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Christian Reinicke ist neuer ADAC-Präsident. Der 56-Jährige wurde auf der digitalen Hauptversammlung ohne Gegenkandidaten gewählt. Der Automobilclub will sich künftig breiter aufstellen - als Mobilitäts-Dienstleister.

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Neuer ADAC-Präsident: Jurist Christian Reinicke aus Hannover

Der bisherige ADAC-Präsident Markl hat den ADAC umgebaut und wollte ihm trotz kritischer Stimmen ein neues Image verpassen - nicht nur Sprachrohr sein für Autofahrer. Nun hat er sein Amt altersbedingt abgegeben. Es übernimmt der Jurist Reinicke.

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Von
  • Gabriel Wirth

Der ADAC hat einen neuen Präsidenten: Christian Reinicke, 56 Jahre, Jurist aus Hannover. Auf einer Online-Hauptversammlung bekam er 165 von 217 Stimmen.

Sieben Jahre lang war August Markl ehrenamtlich ADAC-Präsident. Es war keine leichte Aufgabe für den mittlerweile 72-Jährigen Mediziner, der in stürmischen Zeiten das Ruder übernahm. Nach der Aufdeckung der Manipulation um den Autopreis "Gelber Engel" und weiteren Ungereimtheiten geriet der ADAC 2014 in die schwerste Krise seiner Geschichte.

Umbau gilt als abgeschlossen

Als Folge des Skandals stand auch der Vereinsstatus auf dem Spiel. Markl baute den "gelben Riesen" mit seinen mittlerweile mehr als 21 Millionen Mitgliedern um. Er errichtete drei Säulen, den Verein, in dem die Pannenhilfe organisiert ist, eine Aktiengesellschaft, in dem die geschäftlichen Aktivitäten zusammengefasst sind und eine Stiftung. Nach sieben Jahren an der Spitze ist der Umbau des ADAC abgeschlossen, erklärte der scheidende Präsident August Markl dem Bayerischen Rundfunk. Zum Abschied erklärte er auf der Hauptversammlung, dass er zuversichtlich sei, dass der Markenkern und die Leitidee langfristig tragfähig sind.

Es dürfte unruhig bleiben

Allerdings haben manche hier Zweifel. An einigen Ecken scheint es noch durchaus Reibereien zu geben. Es geht um Macht und Geld. Schließlich ist der Automobilclub auch nach wie vor ein Milliardenunternehmen, der zudem sehr komplex aufgestellt ist, mit einer Zentrale in München, zahlreichen Regionalclubs mit "Regionalfürsten", mit Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen. Das sorgt zwangsläufig für Zündstoff, wie auch die Vergangenheit gezeigt hat. So blieb Markls Vorgänger Peter Meyer, der 2014 im Zuge des Skandals gehen musste, sein schärfster Kritiker. Meyer führt nach wie vor den Regionalklub "Nordrhein". Aber auch Meyer gibt das Amt demnächst ab.

Mitgliedsbeiträge sollen stabil bleiben

Immerhin der Verein schreibt wieder schwarze Zahlen. So lag das Jahresergebnis 2020 bei knapp 78 Millionen Euro. Das liegt unter anderem an den höheren Beitragseinnahmen. Im vergangenen Jahr wurden die Mitgliedsbeiträge angehoben. Mittelfristig seien keine weiteren Erhöhungen geplant, verspricht Markl. So soll zur Stabilisierung der Mitgliederbeiträge eine Gewinnrücklage gebildet werden.

Imagewandel angestoßen

Markl hat den ADAC nicht nur umgebaut, er wollte ihm auch ein neues Image verpassen. Der Automobilclub sollte nicht mehr nur das Sprachrohr der Autofahrerinnen und Autofahrer sein, sondern ein Mobilitätspartner für alle Mitglieder. Das werde auch für die Zukunft viel wichtiger, so Markl. Ihre Mitglieder seien nicht nur Autofahrer, da seien alle Arten von Bewegungsmitteln dabei. Dieser Kurs wird von Reinicke fortgesetzt, wie er deutlich machte. Der ADAC sei stolz auf seine automobilen Wurzeln. Aber man engagiere sich auch für die Lösung von Verkehrsproblemen aus der Sicht von Fußgängern und Radfahrern. Auch steht der ADAC selbst einem Tempolimit mittlerweile neutral gegenüber. Dieser Imagewandel sorgt intern für Kritik. Einigen geht der neue Kurs zu weit.

Schwierige Aufgaben für den Neuen

Die Wahl von Christian Reinicke ist nicht überraschend. Es gab keinen Gegenkandidaten. Seit 1988 ist der Jurist im ADAC Mitglied und seit 2016 Generalsyndikus im Verein. Es ist damit zu rechnen, dass er den angestoßenen Kurs fortsetzen wird. Schließlich hat er die Reform mitgetragen. Allerdings dürfte es keine leichte Aufgabe für den Hobbysegler aus Hannover werden, den ADAC in eine gute Zukunft zu führen. Es rumort an vielen Stellen. Bei seiner Antrittsrede schwor Reinicke die Regionalclubs auf einen gemeinsamen Kurs bei der Weiterentwicklung des Vereins ein. Er bot denen an, die ihn nicht gewählt haben, in den Dialog zu treten. Reinicke erhielt knapp 77,8 Prozent der Stimmen.

Als erste Aufgabe muss sich Reinicke um die Nachfolge von Marion Ebentheuer kümmern. Seit 2014 ist sie Vorstandschefin der ADAC-Versicherungen. Dass sie nun geht, habe nichts mit der Neuwahl des Präsidenten zu tun, heißt es.

Auch andere Ämter im Präsidium neu besetzt

Kritiker bezeichnen den ADAC gerne als Alt-Herren-Club und tatsächlich sitzt im Präsidium nach wie vor keine Frau, sondern nur Herren mittleren Alters. Und so bleibt es weiterhin. Neben Reinicke wurden auch andere Posten vergeben. So übernimmt Karlheinz Jungbeck das Amt des ADAC-Tourismuspräsidenten. Der 59-jährige ist Unternehmer aus Schliersee. Sein Vorgänger Kurt Heinen hat nicht mehr kandidiert. Neuer Sportpräsident ist Gerd Ennser. Der 61-jährige Jurist übernimmt das Amt vom langjährigen Sportpräsidenten Hermann Tomczyk, der nicht erneut für das Amt antrat. Erfolgreich um seine Wiederwahl bewarb sich zudem ADAC Technikpräsident Karsten Schulze.

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