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Neue Abwrackprämie gefordert: Green Deal für Autoindustrie | BR24

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Deutsche Autobosse und Spitzenpolitiker verknüpfen Aufbauhilfe nach Corona mit dem staatlich bezuschussten Ausbau der E-Mobilität

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    Neue Abwrackprämie gefordert: Green Deal für Autoindustrie

    Die Rufe nach einer Auto-Kaufprämie, wie nach der Finanzkrise 2009, werden lauter. Der staatliche Bonus soll allerdings nach Plänen nur den Kauf von umweltfreundlichen Neuwagen ankurbeln. Was würde das der Industrie und dem Umweltschutz bringen?

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    Von
    • Felix Lincke

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat bereits ein Programm für die Automobilindustrie gefordert, gemeinsam mit Herstellern wie BMW und dem VW-Konzern. Viele denken dabei an eine staatliche Prämie für Neuwagen. Wie nach der Finanzkrise soll die wichtigste Industriebranche damit einen schnellen Neustart nach der Corona-Pandemie schaffen.

    "Vor allem der Umstieg auf umweltfreundliche Antriebe kann damit wesentlich beschleunigt und die Automobilindustrie im Strukturwandel unterstützt werden." Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen und Aufsichtsrat bei VW

    BMW-Vorstandschef Oliver Zipse sieht in der neuen Umweltprämie sogar eine doppelte Chance: "Sie kann als Konjunkturmaßnahme die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig den Umstieg der Kunden beschleunigen." Zipse sieht darin die Gelegenheit, wirtschaftliche Erholung mit wirksamem Klimaschutz zu kombinieren, "anstatt beides gegeneinander auszuspielen".

    Deutscher Automarkt nicht entscheidend für Hersteller

    Noch besser wäre es, wenn andere europäische Länder, wie etwa Frankreich, ebenfalls ähnliche Umweltprämien entwickelten. 2009 bei der alten Abwrackprämie war das der Fall, sodass der gesamte europäische Automarkt einen Schub bekam. Denn der deutsche Inlandsmarkt allein macht gerade für die exportstarken heimischen Hersteller Audi, BMW, Mercedes und VW nur einen Bruchteil der Verkäufe aus. Für sie ist China inzwischen das wichtigste Land. Dort ist die Industrieproduktion inzwischen wieder angesprungen. Das berichtet der deutsche Maschinenbau-Verband VDMA nach einer Blitz-Umfrage in China.

    Tesla könnte am stärksten von Umweltprämie profitieren

    Niedersachsens Ministerpräsident Weil hat mit seiner vorgeschlagenen Prämie vor allem die Elektroautos von VW im Blick. Der Konzern hat Milliarden in den schnellen Start einer neuen Generation von E-Fahrzeugen investiert. Der Termin dafür fiel nun genau mit der Ausbreitung des Coronavirus in Europa zusammen und wirft VW wieder zurück im Wettbewerb um das Auto der Zukunft.

    Für die Anleger an der Börse scheint diese Frage erneut entschieden zu sein. Sie sehen Tesla als großen Krisengewinner. Sie glauben, dass der US-Hersteller nach der Pandemie am schnellsten durchstarten kann, weil seine Modelle vorher bereits großen Erfolg am Markt hatten. Die Aktie von Tesla ist allein über die Osterfeiertage um fast 20 Prozent gestiegen.

    Stückzahlen deutscher Hersteller bei E-Autos noch viel zu gering

    Den größten Rückstand hat hier der Stuttgarter Autobauer Daimler aufzuholen, der 2019 in Deutschland nur 700 reine Elektrofahrzeuge der Marken Mercedes und Smart verkaufte - und das obwohl die Käufer auch bei einem kleinen Smart Elektro im Schnitt schon 4.800 Euro sparen konnten. Denn die Bundesregierung fördert den Kauf eines Elektrofahrzeugs bereits mit einer Prämie. Deshalb ist es entscheidend, mit welchen zusätzlichen Anreizen Weil die neuen Fahrzeuge bei den deutschen Autokunden attraktiver machen will.

    BMW kann Tesla zumindest in Deutschland folgen

    BMW verkaufte im letzten Jahr immerhin 9.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland, bei Tesla waren es 11.000. Wenn das Tesla-Werk in Brandenburg fertiggestellt ist, sollen die Verkaufszahlen noch einmal deutlich steigen. Die Hoffnung der deutschen Industrie ist, dass mit dem Erfolg von Tesla das Interesse der deutschen Autokäufer an Elektrofahrzeugen insgesamt steigt und dass alle künftig mehr davon verkaufen.

    Viele Hersteller bieten außerdem Hybrid-Modelle an, die neben dem Elektroantrieb auch über einen Verbrennungsmotor verfügen und so wesentlich weniger CO2 ausstoßen sollen. Mit diesen Hybrid-Modellen und den reinen Elektrofahrzeugen soll es gelingen, die strengeren EU-Abgasnormen zum CO2-Ausstoß einzuhalten.

    Niedersachsen will Förderung auf alle Neuwagen ausdehnen

    Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann schlägt vor, die Prämie von derzeit 6.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos befristet aufzustocken oder gar Anreize für den Kauf modernster Benziner und Diesel zu setzen. Er könne sich begrenzte Investitionshilfen auch für andere Branchen vorstellen, sagte der CDU-Politiker, der im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt. Einig sind sich Politik und Industrie darin, dass es für einen Neustart des Autogeschäfts in Deutschland nicht reichen wird, die Autohäuser und die Zulassungsstellen wieder zu öffnen.

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