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Netflix: Die fetten Jahre sind vorbei | BR24

© Marcus Schuler

Netflix hat an seinem Firmensitz in Los Gatos im Silicon Valley seine jüngsten Quartalszahlen vorgestellt

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    Netflix: Die fetten Jahre sind vorbei

    "Stranger Things" oder "Orange Is The New Black" sind erfolgreiche Shows des Streamingdienstes Netflix. Sie sorgten auch für den weltweiten Erfolg des Unternehmens. Zuhause in den USA sehen Analysten allerdings große Probleme auf Netflix zukommen.

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    Im nachbörslichen Handel konnte die Netflix-Aktie Zugewinne von bis zu zehn Prozent verbuchen. Das Aufatmen der Analysten war fast zu hören. Die Zahlen, die aus Los Gatos kamen, einem Städtchen im Silicon Valley, in dem Netflix seinen Hauptsitz hat, sorgten für eine versöhnliche Stimmung. Und dennoch machen die jüngsten Ergebnisse unumstößlich klar: Die fetten Jahre sind für Netflix offenbar vorbei.

    Netflix schwächelt in den USA

    Vor allem in seinem Heimatmarkt USA schwächelt der Streaming-Dienst. Lucas Shaw vom Wirtschaftssender Blomberg meint, dass das Unternehmen die Erwartungen in den USA leicht enttäuscht habe. International sei es aber überlegen gewesen: "Genau das hat Netflix in den vergangenen Jahren auch immer wieder propagiert. Sie haben das schlechteste Jahr in den USA hinter sich und das Beste auf internationaler Ebene", ordnet Shaw die jetzt vorgelegten Quartalszahlen ein. Die Netflix-Programme seien vor allem in Europa, Lateinamerika und Asien erfolgreich.

    Das Wachstum ist international

    Weltweit konnte das Silicon Valley Unternehmen 6.8 Millionen neue Abonnenten dazu gewinnen. International ist Netflix weiterhin auf Wachstumskurs. Hier hat es die Erwartungen der Wall Street übertroffen. Der Heimatmarkt zeigt aber: dort könnte das Angebot sein Potenzial eventuell schon ausgeschöpft haben. Nur knapp eine halbe Million neue Nutzer konnte es seit dem Sommer dazu gewinnen. Gerechnet hatte die Börse mit rund 800.000 neuen Abonnenten.

    Eric Haggstrom vom Analysedient eMarketer bilanziert: "Sie wachsen nicht mehr so stark wie früher. Das liegt teilweise auch daran, dass fast die Hälfte aller Haushalte in den USA ein Netflix-Abo hat. Hier wird es für das Unternehmen brenzlig, weil es in direkten Wettbewerb mit Disney, mit AT&T und Apple tritt."

    Aber ausgerechnet Disney und At&t hätten Netflix in der Vergangenheit mit Inhalten versorgt. Jetzt würden aus den ehemaligen Partnern Konkurrenten.

    Netflix-Chef Hastings beschwichtigt

    Netflix-Chef Reed Hastings ist dagegen ein Meister im Kleinreden: Er sehe keine großen Veränderungen in der Wettbewerbslandschaft. Die linearen Anbieter, also die TV-Sender, seien nach wie vor die großen Rivalen von Netflix.

    Da hat der Netflix-Gründer recht und auch wieder nicht: Denn Disney und Apple treten in wenigen Tagen hier in den USA an, um Netflix das Leben deutlich schwerer zu machen. Sie werden mit extremen Kampfpreisen in den Markt gehen:

    Apple TV Plus wird es ab November für knapp fünf Euro im Monat geben, Disney Plus für knapp unter sieben Euro.

    Verzwickte Lage

    Netflix befindet sich in einer verzwickten Lage: Es rangiert mit seinen Abo-Preisen zwischen 8 und 16 Euro schon am oberen Ende der Skala. Es hat kaum Chancen, seine Preise zu erhöhen.

    Tech-Investor Gene Munster sagte im Wirtschaftssender CNBC:

    “Kritisch wird es für Netflix, weil Apple und Disney weitere Standbeine am Markt haben und Netflix nicht. Das bedeutet: Apple und Disney können niedrige Preise länger durchhalten als Netflix. Und dass die beiden ihre Preise bald erhöhen, halte ich im nächsten Jahr für äußerst unwahrscheinlich."

    Die Lehren aus den jüngsten Netflix-Quartalszahlen lassen sich vermutlich so am besten zusammenfassen: Große Wachstumssprünge sind wohl nur noch international möglich. Netflix wird damit auch immer stärker zu einem internationalen Unternehmen. Und: Der Dienst ist gut beraten, seine hohe Ausgabepolitik beizubehalten. Nach jüngsten Gerüchten gibt Netflix gut 15 Milliarden Dollar für Eigen-Produktionen im Jahr aus. Wenn es mit Disney hier mithalten will, ist das Unternehmen gut beraten, trotz 12 Milliarden Dollar Schulden, keine Schwäche zu zeigen.