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Negativ-Zinsen: Woher kommen sie, wie kann man sie vermeiden? | BR24

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Manche sprechen von "Strafzins", Banken und Sparkassen nennen den Betrag "Verwahrentgelt". Es geht um einen Preis, den Bankkunden für bestimmte Guthaben zahlen müssen. Ministerpräsident Söder will Kleinsparer davor nun gesetzlich schützen.

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Negativ-Zinsen: Woher kommen sie, wie kann man sie vermeiden?

Manche sprechen von "Strafzins", Banken und Sparkassen nennen den Betrag "Verwahrentgelt". Es geht um einen Preis, den Bankkunden für bestimmte Guthaben zahlen müssen. Ministerpräsident Söder will Kleinsparer davor nun gesetzlich schützen.

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Der Strafzins für Kleinsparer soll gesetzlich verboten werden, fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Betroffen wären Bankkunden mit einem Guthaben von bis zu 100.000 Euro. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle der Freistaat Bayern im Bundesrat einen Vorstoß starten, so Söder.

Die Deutschen – eine Nation von Sparern

Schon Kindern wird beigebracht: Wer sein Geld zur Bank bringt, bekommt dafür von ihr etwas bezahlt, die Zinsen. Es lohne sich also, zu verzichten, zu sparen und so für schlechte Zeiten vorzusorgen. Die Deutschen vertrauen dieses Versprechen. Sie sind eine Nation von Sparern. Fast 2,5 Billionen Euro hatten sie 2018 als Bargeld auf der hohen Kante liegen. Doch ihre Rechnung geht inzwischen immer weniger auf. Unter bestimmten Umständen müssen sie mittlerweile sogar dafür bezahlen, dass die Bank oder Sparkasse ihr Geld entgegennimmt und verwahrt.

Kleinsparer zahlen derzeit kein Verwahrentgelt

Eine Umfrage bei den bayerischen Banken und Sparkassen hat ergeben: "Verwahrentgelt" wird bisher nicht generell berechnet, sondern nur für bestimmte Konten und nur bei hohen Beträgen. Bezahlen müssen meistens nur institutionelle Anleger und Geschäftskunden. Betroffen sind Giro- und Tagesgeldkonten, auf denen Summen ab 100.000 Euro liegen. Einige Institute verlangen in diesem Fall auch von Privatkunden das "Verwahrentgelt". Eine Zusammenstellung hat das Finanzportal "biallo.de" veröffentlicht.

Der Preis für die Verwahrung dieser Gelder liegt üblicherweise bei 0,4 Prozent pro Jahr. Das entspricht genau dem sogenannten "Negativ-Zins", den die Europäische Zentralbank EZB dafür kassiert, dass Banken und Sparkassen ihre kurzfristig verfügbaren Guthaben bei ihr parken.

Spitzenfunktionäre der bayerischen Finanzinstitute sehen in der EZB-Zinspolitik auf längere Sicht eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems der Euro-Zone.

"Wenn die Rahmenbedingungen auf der Zinsseite durch eine Geldpolitik mit Nullzinsen und sogar negativen Einlagezinsen bei den Zentralbanken sich nicht ändern, so ist das für die Finanzwirtschaft ungesund und schädlich. Auf Dauer stoßen die Institute dann an ihre natürlichen Grenzen, weil die Handlungsfelder und die möglichen Maßnahmen eben nicht unerschöpflich sind." Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern

EZB-Politik greift in Deutschland nicht

Die EZB will durch ihre "Negativ-Zinsen" Banken und Sparer dazu bewegen, ihr Geld lieber in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, anstatt es auf dem Konto liegen zu lassen. Doch das funktioniert in Deutschland nicht, weil im deutschen Finanzsystem keine "Kreditklemme" zu erkennen ist. Die bayerischen Sparkassen gaben im letzten Jahr 4,1 Prozent mehr an Krediten aus als 2017, die Volks- und Raiffeisenbanken sogar 6,1 Prozent. Nicht nur Deutschlands Sparer, sondern auch seine Schuldner sind im Euro-Raum vorbildlich: Nur 1,5 Prozent der Kredite gelten als "notleidend", werden also nicht wie vereinbart bedient.

Unterm Strich sind die "Negativ-Zinsen" in Deutschland bisher also nicht nur unnötig, sondern auch wirkungslos. Ihr einziger Effekt: Die Guthaben auf den betroffenen Konten werden niedriger.

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Deutschlands Kreditwesen ist solide. Quelle: IWF

Für Sparer gilt: Möglichst wenig Geld auf Tagesgeld- und Girokonten

Bisher sind die normalen Sparer noch nicht von "Negativ-Zinsen" oder "Verwahrentgelt" betroffen. Dennoch empfehlen Fachleute, dass sie ihre kurzfristig angelegten Bankguthaben möglichst niedrig halten. Denn deren realer Wert sinkt auch ohne Negativzinsen schon seit Jahren: Einfach weil die Verbraucherpreise regelmäßig steigen, die Zinsen aber vergleichsweise niedriger oder sogar gleich Null sind. Im Juli beispielsweise lag die jährliche Inflationsrate in Deutschland bei 1,7 Prozent. So hoch müsste die Verzinsung auf einem Konto mindestens sein, damit es seine Kaufkraft behält. Das schafft so gut wie kein Tagesgeldkonto - und schon gar kein Girokonto.

Die Guthaben dort sollten deshalb auf die unbedingt erforderliche Summe begrenzt sein, etwa um einen Notgroschen zu haben oder um kurzfristige Zahlungsverpflichtungen zu begleichen. Viele Girokonten berechnen außerdem monatlich Kontoführungsgebühren. Für die längerfristige Geldanlage sind Giro- und Tagesgeldkonten deshalb - unabhängig vom drohenden "Verwahrentgelt" - ungeeignet.

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Bayerns Ministerpräsident Söder will Guthaben von Kleinsparern vor Strafzinsen schützen. "Wir werden als Freistaat einen Vorstoß im Bundesrat starten, dass Beträge bis 100.000 Euro grundsätzlich von Strafzinsen ausgenommen werden", so der CSU-Chef.