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Neubauer: "Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler" | BR24

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Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, am vergangenen Freitag nach einem Gespräch mit der Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer.

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Neubauer: "Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler"

Siemens-Chef Joe Kaeser hat per Twitter mitgeteilt, an der umstrittenen Zulieferung für ein australisches Kohlebergwerk festzuhalten - was Fridays for Future scharf kritisiert. Eine massive Zerstörung der Natur könne die Folge sein.

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Siemens-Chef Joe Kaeser will an der Zulieferung für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien festhalten. Das teilte er am Sonntagabend auf Twitter mit. Umwelt- und Klimaschützer kritisierten diesen Schritt. "Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler", äußerte sich die Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer. "Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen." Der Konzern-Chef hatte sich erst vor wenigen Tagen mit der 23-Jährigen getroffen und ihr einen Posten in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten, den sie aber ablehnte. Das Treffen hatte für Klimaschützer Anlass zur Hoffnung gegeben, dass Siemens sich gegen die Lieferung entscheiden könnte.

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Siemens hält an der umstrittenen Zulieferung für ein australisches Kohlebergwerk fest. Dies hat zu Protesten geführt.

Siemens beliefert eines der größten Kohlebergwerke weltweit

Konkret handelt es bei dem Auftrag um eine Zugsignalanlage, die der Konzern für eine Eisenbahnlinie von der Kohlemine in Australien zu einem Hafen liefern will. Mit 18 Millionen Euro ist der Auftragswert für die Verhältnisse von Siemens jedoch eher gering.

Wesentlich größer ist dagegen die Menge an Kohle die das neu entstehende Kohlebergwerk fördern soll: mit bis zu 60 Millionen Tonnen jährlich, soll es eines der größten weltweit werden. Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt an dem Projekt. Es geht auch um enormen Wasserverbrauch, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

Australische Umweltorganisation nennt Entscheidung "schändlich"

Auch australische Umweltaktivisten reagierten empört auf den Beschluss von Siemens. Die australische Umweltorganisation Australian Conservation Foundation nannte Kaesers Ankündigung "schändlich". Die Entscheidung ruiniere das Image der Firma. "Mit dieser Entscheidung zeigt das Unternehmen sein wahres Gesicht", hieß es.

Die Klimawandel-Strategie des Konzerns habe sich als "inhaltsleer und bedeutungslos" entpuppt - Siemens sei keinen Deut besser sei als die von der Ausbeutung fossiler Energieträger profitierenden Firmen, mit denen er zusammenarbeite. Der Protest gegen das Bergwerk-Projekt werde weitergeführt, kündigten die Aktivisten an.

Kaeser: Habe Verantwortung für Tausende Mitarbeiter

Ihm sei bewusst, dass die Mehrheit sich eine andere Entscheidung erhofft habe, so Kaeser in seiner Stellungnahme am Sonntag. Er betonte aber, dass es seine Pflicht als Konzernchef sei, verschiedene Interessen abzuwägen - dazu gehöre es auch, den Ruf von Siemens als zuverlässigem Lieferanten zu wahren. Er sei für die Zukunft von 385.000 Mitarbeitern verantwortlich. Für den Konzern habe es "höchste Priorität" seine Versprechen zu halten.

So sei das Minenprojekt in Australien auf allen relevanten politischen und und juristischen Ebenen genehmigt worden und habe die Zustimmung der Aboriginees in der Region. Darüber hinaus gebe es umfangreiche Umweltauflagen. Kaeser will zusätzlich ein Nachhaltigkeits-Gremium einrichten, das künftige Siemens-Projekte untersucht und im Zweifelsfall auch stoppen kann. Nicht zuletzt wäre es für Siemens nahezu unmöglich, sich ohne hohe Kosten aus dem Vertrag zurückzuziehen.

Buschbrände in Australien verschärfen Debatte

Von Seiten der deutschen Umwelt- und Klimaaktivisten hieß es, der Konzern müsste anfangen bestehende Verträge zur Förderung von Kohle, Öl und Gas aufzulösen, sonst seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht einzuhalten. "Auf diesen Vertrag zu pochen, während Australien brennt und alle Konsequenzen für Mensch und Umwelt bekannt sind, ist Wahnsinn", so Neubauer. Die Menschen seien an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem jeder Vorstandsvorsitzende "in dieser Größenordnung gefragt ist, sich zu entscheiden: für oder gegen das Klima, für oder gegen die Rechte zukünftiger Generationen und den Schutz der Menschen und Tiere, die heute betroffen sind."

Die seit Wochen tobenden Buschbrände in Australien hatten die Debatte um den Bau der geplante Kohlemine des indischen Energiekonzerns Adani Power verschärft. Die Feuer werden auch auf die globale Erwärmung zurückgeführt, für die der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) mitverantwortlich gemacht wird. Kohlekraftwerke gelten deshalb als besonders umweltschädlich. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Auch Neubauer hatte Siemens zuletzt eine Schlüsselrolle für das Projekt zugeschrieben.

Fridays for Future kündigt Proteste gegen Siemens an

Bereits am vergangenen Freitag hatten "Fridays for Future"-Anhänger in deutschen Städten gegen die Mitwirkung von Siemens an dem Bergbauprojekt protestiert. Auch die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg hatte dazu Stellung bezogen: "Es scheint so, als ob Siemens die Macht habe, den Bau der riesigen Adani-Kohlemine in Australien zu stoppen, zu verzögern oder zumindest zu unterbrechen", schrieb sie am Samstag auf Twitter.

Nun haben die Organisatoren der Klima-Bewegung neue Proteste auf der Siemens-Hauptversammlung angekündigt. Siemens-Chef Joe Kaeser trete mit dem Ja zum "katastrophalsten Kohleminen-Projekt der Welt die nachhaltigen Bestrebungen seines Unternehmens "für ein Volumen von nur 20 Millionen Euro in die Tonne", sagte Nick Heubeck von "Fridays For Future". Bislang sind deutschlandweit etwa 12 Veranstaltungen geplant. Unter anderem soll heute Mittag vor dem Hauptsitz von Siemens in München, sowie in Landshut und Kempten protestiert werden. Die Aktivisten in Kempten haben zu einem "Die-in" aufgerufen, einer Aktionsform bei der sich Menschen kollektiv auf den Boden legen und tot stellen. In einer Mitteilung der Kemptener Gruppe heißt es: "Die weltweiten Proteste, besonders in Australien, von verschiedensten Umweltbewegungen und Organisationen, die schon Monate andauern, aber auch in Deutschland diesen Freitag in über 40 Städten, wurden einfach ignoriert."

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Siemens-Chef Joe Käser hält an dem umstrittenen Geschäft mit dem Kohleminen-Betreiber Adani fest. Auch massive Proteste von Klimaschützern konnten den Unternehmenslenker nicht von dem 20-Millionen-Euro-Deal abbringen.

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