Trotz Lufthansa-Warnstreik: entspannte Lage am Flughafen München

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Nach Streik-Tag: Lufthansa erwartet rasch normalen Flugbetrieb

Nach Streik-Tag: Lufthansa erwartet rasch normalen Flugbetrieb

Der Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals in Frankfurt und München hat zu umfangreichen Flug-Annullierungen geführt. Auf beiden Flughäfen wurde ein größeres Durcheinander vermieden. Schon morgen rechnet die Lufthansa wieder mit Normalbetrieb.

Am Münchner Flughafen hat der Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals zu keinem größeren Chaos geführt. Hauptursache ist die schon gestern erfolgte Absage der allermeisten Flüge für heute. Das heißt, so gut wie kein Passagier, der von einem annullierten Flug betroffen ist, kam an den Flughafen. Die Lufthansa habe ihre Kunden vorab darüber informiert, hieß es dort.

Durchsagen am Flughafen informierten über Warnstreik

Am Flughafen selber informierten Durchsagen darüber, dass Passagiere von annullierten Flügen an Check-In-Automaten über Alternativ-Buchungen informiert wurden. Reisende, die nur für eine Zwischenlandung in München ankamen und dort eine innerdeutsche Verbindung nehmen wollten, wurden per Ansage darauf hingewiesen, dass für sie die Weiterreise mit der Bahn vorgesehen ist.

Über 40.000 Passagiere allein in München von Warnstreik betroffen

Insgesamt geht es dabei um rund 330 Verbindungen – mit über 40.000 Passagieren. Neben Lufthansa sind auch die Fluggesellschaften Swiss, Austria, Brussels und Air Dolomiti betroffen. Darüber hinaus konnten auch unter anderem Maschinen von Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben. Allerdings heben einige wenige Flieger der Lufthansa doch ab. Gestern Abend noch hatten Verdi und die Lufthansa beispielsweise eine Notdienstvereinbarung abgeschlossen: Deshalb heben beispielsweise Organtransporte ab. An den kleineren Flughafen-Standorten fielen meist nur die Verbindungen nach München und Frankfurt aus.

Personal von anderen Fluggesellschaften, die typischerweise am Terminal 1 operieren, sind nicht an dem Warnstreik beteiligt. Dazu gehört auch die Lufthansa-Tochter Eurowings. Dort läuft der Flugbetrieb auch ganz regulär.

Verdi verteidigt Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals

Verdi verteidigt den 26-Stunden-Warnstreik mitten in der Haupturlaubszeit. Er sei notwendig, um damit den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen, sagt Dennis Dacke vom Verdi- Bundesvorstand. Die Lufthansa, mit dem Anspruch eine Premium-Airline zu sein, könne ihren Beschäftigten nicht Löhne wie bei einem Billigflieger bezahlen. "Das passt ursächlich einfach nicht zusammen." Hier müsse die Lufthansa überdenken, dass die Beschäftigten das Kapital der Firma seien. "Die Beschäftigten halten den Laden am Laufen. Die Beschäftigten haben während Corona auf Teile ihres Gehaltes und ihrer Entgeltstruktur verzichtet." Jetzt sei es an der Zeit etwas zurückzugeben. Da habe die Lufthansa eine soziale Verantwortung und eine Fürsorgepflicht.

Der Warnstreik am Flughafen München läuft weiter bis morgen sechs Uhr. Trotz der Unzufriedenheit und schlechter Bezahlung: Viele Lufthansa-Mitarbeiter arbeiten stundenweise und beteiligen sich dann am Streik, um die Fluggäste nicht hängen zu lassen. Das sei das Besondere am Flughafen München, so Verdivertreter Dennis Dacke.

Ähnliche Situation am Flughafen Frankfurt

Auch am Flughafen Frankfurt blieb es weitgehend ruhig, da die Passagiere vorab über die Annullierung von heute 725 Flügen informiert worden waren. Trotzdem bildeten sich nach morgendlicher Leere lange Schlangen meist ausländischer Kunden vor den spärlich besetzten Schaltern. "Es ist weitestgehend ruhig und überschaubar", sagte eine Sprecherin der Lufthansa. Zwar befänden sich "etliche" Passagiere an den Umbuchungsschaltern. Viele Reisende seien aber dem Aufruf der Lufthansa gefolgt und nicht an den Flughäfen erschienen.

Ab Donnerstag wieder Normalbetrieb bei Lufthansa

Die Konzernsprecherin betonte, dass die Lufthansa damit rechne, dass "morgen nach Streikende sich der Flugbetrieb dann wirklich schnell normalisieren wird". Bereits am Donnerstag könne das geplante Flugprogramm voraussichtlich wieder umgesetzt werden.

Wie es anschließend aber weitergehen wird, ist noch offen. Denn die Gewerkschaft zeigt sich verärgert. Der Konzern habe bei den Verhandlungen "keine grundsätzliche Bereitschaft gezeigt, uns entgegenzukommen" und müsse nun mit den Konsequenzen leben. Er setze seine Hoffnungen in die Fortsetzungen der Verhandlungen am 3. und 4. August in Frankfurt am Main. "Wenn das Angebot stimmt, steht einem Abschluss an dieser Stelle nichts im Weg", sagte Dacke.

Tarifverhandlungen mit der Lufthansa

Die Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa und Verdi für die rund 20.000 Beschäftigten am Boden waren in der zweiten Runde Mitte Juli ohne Ergebnis geblieben. Die Gewerkschaft fordert 9,5 Prozent mehr Lohn und einen Mindeststundenlohn von 13 Euro bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Lufthansa legte ein Angebot aus Festbeträgen und einer von der Geschäftsentwicklung abhängigen Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten vor.

Laut Unternehmen bedeutet dies für Beschäftigte mit einer monatlichen Grundvergütung von 3.000 Euro brutto ein Anstieg zwischen neun und elf Prozent binnen der kommenden zwölf Monate, bei einer Grundvergütung von 4.000 Euro brutto im Monat eine Steigerung um 8,4 Prozent und bei 6.500 Euro um 5,9 Prozent. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle hatte dies als "schöngerechnet" bezeichnet.

Streikende am Flughafen München

Bildrechte: BR

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