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VW-Fahne vor trübem Himmel
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Arne Meyer-Fünffinger
Josef Streule
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VW-Fahne vor trübem Himmel

Die deutschen Automobilhersteller haben sich im Oktober vergangenen Jahres mit der Bundesregierung auf zusätzliche Prämienmodelle für den Umtausch von älteren Diesel-Fahrzeugen geeinigt. Volkswagen zeigte sich heute zufrieden: Diese Umtauschprämien seien gut angelaufen, erklärte am Vormittag VW-Vertriebschef Christian Dahlheim im Rahmen einer Telefonkonferenz. Bei dieser Gelegenheit betonte er, es gebe bei Volkswagen "keine konkreten Pläne, die bestehende Wechselprämie auszuweiten". Und: Der Konzern sehe auch "keine Notwendigkeit, kurzfristig etwas zu ändern".

VW vs. Verkehrsministerium

Eine bemerkenswerte Feststellung, widerspricht sie doch einer Äußerung des Bundesverkehrsministers wenige Stunden zuvor. In der ZDF-Sendung "Markus Lanz" hatte Andreas Scheuer "exklusiv" angekündigt:

"VW wird sich jetzt überlegen, die Prämien bundesweit auszuweiten, nicht nur für die Intensivstädte. Somit hätten wir 60 Prozent der Diesel-Fahrer betreut und automobil gehalten." Andreas Scheuer (CDU), Bundesverkehrsminister

Wer hat nun recht? Scheuer-Sprecher Wolfang Ainetter betonte via Twitter nach den heutigen Äußerungen von VW, über den letzten Stand der Gespräche zwischen dem Bundesminister und der Spitze des VW-Konzerns sei "der Leiter Vertrieb wohl nicht richtig informiert".

Vertrauliches Telefonat von VW-Chef und Scheuer

Nach Informationen von BR Recherche und dem Spiegel bezieht sich diese Äußerung auf ein Telefonat, das Verkehrsminister Scheuer Anfang dieser Woche mit Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess geführt hat. Dabei habe Diess Scheuer versprochen, der Konzern werde jetzt eine Ausweitung des Prämienmodells prüfen.

Offiziell kommentieren weder das Bundesverkehrsministerium noch das Unternehmen diesen Vorgang. Ein hochrangiger VW-Manager, der namentlich nicht genannt werden will, sagte:

"Angekommen ist der Wunsch des Ministers, dass die Hersteller bei den Prämien drauflegen und attraktiver machen." Hochrangiger VW-Manager

Neue "Auffälligkeiten" in Softwareupdate

Freiwillig dürfte sich VW allerdings nicht zu diesem Schritt entschlossen haben. Nach Informationen von BR Recherche und dem Spiegel dürfte dieses Zugeständnis im Zusammenhang mit weiteren "Auffälligkeiten" stehen, die das Kraftfahrtbundesamt im vergangenen Monat im Software-Update für einen 1.2-Liter-Diesel-Motor gefunden hat. Dabei sollte dieses Update eigentlich eine schon festgestellte Abschalteinrichtung beseitigen. Es soll um rund 30.000 Fahrzeuge gehen.

"Die Vorwürfe sind bekannt. Das KBA geht diesen Vorwürfen nach. Die Prüfung dieser Vorwürfe ist noch nicht abgeschlossen." Bundesverkehrsministerium auf Anfrage

Ein VW-Sprecher teilte mit, eine Bewertung durch das Kraftfahrtbundesamt liege bislang nicht vor.

Deal wegen drohender Stilllegung betroffener Fahrzeuge?

Nach Informationen von BR und Spiegel hat es heute ein Treffen beider Seiten gegeben. Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Am wahrscheinlichsten ist nun ein amtlicher Rückruf der betroffenen Fahrzeuge durch die Behörde. Eine zwischenzeitlich ebenfalls im Raum stehende Stilllegung dürfte VW-Chef Diess mit seinem Angebot, eine Ausweitung der Umtauschprämie zu prüfen, verhindert haben.

Eine Nachjustierung bei den Umtauschprämien scheint dringend notwendig zu sein, wie eine Anfang Dezember veröffentlichte Untersuchung des Autobranchen-Experten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen gezeigt hat. Zu kompliziert seien die Prämienmodelle der Automobilhersteller und deswegen wirkungslos. Dieses Problem treibt die Experten im Bundesverkehrsministerium schon länger um.

Schließlich betont Ressortchef Scheuer schon seit längerem, auf der Prioritätenliste ganz oben stehe die Flottenerneuerung, um dem Problem der hohen Schadstoffbelastung in vielen deutschen Innenstädten zu begegnen und so weitere Fahrverbote zu vermeiden.

Hardwarenachrüstung: VW will 3.000 Euro zahlen

Klarer ist die Lage beim Thema Hardwarenachrüstung für ältere Diesel-Fahrzeuge. Volkswagen ist nun doch bereit, Kunden für diese technische Maßnahme bis zu 3.000 Euro zur Verfügung zu stellen. "Das können wir bestätigen", so Vertriebschef Dahlheim heute. Die entsprechende Richtlinie, in der das Bundesverkehrsministerium die technischen Anforderungen für die Nachrüst-Unternehmen festgeschrieben hat, ist heute im Bundesanzeiger veröffentlicht worden.