BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Felix Lincke
Bildrechte: BR/Natasha Heuse

Die "Stiftung Verantwortungseigentum" hat eine neue Rechtsform für Unternehmen angeregt. Heute wurden die konkreten Forderungen dazu in Berlin übergeben. Im Prinzip geht es um eine Art Stiftung für kleinere Unternehmen.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Neue Unternehmensform: "Verantwortungseigentum" statt Stiftung

Die "Stiftung Verantwortungseigentum" hat eine neue Rechtsform für Unternehmen angeregt. Heute werden die konkreten Forderungen dazu in Berlin übergeben. Im Prinzip geht es um eine Art Stiftung für kleinere Unternehmen und Start-ups.

1
Per Mail sharen
Von
  • Felix Lincke

Eine Initiative aus Rechts- und  Wirtschaftswissenschaftlern sowie mehrerer Start-ups wirbt für eine neue Rechtsform für Unternehmen. Bei ihr soll soziale Verantwortung statt Rendite im Mittelpunkt stehen. Der mögliche Name dafür: "VE-GmbH".

Diese Sonderform der GmbH soll es möglich machen, die manchmal gegensätzlichen Ziele von Gewinn und Gemeinnützigkeit besser miteinander zu vereinbaren: unter dem Begriff "Verantwortungseigentum".

Unternehmer bei Verantwortungseigentum nur noch Treuhänder des Firmenvermögens

Grundidee ist, dass ein Unternehmer sein Eigentum an einem Betrieb in eine VE-GmbH einbringt, wobei VE für Verantwortungseigentum steht. Als Geschäftsführer oder als Treuhänder dieses Unternehmens würde der frühere Eigentümer nur eine marktübliche Vergütung bekommen. Er oder sie hätten aber keinen Zugriff mehr auf das Firmenvermögen. Das bliebe reserviert für gesellschaftliche Ziele wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz oder soziale Belange.

Soziale Unternehmen bisher nur als Stiftung möglich

Als Vorbild dienen Unternehmensstiftungen wie von Robert Bosch, die aber sehr aufwändig sind und für kleinere Gründungen deshalb nicht in Frage kommen. Bei Bosch müssen Gewinne im Unternehmen bleiben und Dividenden für gemeinnützige Zwecke verwendet werden.

Kritiker der geplanten VE-GmbH sehen dabei aber Haftungsrisiken. Bei der Gründung gehen Unternehmer oft ein hohes Risiko ein und müssen zum Beispiel für Bankkredite mit ihrem Privatvermögen haften. Dem stehen entsprechende Gewinn-Chancen gegenüber. Rechtsexperten suchen deshalb nach Möglichkeiten, wie man Verantwortungseigentum mit freiem Unternehmertum verbinden kann.

Unterstützung von Unternehmern und Gründern

Die Initiative geht von dem Multiunternehmer Armin Steuernagel aus, der mit 16 Jahren bereits seine erste Firma gründete und mit dem Bio-Unternehmen Mogli heute in 40 Ländern aktiv ist. Wegen der hohen Kosten einer Stiftung hofft er auf eine Erneuerung des GmbH-Modells für gemeinnützige Unternehmen. Das wäre auch für viele Gründer interessant.

Gerade in der Start-up-Szene ist die Suche nach der richtigen Rechtsform ein Thema. Einige Reformer wollen einen neuen Mittelstand aufbauen und verfolgen dabei gesellschaftliche Ziele.

Auch soziale Unternehmen können insolvent werden

Anders als bei einem etablierten Großunternehmen wie Bosch, das in eine Stiftung überführt wurde, bestehen bei jungen Kleinunternehmen aber erhebliche Risiken. Viele Gründungen scheitern bereits in den ersten Jahren, so dass eine erhebliche Insolvenzgefahr besteht.

Gewinne werden in der Regel erst einige Jahre nach einer Gründung gemacht und sind anfangs ohnehin kein Thema. Für Geschäftspartner und Kunden kann es daher wichtig sein, dass ein Unternehmer auch persönlich haftender Gesellschafter ist und mit seinem eigenen Vermögen voll hinter der Sache steht.

Nachfolger für mittelständische Unternehmen gesucht

Eine andere Situation ergibt sich bei vielen Mittelständlern. Ihre Unternehmen sind etabliert, aber trotzdem ungeeignet für das große Stiftungsmodell von Bosch. Mehr als die Hälfte der mittelständischen Firmen finden in der eigenen Familie keine Nachfolger, die den eigenen Betrieb übernehmen wollten. Für sie könnte sich Verantwortungseigentum mit einer VE-GmbH anbieten. Viele rechtliche Fragen sind aber zurzeit noch ungeklärt.

Grüne und SPD sind für Verantwortungseigentum – FPD und Teile der Union dagegen

500 zum Teil prominente Unternehmer und rund einhundert Wirtschaftsexperten halten die Initiative von Steuernagel für bedenkenswert und fordern einen entsprechenden Gesetzentwurf. An die Bundestagsabgeordneten wurden Briefe verschickt. Unter den Befürwortern finden sich große Namen wie die Otto Group, Ritter Sport oder Götz Rehn von Alnatura. Ökonomen wie der Wirtschaftsweise Lars Feld oder der Steuerprofessor Paul Kirchhoff äußerten sich positiv, ebenso das arbeitgebernahe Institut IW in Köln oder das DIW in Berlin.

SPD und Grüne stehen dahinter, die Unionsparteien CDU und CSU sind in dieser Frage gespalten. So warnte der Chef des Wirtschaftsflügels der Union, Carsten Linnemann im Handelsblatt, "wenn Eigentum von Haftung weitgehend entkoppelt wird, hat das mit Sozialer Marktwirtschaft wenig zu tun." Ideengeber Steuernagel hielt dagegen, dass in der VE-GmbH Haftung und Eigentum genauso eng beieinander lägen wie bei jeder anderen GmbH.

Ganz anders sieht es die FDP: Sie sieht darin sogar einen möglichen Verstoß gegen die Grundlagen des geltenden Wirtschaftssystems. Die Chancen für das Verantwortungseigentum würden sicher steigen, sollte es nach der Bundestagswahl zu einer Regierungsbeteiligung der Grünen kommen. Vor der Wahl ist mit einer Gesetzesinitiative eher nicht mehr zu rechnen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!