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Möglicher US-Truppenabzug: Schock oder Chance für Bayern? | BR24

© dpa-Bildfunk/Marcus Führer

US-Soldaten und ihre Familien beim Einkauf in Grafenwöhr

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Möglicher US-Truppenabzug: Schock oder Chance für Bayern?

Rund 13.000 US-Soldaten leben mit ihren Familien an vier bayerischen Standorten. Die Amerikaner sind auch Konsumenten - und Arbeitgeber für 27.500 deutsche und US-Zivilisten. Doch wie stark wäre die lokale Wirtschaft wirklich betroffen?

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Vom NATO-Beitrag bis zum Umgang mit dem Iran liefert die Verteidigungspolitik im deutsch-amerikanischen Verhältnis reichlich Konfliktstoff. Schon mehrfach drohte US-Präsident Donald Trump mit einer Reduzierung der US-Truppen in Deutschland - zuletzt mit einer Verlagerung von Soldaten nach Polen.

Derzeit sind das kaum mehr als Drohgebärden. Tatsächlich ist aktuell sogar eine Verstärkung der US-Truppen an drei bayerischen Standorten geplant. Doch was würde ein Auszug der Amerikaner für die betroffenen bayerischen Regionen bedeuten?

Vier Standorte kämen in Frage

Beispiel Oberpfalz: 30.000 Konsumenten, 800 Millionen Euro Kaufkraft , das bedeutet die US-Truppenpräsenz für die Standorte Grafenwöhr und Hohenfels nach Angaben der Industrie-und Handelskammer Regensburg. Auch in den anderen verbliebenen bayerischen Standorten Garmisch und Ansbach sind die Amerikaner ein Wirtschaftsfaktor.

Beim Einkauf bleiben die Amerikaner meist unter sich

Grundsätzlich sind die Auswirkungen für die lokale Wirtschaft aber unterschiedlich, je nach Standortgröße, Stationierungsdauer und Einbindung ins lokale Wirtschaftsgeschehen. Vergleichsweise wenig sorgt sich der bayerische Einzelhandelsverband, weil die Amerikaner meist in ihren eigenen Läden in den Kasernen US-Produkte einkaufen. Daneben finden sich in den Kasernen Schulen, Sportanlagen, Theater und Kinos.

Bei Energie-und Wasserversorger sind Amerikaner Großkunden

Für lokale Energie-und Wasserversorger hingegen sind die US-Truppen oft Großabnehmer.

"Ein Wegfall der Amerikaner als Kunden wäre für uns wie der Verlust eines mittelgroßen Industriebetriebes", sagt Frank Neubauer, Vorstand der Stadtwerke Grafenwöhr.

Am Standort Garmisch-Partenkirchen machen die Gemeindewerke durchschnittlich 1,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr mit Fernwärme, Strom, Wasser Gas und Müllentsorgung für ihre US-Kunden. Das entspreche dem Bedarf von zwei bis drei großen Hotels am Ort. Daher gelten die Amerikaner auch hier als Großkunden.

Handwerk mit immer weniger US-Kundschaft

Beim Handwerk ist die Lage von Innung zu Innung verschieden. Insgesamt habe aber die Nachfrage in den vergangenen Jahren nachgelassen, verweist der Neustädter Kreishandwerkermeister Georg Gernhäußer auf die Erfahrungen in Mittelfranken.

Schlechte Datenlage zu wirtschaftlicher Bedeutung

Mangels regional- und volkswirtschaftlicher Studien kann auch die Bundesregierung nicht genau den Beitrag der Amerikaner für die deutsche Wirtschaft beziffern, geht aber von "weiteren Belastungen der lokalen Wirtschaftskraft und Beschäftigungslage" durch Truppenabbau in ohnehin strukturschwachen Standortregionen aus.

Ob und wie Händler, Gastronomen, Tourismusanbieter und andere Dienstleister einen Nachfragerückgang durch Truppenabzüge auffangen können, ist unklar – auch weil das Thema bislang nicht systematisch untersucht wurde.

Standort Bamberg musste sich neu erfinden

Von Vorteil für die betroffenen Standorte wäre sicher ein schrittweiser, planvoller Abbau. Doch Bamberg zum Beispiel musste sich 2013 in wenigen Monaten als Standort neu erfinden. Mit Hilfe von Freistaat und Bund kam es zu Neuansiedlungen aus Wirtschaft und Verwaltung.

"Der ziemlich überraschende US-Truppenabzug erschien zunächst extrem schwierig für unsere Wirtschaft, aber dann war es wie ein mittleres Konjunkturprogramm für Bamberg" Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt.

Bislang kein "Plan B"

Die verbliebenen bayerischen Standorte reagieren bislang nicht mit Plänen für einen eventuellen Truppenabzug. Die Vergangenheit hat gezeigt: Sollte es soweit kommen, stehen vor allem die Liegenschaften der Amerikaner im Mittelpunkt. Sie gehören dem Bund und werden in der Regel dem Freistaat zur Wirtschaftsförderung übergeben.

© BR, Ralf Schmidberger

Ein US-Truppenabzug trifft die bayerischen Standorte hart, kann aber auch eine Chance sein