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Nationalparks: Bayern und Böhmen wachsen mehr zusammen | BR24

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Vor 30 Jahren läutete der Abbau von Grenzzäunen das Ende des Eisernen Vorhangs ein. Doch erst mit der EU-Osterweiterung 2004 rücken die Naturschutzgebiete zwischen Bayern und Böhmen eng zusammen. Besuch einer Grenzregion.

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Nationalparks: Bayern und Böhmen wachsen mehr zusammen

Vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang. Doch erst mit der EU-Osterweiterung 2004 wuchsen die Naturschutzgebiete zwischen Bayern und Böhmen langsam zusammen. Bis heute gibt es noch viel zu tun, um die Nationalparks der Grenzregionen zu vereinen.

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Vom Menschenschlag her sehe er nicht so viele Unterschiede, "und für die Jüngeren gibt es eigentlich keine Grenzen mehr", so Mario Schmidt. Er ist Ranger an der Grenze zwischen Bayern und Böhmen, wie sein tschechischer Kollege Pavel Nedved:

"Wenn wir Unterschiede suchen, dann finden wir diese auch. Wenn wir nichts dagegen unternehmen, dann bleiben diese Unterschiede und das wäre ein Grund für größere Probleme. Toleranz für andere Meinungen und für andere Mentalitäten, die Toleranz muss generell da sein." Pavel Nedved, Ranger, Nationalpark Šumava

Deutsch-tschechische Grenzregion zieht verstärkt Touristen an

Die beiden Ranger wollen die Zusammenarbeit im größten zusammenhängenden Waldgebiet Mitteleuropas vorantreiben. Die Infrastruktur für die Touristen etwa wird ständig durch zweisprachige Beschilderungen verbessert. Doch momentan haben die Ranger vor allem die Natur im Auerhahn-Schutzgebiet im Blick. Trendsportarten wie E-Biken gefährden die fasanenartigen Wildvögel besonders. Die Region wird für Touristen immer attraktiver.

Letztes Jahr wurden allein im Bayerischen Wald über 1,3 Millionen Touristen gezählt - über 2 Millionen im Nationalpark Šumava. Für die Übernachtung ziehen viele aber Bayern vor. Laut Tourismus-Berater Jochen Stieglmeier sei das auch die Erfahrung zahlreicher Hotels und Gastronomiebetriebe, die sich im Nationalpark-Partnerverein zusammengeschlossen haben. An einer solchen Infrastruktur fehle es noch auf der tschechischen Seite, aber auch an Gästebetten. Stieglmeier hat bereits Ideen, was man unternehmen könnte:

"Ich denke da an ein bayerisch-böhmisches Hotelhopping. Allerdings ist der Tourist immer noch sehr skeptisch, seinen Urlaub jetzt in Böhmen zu verbringen. Jeder fährt mal rüber und kauft drüben ein, jeder besucht Kruma, das Weltkulturerbe, oder Budweis. Aber abends kommen sie wieder nachhause. Aber da besteht Kapazität, weil wir dann auch tschechische Gäste auf die deutsche Seite bringen können." Jochen Stieglmeier, Touristik-Consulting, Spiegelau

Naturschutz als Gratwanderung

Für Touristen attraktiv zu sein und gleichzeitig die Natur zu schützen - eine Gratwanderung für die beiden Nationalparks. Deshalb möchten sie mehr über ihre Besucher erfahren. Der Geologe Florian Porst und sein tschechischer Kollege Josef Stemberk führen gemeinsam Umfragen unter Touristen durch:

"Wir haben natürlich auch die Besucher nach ihrer Zufriedenheit mit der Infrastruktur gefragt: Da wurden wir in unserer Arbeit bestätigt, dass die Leute sehr zufrieden sind, was Beschilderungen im Nationalpark angeht, aber auch unsere mit viel Aufwand betriebene Besucherinformation sehr wertschätzen." Florian Porst, Projektkoordinator, Nationalpark Bayerischer Wald

Arbeiten wolle man an mehr deutschsprachigen Angeboten und Informationen für Touristen auf der tschechischen Seite der Grenzregion. Durch EU-Fördergelder werden grenzüberschreitende Projekte ermöglicht.