| BR24

 
 

Mordfall Peggy: Haftbefehl gegen 41-Jährigen

Bild

Schufa Bonitätsauskunft
© pa/dpa/Jens Kalaene

Autoren

Josef Streule
Arne Meyer-Fünffinger
© pa/dpa/Jens Kalaene

Schufa Bonitätsauskunft

Kredit-Auskunfteien wie die Schufa sollen nach Ansicht von Verbraucherschutzministerin Katarina Barley für mehr Transparenz gegenüber Verbrauchern sorgen: "Jeder Bürger muss das Recht haben zu erfahren, welche wesentlichen Merkmale in die Berechnung der eigenen Bonität eingeflossen sind und wie diese gewichtet werden", erklärte sie am Donnerstag in Berlin.

Barley reagiert damit auf eine Auswertung von mehr als 2000 Schufa-Auskünften durch Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks und des Spiegel. Der Datensatz ist nicht repräsentativ, erlaubt aber Einblicke in das Berechnungsverfahren der Schufa zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern. Die Analyse der anonymisiert zur Verfügung gestellten Auskünfte hat ergeben, dass die Schufa jeden achten Verbraucher im Datensatz unverschuldet zum Risikofall erklärt.

Datensätze oft mangelhaft

Mit der Schufa hat auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber Erfahrungen gemacht. Kelber hat bei der Schufa vor geraumer Zeit eine Selbstauskunft angefordert und sich gewundert, wie unterschiedlich die Berechnungen seiner Scoring-Werte ausfielen: „Es gibt da ja oft erste, zweite, dritte Versionen. Es waren falsche Daten drinnen. Konten, die ich nicht mehr besaß, andere fehlten. Fehler über einen Kredit, den ich bei meinem Haus aufgenommen habe. Also hohe Qualität war das nicht.“

Die Qualität der Daten und was die Schufa daraus mache, sei ein Problem, so Kelber weiter. Damit wird er sich zukünftig wohl aus beruflichen Gründen häufiger befassen. Denn der Bundestag hat Ulrich Kelber heute Nachmittag zum neuen Bundesdatenschutzbeauftragten gewählt. Im Interview mit dem BR fordert Kelber, für Auskunfteien wie die Schufa müsse es klare Vorgaben geben, welche Daten verwendet werden dürfen und was eigentlich die maßgeblichen Daten seien, nach denen man bewertet werde. Und: Es müsse mehr Transparenz über die Güte des Scoring-Verfahrens geben.

Verfahren undurchsichtig

Allerdings ist das mit der Transparenz so eine Sache. Im Januar 2014 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Schufa ihren Algorithmus nicht offenlegen muss – Geschäftsgeheimnis. Deswegen sei und bleibe die Schufa eine Blackbox, kritisiert Konstantin von Notz, Grünen-Fraktionsvize und Innenexperte:

"Wir haben es immer befürchtet, dass diese Blackbox Schufa, dass da eben willkürlich Kriterien dahinter stehen und auch willkürliche Ergebnisse. Der Skandal ist meiner Ansicht nach, dass spätestens seit dem BGH-Urteil die Bundesregierung nicht für Transparenz gesorgt hat, sondern dass das ein Recherche-Investigativteam herausfinden musste. Eigentlich wären die Aufsichtsbehörden in der Verantwortung gewesen." Konstantin von Notz, Grünen-Fraktionsvize

Klare Vorgaben sind notwendig

Jetzt gelte es, die Aufsichtsbehörden zu stärken, finanziell und personell, so von Notz gegenüber dem BR. Transparenz alleine werde es nicht richten. Auch von Notz fordert die Festlegung klarer Kriterien und kritisiert, bei Bewertungen durch Auskunfteien würden "aufgrund unklarer Algorithmen, die eine Privatfirma einfach zusammenmixt, sehr gravierende Lebensentscheidungen gefällt für Menschen."

Jeder achte wird zu schlecht beurteilt

Über die sozialen Medien haben sich seit gestern Abend zahlreiche Verbraucher bei BR und Spiegel gemeldet und von Problemen mit der Schufa berichtet. Tenor: Das Zustandekommen des Scores sei für sie unverständlich.