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Neuer Audi-Chef: Bram Schot übernimmt dauerhaft | BR24

© BR / Susanne Pfaller

Die einstimmige Entscheidung des Aufsichtsrates so unmittelbar vor der Betriebsversammlung hat Signalwirkung: Die Audianer reagieren mit großer Erleichterung. Zurück auf Erfolgskurs, das wünschen sich die krisengebeutelten Mitarbeiter.

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Neuer Audi-Chef: Bram Schot übernimmt dauerhaft

Die einstimmige Entscheidung des Aufsichtsrates so unmittelbar vor der Betriebsversammlung hat Signalwirkung: Die Audianer reagieren mit großer Erleichterung. Zurück auf Erfolgskurs, das wünschen sich die krisengebeutelten Mitarbeiter.

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Audi hat wieder einen ordentlichen Vorstandsvorsitzenden: Der Aufsichtsrat hat den kommissarischen Chef Bram Schot offiziell mit dem Führungsposten betraut. Der 57-jährige Holländer und Vertriebsvorstand stand schon seit einem halben Jahr als Vertretung an der Spitze des Ingolstädter Autobauers. Sein Vorgänger Rupert Stadler hatte Audi im Zuge der Dieselkrise verlassen müssen und saß längere Zeit in Untersuchungshaft. Sein bisheriges Vorstandsressort für Vertrieb und Marketing wird Schot ab 1. Januar kommissarisch führen.

"Mit der Neubesetzung der Vorstandsspitze haben wir wichtige Weichen für die zukunftsfähige Ausrichtung von Audi gestellt. Als kommissarischer Vorstandschef hat Bram Schot in den vergangenen Monaten bereits überzeugende Arbeit geleistet. Er treibt den Kulturwandel in seiner Mannschaft voran und stellt sich den aktuellen Herausforderungen mit Bravour. Ausgestattet mit einem starken Mandat wird er die Transformation des Unternehmens weiter beschleunigen und die vier Ringe zu neuen Erfolgen führen." Audi Aufsichtsratsvorsitzender und VW-Konzernchef Dr. Herbert Diess

Mit der Personalentscheidung wollen die Aufsichtsräte wieder klare Verhältnisse bei Audi schaffen. Denn bei dem Unternehmen sind viele Baustellen offen: die enormen WLTP-Zulassungsprobleme und der deshalb eingebrochene Umsatz. Dazu der Innovationsstau und die anstehenden Umstrukturierungen im Unternehmen selbst. Auch die Zukunftsthemen E-Mobilität und Digitalisierung erfordern klare Entscheidungen, die ein Interimschef nicht treffen konnte, Schot nun aber als voll etablierter Vorstandsvorsitzender treffen muss.

Schot ist vor allem bei Audi-Arbeitnehmern beliebt

Die Audianer reagieren mit großer Erleichterung. Zurück auf Erfolgskurs, das wünschen sich die krisengebeutelten Mitarbeiter. Hinter Schot stehen vor allem die Arbeitnehmervertreter. Er gilt als ausgeglichen und nahbar, viele nennen ihn beim Vornamen.

"Die Audi-Belegschaft will klare Verhältnisse an der Unternehmensspitze. Deshalb setzten wir Arbeitnehmervertreter uns dafür ein, jetzt Nägel mit Köpfen zu machen und Bram Schot zum Vorstandsvorsitzenden zu berufen. In seiner Interimszeit hat er bereits gezeigt, dass er unserem geforderten und eingeleiteten Neustart viel Schwung verleihen kann. Diesen Weg muss er nun weiter verfolgen und Audi zurück an die Spitze führen. Das erwartet die Belegschaft." Peter Mosch, stellvertretender Audi-Aufsichtsratsvorsitzender und Gesamtbetriebsratsvorsitzender

Kritik kommt von Bandarbeitern

Von den Bandarbeitern kommen aber auch kritische Stimmen, sie spüren seit Sommer die WLTP-Zulassungsprobleme durch Schichtausfälle und verlangsamte Bänder. Die Folge: Zum ersten Mal seit langer Zeit produziert Audi in diesem Jahr weniger als eine halbe Million am Standort Ingolstadt. Entsprechend niedrig ist der Absatz

Mit der Personalentscheidung bekennt sich zu Schot nun auch die Arbeitgeberseite, also auch der VW-Konzernchef. Herbert Diess gilt als sehr aktiver Audi-Aufsichtsratsvorsitzender, der ursprünglich den ehemaligen BMW-Manager Markus Duesmann favorisierte. Doch Duesmann hängt bei VW in der Warteschleife, sein früherer Arbeitgeber BMW blockt ihn bis Ende 2020.

Insider fragen sich deshalb, ob Schot in ein paar Jahren den Chefsessel für Duesmann räumen muss. Das hänge davon ab, wie gut Schot Audi bis dahin aufstellt, ist als Antwort zu hören. Der optimistische und ruhig agierende Vertriebsexperte freut sich jedenfalls über das Plus an Verantwortung - schon vor Wochen erklärte er öffentlich, dass er Lust auf den Audi-Chefposten hat.

Audi kann einen Vertriebsexperten gut gebrauchen

Im Vorfeld diskutiert wurde auch, ob an der Spitze von Audi nicht endlich wieder einmal ein "Car guy", also ein Techniker stehen sollte - schließlich war schon Schots Vorgänger Stadler kein Ingenieur, sondern Finanzer.

Für Schot sprach laut Insidern, dass Audi derzeit neben Technik-Verstand auch einen Vertriebsexperten braucht. Schließlich hat Audi wegen der WLTP-Zulassungsprobleme tausende Audis auf Halde produziert, die nun von den riesigen Parkplätzen in den Verkauf gebracht werden müssen.

Schot ist in der Autobranche groß geworden

Der 57-jährige Holländer Schot hat fast sein ganzes Berufsleben in der Automobilbranche verbracht. Nach seinem Studium in den Niederlanden und in den USA an der Harvard Business School, arbeitete er ab 1987 in verschiedenen Ländern für Mercedes-Benz. 2001 wechselte er dann in den Volkswagen-Konzern. Dort betreute er strategische Projekte im Konzern-Vertrieb. Ab 2012 war er Vertriebsvorstand bei Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Seit September 2017 ist Schot Vertriebsvorstand bei Audi. Am 19. Juni 2018 übertrug ihm der Aufsichtsrat kommissarisch die Aufgaben des Audi-Vorstandsvorsitzenden.

Schritt in Richtung Zukunft

Gesamtbetriebsvorsitzender von Audi, Peter Mosch, hat auf der vierten Betriebsversammlung des Jahres den Aufbau einer Audi-Batteriemontage am Standort Ingolstadt verkündet. Das Stammwerk wird damit für die Produktion von zwei elektrischen SUVs ab 2022 gerüstet. Die Belegschaft fordere einen klaren Kurs für eine erfolgreiche Zukunft, sagte Mosch bei der Versammlung in Ingolstadt. Mit der Beschäftigungssicherheit bis 2025 und der festen Zusage des Unternehmens für die Produktion der E-SUVs sei dafür der Grundstein gelegt. Der designierte Vorstandsvorsitzende Bram Schot betonte, die Herausforderungen würden nicht kleiner, sondern größer. Das Unternehmen müsse deshalb neu ausgerichtet werden. Die Ziele des Vorstands seien: die Marke schärfen, neue Benchmarks setzen, den Kulturwandel forcieren, den Kernmarkt China stärken und maßgebliche Zukunftstechnologien stärken.