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Wirtschaft

Neue Studie: Einkommen so ungleich verteilt wie noch nie | BR24

© BR / Julia Müller

Eine Seniorin mit einem Geldbeutel in der Hand (Symbolbild).

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    Neue Studie: Einkommen so ungleich verteilt wie noch nie

    Seit zehn Jahren wächst die Wirtschaft, auch die Löhne haben zugelegt. Doch nicht alle profitieren davon offenbar in gleicher Weise. Nach Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung ist die Ungleichheit bei den Einkommen auf einem neuen Höchststand.

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    Die Einkommen sind laut einer Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung in Deutschland so ungleich verteilt wie noch nie. Für die wachsende materielle Ungleichheit sehen die Forscher vor allem zwei Gründe: Zum einen hätten hohe Einkommensgruppen von sprudelnden Kapital- und Unternehmenseinkommen profitiert, zum anderen seien die Haushalte mit geringsten Einkommen weiter zurückgefallen.

    Schere bei Einkommen wächst

    Der sogenannte Gini-Koeffizient, das gängigste Maß für Einkommensungleichheit, habe Ende 2016 mit einem Wert von 0,297 um zwei Prozent höher gelegen als 2005. Im Vergleich zum Ende der 1990er-Jahre sei die Kennzahl sogar um rund 19 Prozent gestiegen.

    "Der Niedriglohnsektor ist weiterhin sehr groß und ärmere Haushalte fallen zurück, während sich reiche weiter absetzen. Und dabei sind Deutschlands Superreiche, also Multimillionäre und Milliardäre, die vom langjährigen Boom bei Aktien und Immobilien besonders stark profitiert haben dürften, im sozio-ökonomischen Panel (SOEP) nur schwach erfasst." Dorothee Spannagel, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung

    Die Daten der Forscher basieren auf dem sogenannten SOEP, dem sozio-ökonomischen Panel. Für dieses Panel werden jährlich über 25.000 Menschen interviewt.

    Armut nimmt zu

    Nach den Forschungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat vor allem die Zahl der Haushalte, die als arm gelten, zugelegt. So ist der Anteil der Haushalte, die unter der Armutsgrenze von 60 Prozent des mittleren Einkommens liegen, zwischen 2010 und 2016 um 2,5 Prozent gewachsen - von 14,2 Prozent auf 16,7 Prozent. Gleichzeitig blieb die Quote reicher Haushalte mit über 200 Prozent des mittleren Einkommens stabil bei rund acht Prozent.

    Ungleichheit wächst langsamer

    Die Einkommen der Mitte habe durch die gute Arbeitsmarktlage und die spürbaren Lohnsteigerungen real zugenommen.

    "Wer eine feste, reguläre Arbeitsstelle hat, der hat zuletzt auch nach Abzug der Inflation spürbar mehr Einkommen zur Verfügung, insbesondere, wenn sie oder er nach Tarif bezahlt wird." Dr. Dorothee Spannagel, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung

    Deshalb wachse die Ungleichheit momentan langsamer als noch vor anderthalb Jahrzehnten. Dies sei ein positiver Trend. Trotzdem gehe die Polarisierung weiter, es seien vor allem die Ränder, an denen "die entscheidenden Entwicklungen stattfinden".

    Hat Steuerpolitik die Ungleichheit begünstigt?

    Nach den Einschätzungen der Wissenschaftlerin reiche eine allgemeine gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht aus, um Ungleichheit und Armut zu reduzieren. Vor allem die Steuerpolitik habe die Ungleichheit begünstigt. Demnach hätten reiche Haushalte von der Senkung des Spitzensteuersatzes oder der Reform der Erbschaftssteuer profitiert, während ärmere Haushalte durch höhere indirekte Steuern zusätzlich belastet würden.

    "Wachsende Ungleichheit ist kein Schicksal"

    "Wachsende Ungleichheit ist kein Schicksal", davon ist die Wissenschaftlerin Spannagel überzeugt. Die Politik habe Möglichkeiten, um dem Trend entgegenzusteuern. So fordert das Institut beispielsweise eine stärkere Tarifbindung und höhere Steuern auf Spitzeneinkommen. Auch müsse der Mindestlohn erhöht werden, genauso wie die Regelsätze des Arbeitslosengeldes II, Hartz-IV. Diese lägen häufig weit unter der Armutsgrenze.