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Nach dem "Knall": Audi muss Mitarbeitern Sparkurs erklären | BR24

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Die knapp 41.000 Audianer am Standort Ingolstadt sind heute eingeladen zur Betriebsversammlung. Seit Kurzem haben sie Gewissheit: In den nächsten fünf Jahren werden tausende Stellen abgebaut. Aber: Es gibt keine Kündigungen.

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Nach dem "Knall": Audi muss Mitarbeitern Sparkurs erklären

Nach Jahren der Unsicherheit wissen die Audi-Mitarbeiter in Deutschland seit Kurzem, woran sie sind: Tausende Stellen fallen in den beiden Werken weg. Details erfahren die Audianer in Ingolstadt auf der ersten Betriebsversammlung nach dem "Knall".

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Auch wenn sich aktuell bei Audi keiner Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen muss: "Hurra!" schreit beim Automobilbauer niemand. Dafür gibt es zu viele schlechte Nachrichten: Jobabbau, weniger Produktion. Trotzdem sind die meisten Audianer erleichtert, denn ihre Jobs sind in den nächsten zehn Jahren sicher. Außerdem bleibt ihre Erfolgsbeteiligung erhalten.

Viele Audianer haben diese Prämie fest eingeplant in ihre Hausfinanzierung. Deshalb ist Betriebsratschef Peter Mosch davon überzeugt, dass die meisten Audianer am Montag in guter Stimmung zur Betriebsversammlung kommen.

Details, wie es bei Audi weitergeht

Eingeladen hat der Betriebsrat alle knapp 44.000 Beschäftigten am Standort. In den nächsten fünf Jahren wird ihre Zahl deutlich sinken. 9.500 Stellen fallen insgesamt weg in Ingolstadt und in Neckarsulm. So haben es der Vorstand und der Betriebsrat in ihrem gemeinsamen Grundsatzpapier "Audi Zukunft" vereinbart. Details dazu will der Betriebsrat bei der Versammlung vorstellen.

Die Belegschaft interessiert vor allem, wie zum Beispiel die sozialverträglichen Regelungen aussehen für die Frühverrentung und die Altersteilzeitmodelle. Die Verhandlungen dazu laufen aktuell.

Noch mehr Jobs standen im Feuer

Der Betriebsrat wird den Audianern auch schildern, wie hart die Verhandlungen mit dem Vorstand waren. Zum Beispiel, dass ursprünglich noch 5.000 zusätzliche Stellen im Feuer standen. Hart umkämpft war auch, ob der Stellenabbau sozialverträglich über die Bühne gehen kann.

Letztendlich wertet es der Betriebsrat als seinen Erfolg, dass "nur" 9.500 Stellen wegfallen. Gleiches gilt für die Erfolgsbeteiligung der Belegschaft. Sie bleibt unverändert erhalten, obwohl das Unternehmen sie gerne, ähnlich wie bei BMW, halbiert hätte.

Dicke Kröte im Zukunftspakt Audi

Zum Ausgleich mussten die Arbeitnehmervertreter eine dicke Kröte schlucken: die massive Kürzung der zugesicherten Werkskapazitäten. In Ingolstadt rollen jährlich nur noch 450.000 Autos vom Band statt der möglichen 600.000, in Neckarsulm 225.000 statt 300.000. Diese hohen Kapazitätszahlen hatte Audi seiner deutschen Belegschaft 2012 im Rahmen der sogenannten Mexikovereinbarung zugesichert.

Damit wollte Audi klarstellen, dass die deutschen Arbeitsplätze nicht ins Ausland abwandern werden, obwohl zu der Zeit der Bau eines Audi-Werks in San José Chiapa in Mexiko geplant war. Dort begann 2016 die Produktion.

Sparkurs durch Kapazitätsabsenkung

Die aktuelle Kürzung der Werkskapazitäten in Deutschland wird auch mit dem notwendigen Sparkurs begründet. Um wieder 600.000 Autos in Ingolstadt bauen zu können, hätte Audi rund eine Milliarde in die Aufrüstung der Produktion stecken müssen. Geld, das sich das Unternehmen so gespart hat.

Keine Antworten vom scheidenden Audi-Chef

Eine zentrale Frage für die Audianer ist auch, wie das Unternehmen künftig mit seinen deutschen Werken Geld verdienen kann, wenn diese zu gut einem Viertel leer laufen. Eine Antwort erhalten die Beschäftigten zumindest nicht von ihrem Chef, Audi-CEO Bram Schot.

Entgegen der Tradition spricht Schot diesmal nicht in der Weihnachts-Betriebsversammlung zu den Mitarbeitern. Stattdessen redet Personalvorstand Wendelin Göbel. Beide Manager sitzen auf gepackten Koffern. Zum 1. April werden sie abgelöst. Bram Schot von Markus Duesmann, Göbel von Sabine Maaßen.

Unsicherheit bei den Zulieferern

Außerhalb der "Wagenburg" Audi gilt die Beschäftigungsgarantie nicht. Entsprechend unsicher sind die Arbeitsplätze bei den Zulieferern. Auf sie schlagen die Probleme der Autobauer unmittelbar nieder. Zwar verlieren vor den Werktoren Audis einige Leiharbeiter noch vor Weihnachten ihre Jobs, aber in der Gesamtschau hat die Verkündigung des Zukunftspakts Audi bei den Zulieferern Ende November keine vermehrten spontanen Entlassungen ausgelöst.

Schon seit Jahren Jobabbau vor den Werktoren

Grund dafür ist, dass Audi schon länger schwächelt und bereits in den vergangenen Jahren nur noch rund 450.000 Autos in Ingolstadt produziert hat. Darauf haben die Zulieferer längst reagiert.

So ist die Zahl der Beschäftigten im Güterverkehrszentrum GVZ vor den Audi-Werktoren bereits um mehr als 1.000 Stellen auf derzeit rund 5.000 gesunken. Die Arbeitsagentur Ingolstadt rechnet zudem mit mehr Kurzarbeit im neuen Jahr. Der Trend insgesamt rund um Audi geht eher abwärts. Für die Menschen dort gibt es also keine schöne Bescherung.

Weihnachtspause deutlich länger

Schwierig ist für die Zulieferer auch, dass Audi diesmal die Weihnachtsferien auf vier Wochen ausdehnt hat; üblich waren zwei. Der offizielle Grund dafür sind Umstellungsarbeiten in der Produktion. Wie viele Wochen die Bänder im nächsten Jahr stillstehen werden, will noch niemand sagen. Insider berichten aber von Planungen, wonach die Bänder bis Ende August insgesamt bis zu vierzehn Wochen lang stillstehen könnten.