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München: Europas größte Laborkette Synlab strebt an die Börse | BR24

© BR/Margit Siller
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Kike Rincón

Europas größter Laborkonzern Synlab – mit Sitz in München – will im Juni an die Börse gehen. Die aktuell hohe Nachfrage nach Corona-Tests soll dabei den nötigen Rückenwind verleihen. Auch Privatkunden nutzen die Leistungen von Synlab immer häufiger.

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München: Europas größte Laborkette Synlab strebt an die Börse

Europas größter Laborkonzern Synlab – mit Sitz in München – will im Juni an die Börse gehen. Die aktuell hohe Nachfrage nach Corona-Tests soll dabei den nötigen Rückenwind verleihen. Auch Privatkunden nutzen die Leistungen von Synlab immer häufiger.

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Von
  • Margit Siller

Die deutschen Börsen sind derzeit auf Rekordkurs, und die Gesundheitsbranche zieht gerade in der Corona-Krise das Interesse vieler Investoren auf sich. Europas größte Laborkette Synlab nutzt deshalb die Gunst der Stunde und plant einen Börsengang in Frankfurt noch in diesem Quartal.

Synlab bietet 5.000 verschiedene Tests an

Ein PCR-Test für Schulkinder – getarnt als Lolli. Ein Blick in treuherzige Hundeaugen – auch der fitteste Vierbeiner muss irgendwann zum Doc. Es sind diese Bilder auf der Webseite des Unternehmens, die die ganze Breite der Produktpalette abbilden.

Synlab hat mehr als 5.000 verschiedene Test-Typen im Angebot, darunter auch die PCR-Tests auf das Coronavirus, die dem Labordienstleister im vergangenen Jahr zweistellige Zuwachsraten brachten. Im August 2020 beauftragte die UEFA das bayerische Unternehmen damit, Spieler, Offizielle und Schiedsrichter auf Corona zu testen. Eine Voraussetzung dafür war die weltweite Präsenz Synlabs in inzwischen 36 Ländern.

20.000 Mitarbeiter arbeiten für Synlab

Entstanden war Synlab 1998 als GmbH mit Sitz in Augsburg als "Vereinigung freier Laborärzte". Inzwischen gehört der Labordienstleister zur Beteiligungsgesellschaft Cinven. Die fusionierte Synlab im Jahr 2015 mit der französischen Labco. Seitdem ist das Unternehmen rasant gewachsen, mit jetzt 20.000 Beschäftigten und 450 Laboren. Für dieses Jahr rechnet der Vorstand mit einem Jahresumsatz von mehr als drei Mrd. Euro.

Die meisten medizinischen Entscheidungen basieren auf Labortests. Doch es geht längst nicht mehr nur um die richtige Diagnose von (Erb-)Krankheiten. Weil chronische Erkrankungen zunehmen, weil die Früherkennung und auch die Vorbeugung von Krankheiten immer wichtiger werden, dürfte die Nachfrage nach medizinischen Testverfahren und den damit verbundenen Daten weiter steigen.

Labore wie Synlab arbeiten auch immer mehr für Privatkunden

Neben den Krankenhäusern und Kliniken, die immer mehr Labordienstleistungen outsourcen, wird auch der direkte Kontakt zur privaten Kundschaft immer wichtiger. Zum einen wollen sich immer mehr Menschen selbst testen, um etwas über den eigenen Gesundheitszustand zu erfahren. Zum anderen können die Patienten und Patientinnen in vielen europäischen Ländern, wie etwa in Spanien oder in Italien, selbst entscheiden, welcher Dienstleister den Test durchführen soll, nachdem sie das Rezept ihres Arztes in Händen halten.

Börsengang von Synlab soll 400 Millionen Euro einbringen

In einer telefonischen Pressekonferenz in München betonte der Vorstand mit Blick auf die Mitbewerber, Synlab verfüge als einziges Unternehmen in den fünf wichtigsten europäischen Märkten über eine starke Stellung. In der Tat ist die Branche stark zersplittert. Synlab hat seit 2017 durchschnittlich 20 kleinere Firmen pro Jahr übernommen. Weiter wachsen will das Unternehmen mittelfristig vor allem durch Zukäufe.

Der Erlös aus dem Börsengang in Frankfurt soll bei 400 Millionen Euro liegen. Frühere Spekulationen, der Gesamtwert des Unternehmens könnte bis zu sechs Mrd. Euro betragen, werden bislang von niemandem offiziell bestätigt. Recht einsilbig zeigte sich der Vorstand auch auf Nachfragen zu den Details des Börsengangs. Dabei sollen sowohl neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung als auch Anteile aus dem Bestand der Altaktionäre auf den Markt gebracht werden.

Es ist also bislang nicht klar, inwieweit die Altaktionäre um den britischen Private-Equity-Investor Cinven sich zurückziehen werden, und von welchem Anteil die Beteiligungsgesellschaft sich selbst trennen will. Derzeit halten noch die Novo Holding und die Pensionskasse der Lehrer von Ontario (OTTP) größere Pakete.

Durch den Börsengang sollen vor allem auch Schulden getilgt werden, die Cinven 2015 Synlab und Labco aufbürdete. Die erste Dividende ist für das kommende Jahr geplant.

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