Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Neue Personalrichtlinien: Kliniken weisen Patienten ab | BR24

© BR/Nikolaus Nützel

Die Bundesregierung will mit neuen Vorschriften dafür sorgen, dass Krankenhäuser mehr Personal einstellen. Doch es gebe nicht genug Fachkräfte am Arbeitsmarkt, beklagen Fachleute. Mit der Folge, dass Kliniken immer wieder Patienten weiterschicken.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Neue Personalrichtlinien: Kliniken weisen Patienten ab

Die Bundesregierung will mit neuen Vorschriften dafür sorgen, dass Krankenhäuser mehr Personal einstellen. Doch es gebe nicht genug Fachkräfte am Arbeitsmarkt, beklagen Experten. Mit der Folge, dass Kliniken immer wieder Patienten weiterschicken.

Per Mail sharen

Von einem "Fiasko" spricht der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter, wenn er sich anschaut, was derzeit am Klinikum der niederbayerischen Stadt los ist. Die Intensivstation oder auch die Unfallchirurgie müsse immer wieder Patienten abweisen, beklagt der CSU-Politiker, der auch den Bayerischen Landkreistag leitet.

"Unsere Abteilungen sind teilweise acht, neun, zehn Tage im Monat abgemeldet und was mir auch die Kollegen so mitteilen, ist das bayernweit ein Thema." Christian Bernreiter, Landrat

Bayerische Krankenhäuser müssen immer öfter Patienten ablehnen

Der Grund: Das Bundesgesundheitsministerium hat zum Jahresbeginn sogenannte Pflegepersonal-Untergrenzen eingeführt. Wenn beispielsweise auf einer Intensivstation 20 Betten stehen, dann müssen tagsüber mindestens acht Pflegekräfte verfügbar sein, weil jetzt ein Mindest-Schlüssel von einer Pflegekraft auf 2,5 Patienten gilt. Wenn nur sieben oder sechs Pflegekräfte zur Verfügung stehen, müssen Betten leer bleiben.

Auch der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft Siegfried Hasenbein hört von immer mehr Kliniken, dass sie wegen der neuen Vorschriften Patienten abweisen. Allerdings sieht der Verbands-Geschäftsführer die Lage nicht so dramatisch wie der Landkreistags-Präsident Bernreiter, von einem Versorgungsnotstand spricht er nicht.

Forderung nach Aussetzen der Untergrenze für Pflegepersonal

Landkreistags-Präsident Bernreiter hingegen hält die Lage für schwierig genug, dass für ihn eine Forderung klar ist: Die Untergrenzen fürs Pflegepersonal müssen seiner Ansicht nach ausgesetzt werden – denn das Personal lasse sich einfach nicht finden.

"Es sitzen leider keine arbeitslosen Pflegekräfte zu Hause, die warten, dass sie jetzt einen Job bekommen. Die Menschen sind einfach nicht am Markt." Christian Bernreiter, Landrat

Vereinigung der Pflegenden: Kliniken seien unbeliebter Arbeitsplatz

Bei der Vereinigung der Pflegenden in Bayern sieht man die Sache etwas anders. Deren Vize-Präsidentin Agnes Kolbeck glaubt, dass durchaus genug Pflegekräfte ausgebildet werden. Nur wollen viele nicht mehr in Kliniken arbeiten, sagt sie.

"Sie sind zu Behörden gegangen, sie arbeiten beim MDK, Außendienstmitarbeiter von Medizintechnik-Firmen. Rein formal wäre nach meiner Einschätzung eine deutlich höhere Kapazität da, aber sie haben die Arbeitsverhältnisse verlassen. Unter diesen Bedingungen wollten die nicht arbeiten." Agnes Kolbeck, Vize-Präsidentin Vereinigung der Pflegenden in Bayern

Und damit die Bedingungen sich bessern, sei Druck auf die Arbeitgeber notwendig, glaubt die Pflegeverbands-Vizechefin. Druck, den auch die neuen Personal-Vorschriften aufbauen könnten. Die Pflege-Untergrenzen seien ein erster Schritt in eine notwendige und richtige Richtung, nämlich in die Richtung der Personalbemessung, die sich tatsächlich am Bedarf orientiere.

Keine starren Gesetze, sondern intelligente Personalbudgets gefordert

Nicht starre Grenzen, sondern intelligente Personalbudgets für die einzelnen Kliniken – das ist auch das, was Siegfried Hasenbein von der Krankenhausgesellschaft sich wünscht.

"Ein fachgerechtes Instrument, das den individuellen Pflegebedarf eines jeden Krankenhauses insgesamt bemisst. Man müsste ganz anders rechnen." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft

Staatsregierung: Versorgung der Patienten sei nicht gefährdet

Aus der Staatsregierung heißt es dazu, derzeit würden Erfahrungen mit den neuen Pflegepersonal-Untergrenzen gesammelt. Und falls sich Schwächen erkennen lassen, werde man sie beseitigen, verspricht das Gesundheitsministerium. Die Alarmrufe des Landkreistags-Präsidenten Bernreiter kann man dort nicht nachvollziehen. Die Versorgung von Patienten sei nicht gefährdet.