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Häuser werden von einer Flutwelle begraben.

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Auch 2022 wieder hohe Schäden durch Naturkatastrophen

Wirbelstürme, Überschwemmungen, Hitze und Dürre haben auch im vergangenen Jahr enorme Schäden auf der Welt verursacht. Laut dem Münchner Rückversicherer Munich Re lag die Summe der Gesamtschäden bei rund 270 Milliarden Dollar.

Im vergangenen Jahr hinterließen Naturkatastrophen wieder weltweit hohe Schäden, wenn auch nicht so viele wie im Vorjahr. Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Münchner Rückversicherers Munich Re lag die Summe der Gesamtschäden 2022 bei rund 270 Milliarden Dollar. 2021 waren es 320 Milliarden Dollar. Trotzdem, von einer Entspannung kann keine Rede sein.

Vor allem Nordamerika erneut betroffen

Die teuerste Naturkatastrophe war im vergangenen Jahr der Hurrikan Ian in den USA mit einem Gesamtschaden von etwa 100 Milliarden Dollar. Mit bis zu 250 Stundenkilometern entwurzelte der gewaltige tropische Wirbelsturm Ende September Bäume, beschädigte Gebäude und sorgte für Überschwemmungen. Es blieb nicht der einzige Wirbelsturm, der die USA im vergangenen Jahr traf. Hinzu kamen weitere Wirbelstürme und starke Gewitter.

Insgesamt gab es in Nordamerika nach einer ersten Schätzung Schäden in Höhe von 150 Milliarden Dollar, ein Großteil davon, und zwar rund 90 Milliarden Dollar, waren versichert. Bei dieser Schätzung sind noch nicht einmal die Schäden des Sturmtiefs Elliot dabei, mit starken Schneefällen, Eisstürmen und hohe Minustemperaturen zum Ende des Jahres. Für eine verlässliche Schätzung der Schäden sei es noch zu früh, heißt es. Dafür verlief die Waldbrandsaison in Kalifornien im vergangenen Jahr "glimpflich", wie es heißt. Aufgrund von Regenfällen gingen diesmal deutlich weniger Flächen in Flammen auf als in den Vorjahren.

Klimawandel und La Niña hinterlassen zunehmend ihre Spuren

Bei der Munich Re verweist man darauf, dass solch starke Stürme wie in den USA zu den erwarteten Folgen des Klimawandels passen. Die Forschung gehe mehrheitlich davon aus, dass durch die Erderwärmung zwar nicht die Zahl der tropischen Wirbelstürme insgesamt steige, wohl aber der Anteil der besonders starken mit besonders heftigen Niederschlägen, erklärt unter anderem der Chef-Klimatologe des Münchner Versicherungskonzerns Ernst Rauch.

Seinen Worten nach ist die Wahrscheinlichkeit für Wirbelstürme aber auch durch das Wetterphänomen "La Niña" gestiegen. Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes wird diese Phase auch als "Kalte Episode" bezeichnet. Denn hier kühlen sich die oberen Wasserschichten des tropischen Ostpazifiks ungewöhnlich stark ab. Der Klimawandel verstärke in der Tendenz Wetterextreme, so Rauch. Der Klimawandel fordere zunehmend Tribut, so das Fazit der Munich Re; und zwar auf allen Kontinenten.

Auch Asien von Naturkatastrophen stark getroffen

In Asien und im Pazifikraum verursachten Naturkatastrophen Schäden in Höhe von rund 70 Milliarden Dollar. Zu den Naturkatastrophen zählten ein schweres Erdbeben in Japan sowie zahlreiche Überschwemmungen in Pakistan aufgrund heftiger Monsun-Regenfälle. Hinzu kam, dass die Gletscher in dieser Region wegen der höheren Temperaturen schneller abschmelzen als in der Vergangenheit.

Auch in Australien gab es heftige Überschwemmungen, während China unter einer Hitzewelle und Dürre litt. Anders als in Nordamerika ist im Asien/Pazifikraum nur ein vergleichsweise geringer Anteil versichert, und zwar im vergangenen Jahres waren es rund zehn Milliarden Euro. Rauch fordert hier unter anderem, den auf dem Weltklimagipfel COP27 vereinbarten "Loss and Damage Fonds" und das "Global Shield" schnell umzusetzen.

Europa von Dürre, Hitze und Hagel geplagt

Aber auch Europa blieb nicht verschont. Dürre, Hitze, Waldbrände, zudem schwere Gewitter mit Hagel hinterließen große Schäden. So kam es vor allem in Frankreich und Spanien zu schweren Hagelstürmen, während Deutschland unter Hitze und Dürre litt.

Zahlreiche Flüsse mussten für die kommerzielle Schifffahrt gesperrt werden. Auch Bayern klagte erneut über Wassermangel und sinkende Grundwasserspiegel. Die Hitze erhöhte zudem die Waldbrandgefahr. Nach Daten der Munich Re verbrannten in der EU rund 800.000 Hektar. Das sei eine zweieinhalb Mal so große Fläche wie in den vorherigen 15 Jahren.

Munich Re fordert Anpassungen an den Klimawandel

Seit Jahren präsentiert die Munich Re zum Jahresbeginn ihren Naturkatastrophenbericht. Dabei weist sie auch immer wieder darauf hin, wie wichtig Präventionsmaßnahmen sind. In die Diskussion ist Rauch zufolge Bewegung gekommen, und zwar weltweit. Als Beispiel nennt er in Europa die Überschwemmungen 2002 und 2013.

Es seien zwei sehr ähnliche meteorologische Ereignisse gewesen; 2013 habe es jedoch deutlich geringere Schäden gegeben. Anpassungsmaßnahmen wie zum Beispiel Hochwasserschutz hätten bereits positiv gewirkt, so der Chef-Klimatologe Rauch. Allerdings müsse hier in den nächsten Jahren deutlich mehr passieren. Bessere Frühwarnsysteme und angepasste Bauens haben zudem bereits dazu geführt, dass die Zahl der Todesopfer im Großen und Ganzen stagniert, trotz gestiegener Schäden durch Naturkatastrophen. Im vergangenen Jahr kamen den Angaben nach 11.000 Menschen ums Leben.

Video: Flutschäden - Kommt die Pflichtversicherung für alle?

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