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Nach Corona-Lockerungen: Gastronomie weiter unter Druck | BR24

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Die Freischankflächen der Biergärten dürfen wieder bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Die Wirte empfinden das als große Erleichterung. Gleichzeitig wir auch für den einen und anderen klar: Es geht ums betriebliche Überleben nach der Corona-Pause.

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Nach Corona-Lockerungen: Gastronomie weiter unter Druck

Die Freischankflächen der Biergärten dürfen wieder bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Die Wirte empfinden das als große Erleichterung. Gleichzeitig wird dem einen oder anderen klar: Es geht ums betriebliche Überleben nach der Corona-Pause.

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Als die Nachricht kam, dass Biergärten bis 22 Uhr geöffnet haben dürfen, fiel dem Münchner Gastronom Daniel Hahn ein Stein vom Herzen. Das sei der wichtigste Schritt bis jetzt: "Da haben wir ganz große Hoffnungen, dass sich da jetzt was verbessern wird, weil viele jetzt wieder spontaner in einen Biergarten gehen." Und genau das, sagt Daniel Hahn, sei ein Stückchen Lebensqualität, die den Menschen sehr wichtig sei - gerade in den Sommermonaten. Den meisten Gastronomen in Bayern steht das Wasser bis zum Hals. Viele wissen nicht, ob ihr Betrieb diese Zeit überleben wird.

Warum Wirt Daniel Hahn Angst hat

Daniel Hahn, dem Betreiber der Alten Utting und des Bahnwärter Thiel, bleiben durch die Zwischennutzungsregelung ohnehin nur ein paar Jahre, um gut zu wirtschaften. Zwölf Jahre habe er auf seine beiden Projekte hingearbeitet. Nun bangt er, dass alles umsonst gewesen sein könnte: "Dass diese ungünstige Situation auf mein Leben langfristig sehr negative Auswirkungen haben könnte, also davor habe ich schon große Angst, ja."

Jahresumsätze könnten katastrophal werden

Zwei Monate mit kaum Umsatz haben Bayerns Wirte hinter sich. Das gehe vielen inzwischen an die Existenz, sagt der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Thomas Geppert. Den Zustand, in dem sich Bayerns Gastronomiebetriebe gerade befinden, bezeichnet er als echten Überlebenskampf.

"Die Prognose, dass sie im Jahresdurchschnitt überhaupt noch auf 50 Prozent kommen, wäre ja noch positiv. Ich befürchte eher, dass die Zahl noch gravierender wird", sagt Geppert. Gastro-Betreiber würden aktuell miserable Umsätze machen, teilweise nur zehn bis fünfundzwanzig Prozent ihres normalen Umsatzes zu dieser Zeit.

Drosten hofft auf "Sommereffekt"

Grund sei auch das Abstandsgebot. Deshalb können die Wirte laut Thomas Geppert nur rund vierzig Prozent ihrer Kapazität ausschöpfen, wenn überhaupt. Das erlebt auch Daniel Hahn gerade ganz ähnlich. Hahn zufolge ist ganz klar, dass Betreiber mit so einer Einschränkung nicht wirtschaften können: "Und das obwohl es der Sommer ist - die meisten Gaststätten brauchen einfach ihre ganze Kapazität, um ihre monatlichen Kosten zu decken." Doch was ist die Alternative? Biergärten wieder voll machen? Nicht voll, aber voller wäre denkbar, meint der Virologe Christian Drosten. "Nutzen wir doch den Sommer-Effekt", sagt Drosten. Mit Sommereffekt meint er, dass sich die Menschen, wenn es wärmer ist, mehr draußen aufhalten. Außenbereiche seien relativ sichere Zonen, da dort Aerosole weggeweht werden.

Abstandsregelungen in Biergärten?

Studien aus Japan und London haben gezeigt, dass eine Infektionsübertragung überwiegend dort stattfindet, wo wenig Luftzug herrscht. Drosten verweist auf eine Studie der zufolge die Wahrscheinlichkeit, sich drinnen anzustecken, neunzehnmal höher sei als jene, sich draußen anzustecken.

"Dann braucht man vielleicht auf der Terrasse auch nicht eineinhalb Meter Abstand, vielleicht reicht dann auch nur ein Meter oder sogar ein bisschen weniger, vielleicht reicht sogar ein normaler Tischabstand." Prof. Christian Drosten, Virologe

Biergartenbesuch momentan für Gäste "unattraktiv"

Doch auch die Stimmung in den Gaststätten seien aktuell nicht besonders einladend, sagt Utting-Betreiber Daniel Hahn. Die Leute seien noch verunsichert seien und würden Gaststätten oder Biergärten eher meiden. Unattraktiv sei beispielsweise, dass Gäste ständig reglementiert werden, findet Daniel Hahn.

"Dann werden die Personalien dokumentiert und man muss eine Maske tragen und darf sich nicht frei bewegen und muss in Einbahnstraßen gehen. Da kommt schon einiges zusammen, was das unattraktiv gemacht hat, in eine Gaststätte zu gehen." Daniel Hahn, Betreiber Alte Utting und Bahnwärter Thiel

Daniel Hahn hofft trotzdem auf einen Biergarten-Sommer, in dem er zumindest kein Minus-Geschäft macht, bevor dann der Winter kommt – die ohnehin wirtschaftlich schwächere Zeit für Gastro-Betreiber.

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