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Dass Sparkonten keine Zinsen mehr abwerfen, daran haben wir uns gewöhnt. Aber jetzt müssen viele Verbraucher für ihr Erspartes auch noch zahlen. Negativzinsen ist das Stichwort, immer mehr Sparer müssen sie zahlen.

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Negativzinsen: Was Sparer jetzt tun können

Sparkonten bringen schon lange keine hohen Zinsen mehr ein. Aber nun müssen viele Verbraucher für ihr Erspartes auch noch zahlen. Wie kommt das und was können Verbraucher dagegen tun?

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Von
  • Alexander Arnö
  • Julia Lamour

Gerade während der Corona-Pandemie legen viele Menschen ihr Geld auf die hohe Kante. Urlaubsreisen, Shopping und Restaurantbesuche sind ohnehin nur eingeschränkt möglich. Wer das Geld aber gerade gar nicht braucht: die Banken. Zumindest, wenn es sich um Einlagen auf den Konten ihrer Kunden handelt.

Das hat Folgen: Immer mehr Sparer müssen Negativzinsen zahlen. Banken bezeichnen diese meist als Verwahrentgelt. Und diese Forderungen betreffen nicht nur Neukunden, sondern zunehmend auch diejenigen, die schon viele Jahre bei derselben Bank sind.

Ohne Einwilligung droht Kündigung

Das Rentnerpaar Iris und Josef Mayerbüchler aus Inzell ist sauer. Seit Jahrzehnten sind die beiden Genossenschaftsmitglieder und treue Kunden bei ihrer Hausbank. Als diese Negativzinsen will, lehnen die Mayerbüchlers ab und sagen: "Das wollen wir nicht akzeptieren." Die Reaktion ihrer Bank: Kündigung.

Warum gibt es Negativzinsen?

Banken verleihen verfügbares Geld normalerweise weiter. Geld, das sie nicht verleihen oder anlegen, landet am Tagesende auf einer Art Girokonto der Bank bei der EZB, der Europäischen Zentralbank. Das Problem: Seit einigen Jahren verlangt die EZB für diese Einlagen Negativzinsen. Viele Banken geben die an ihre Sparkunden weiter. Sie beklagen, sie könnten das ganze Geld der Sparer gar nicht an Unternehmen oder Privatpersonen weiterverleihen. Immer mehr Banken verlangen daher von ihren Sparkunden ein Verwahrentgelt, häufig in Höhe von 0,5 Prozent.

Immer mehr Banken führen Negativzinsen ein

Mittlerweile berechnen rund 100 Banken in Bayern Negativzinsen, Tendenz steigend, besonders seit Beginn der Corona-Pandemie. Denn Sparkunden parken in Krisenzeiten mehr Geld auf ihrem Konto. Viele sind verunsichert, wie es weitergeht – und zusätzlich können sie durch den Lockdown ohnehin weniger ausgeben. Damit haben die Banken noch mehr Druck, das Geld weiter zu verleihen, um an die EZB nicht noch mehr zahlen zu müssen.

Schranke für Negativzinsen sinkt

Inzwischen verlangen Banken bei immer niedrigeren Einlagen Negativzinsen. Die Sparkasse Ingolstadt-Eichstätt erhebt sie etwa für Neukunden ab 10.000 Euro, die Raiffeisenbank Bad Kötzting schon ab 5.000 Euro. Schätzungen zufolge wird zum Jahresende mehr als jede zweite Bank Negativzinsen kassieren. Das sei die falsche Strategie, kritisieren Verbraucherschützer.

"Das Alleinstellungsmerkmal der Hausbank – das ist die, die vor Ort ist, die für mich da ist – gilt nicht mehr so, wie vielleicht vor 20 Jahren noch. Die Wechselwilligkeit steigt und indem man eben an der Kostenschraube so dreht, verschärft man diese Entwicklung." Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern

Was können Sparkunden jetzt tun?

  • Wenn einem sogar als langjährigem Kunden Negativzinsen drohen, rät die Verbraucherzentrale, mit der Bank zu sprechen und eine individuelle Lösung zu suchen.
  • Man kann in Aktien investieren – breit gestreut und langfristig. Aber nicht für jeden sind Aktien die passende Geldanlage.
  • Auch ein Wechsel der Bank kann eine Möglichkeit sein. Noch gibt es viele Banken, die keine Verwahrentgelte fordern.
  • Möglich ist auch die Verteilung des Ersparten auf verschiedene Banken, jeweils bis zu dem Betrag, für den noch keine Negativzinsen anfallen. Bei vielen Banken liegt der "Freibetrag" laut Verbraucherzentrale Hamburg bei 100.000 Euro.
  • Zudem sollten sich Verbraucher vor einer Kontoeröffnung bei der Bank informieren, ob sie Verwahrentgelte erhebt.

Geldanlage - eine individuelle Entscheidung

Die Mayerbüchlers wollen im Ruhestand schnell an ihr Geld. "Wir wollen es für unseren Lebensstandard liegen haben", sagt Iris Mayerbüchler. Sie und ihr Mann wehren sich gegen die Kündigung ihrer Hausbank. Sie wollen Kunden ihrer Bank bleiben, ohne für ihr Erspartes zahlen zu müssen.

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Statt Zinsen auf Ersparnisse zu bekommen, müssen immer mehr Sparer Negativzinsen auf ihre Einlagen bezahlen. Was können Verbraucher dagegen tun?