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Nach dem Reaktorunglück 2011 in Fukushima hat Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Einige Atommeiler wurden bereits vom Netz genommen. Deshalb müssen neue Trassen errichtet werden, um Bayern mit erneuerbarer Energie zu versorgen.

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Nach Reaktorunglück Fukushima: Energiewende-Bilanz für Bayern

Im März 2011 erschütterte das Reaktorunglück in Fukushima die ganze Welt – mit weitreichenden Folgen: Dem Atomausstieg in Deutschland. In Bayern ging zuerst das Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld vom Netz. Doch wie weit ist die Energiewende in Bayern?

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Von
  • Norbert Steiche
  • BR24 Redaktion

Seit dem Reaktorunglück von Fukushima am 11. März 2011 wird in Bayern deutlich mehr regenerativer Strom erzeugt als vorher. Nachdem die Auswirkungen dieses Reaktorunglücks mehr und mehr bekannt wurden, entschied sich die Bundesregierung 2011, dass Deutschland aus der Kernkraft aussteigt. Daraufhin wurde beschlossen, die sogenannte "Energiewende" einzuleiten.

Mehr Strom aus Wind, Solar und Biomasse

In Bayern hat sich nach Angaben des Bayerischen Wirtschaftsministeriums in den vergangenen zehn Jahren der Anteil von im Freistaat erzeugtem Windstrom mehr als versechsfacht. Beim Solarstrom gibt es ein Plus von 70 Prozent, bei Strom aus Biomasse einen Anstieg von 41 Prozent. Laut dem Bayerischen Wirtschaftsministerium kann sich Bayern heute fast aus eigener Kraft mit Energie versorgen.

Nur ein Achtel des Stroms müsse importiert werden. Und da setzt der Freistaat auf Import von umweltfreundlichem Wasserstoff, um damit Gaskraftwerke zu betreiben. Atomstrom soll laut Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) vom Ausland gar nicht mehr eingekauft werden.

Kritik an Stromtrassen nach Süddeutschland

Seit 2014 gibt es Pläne für den Stromtrassenausbau vom Norden Deutschlands in den Süden. In vielen Gemeinden entlang der geplanten Trassen gibt es Protest, etwa in Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt. Die Gemeinde fühlt sich mit rund 170 Strommasten bereits stark überlastet und will keine weiteren haben. Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner sagte dazu dem Bayerischen Rundfunk: "Das Mäntelchen der Energiewende wird mit benutzt für diesen Leitungsausbau heute. Das wäre auch geschehen, wenn keine Energiewende gewesen wäre, dann wäre der Leitungsausbau trotzdem vorangegangen."

Aiwanger: Genügend Strom selber erzeugen

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagte: "Wir müssen den Trassenausbau auf das Allernotwendigste beschränken. Wir müssen möglichst auch im Süden schauen, dass wir genügend Strom selber erzeugen, auch auf die Gaskraft mehr zurückgreifen, grüner Wasserstoff ist da ja eine Zukunftsvision. Grüner Wasserstoff und damit Gaskraftwerke zu betreiben, warum nicht, würde uns die ein oder andere teure Trasse ersparen."

Bayerische Atomkraftwerke gehen vom Netz

Ende Juni 2015 wurde das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt abgeschaltet – nach 33 Betriebsjahren. Das Kraftwerk ging als erster von drei Meilern in Bayern vom Netz. Am KKW Gundremmingen soll der letzte aktive Block Ende dieses Jahres endgültig abgeschaltet werden. Der letzte Atomstrom von Isar 2 bei Landshut soll Ende 2022 ins Netz eingespeist werden.

"Energiewende bleibt ein ehrgeiziges Projekt"

Zum Stand der Energiewende sagte Aiwanger: "Wir haben beim Ausbau der Photovoltaik (PV) gute Erfolge erzielt. Bei der Windkraft schieben wir jetzt kräftig an. Auch die so genannte kleine Wasserkraft soll modernisiert werden. Auch wenn wir beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einiges erreicht haben: die Energiewende bleibt ein ehrgeiziges Projekt, die Energiepolitik eine Daueraufgabe". Laut dem Wirtschaftsminister muss an vielen Stellschrauben nachgesteuert werden. Als Beispiele nannte er das EEG und den Brennstoffemissionshandel.

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