen Kinos seien deshalb nun verstärkt auf der Suche nach Mini-Jobbern.

Lässt sich verlorenes Personal wieder zurückgewinnen?

Horst Jirgl hat mit seinem Hendlhaus immerhin das Glück, dass ihm seine Köche treu geblieben sind. Er verkaufe in normalen Zeiten etwa 40 Prozent seiner Gerichte zum Mitnehmen und konnte darauf auch während der Pandemie weiter bauen, berichtet er.

So gut lief es aber nicht für alle. Er kenne Kollegen, denen nun auch in der Küche die Fachkräfte fehlen würden, erzählt der Gastronom – "und wer einmal weg ist, der kommt oft nicht wieder".

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