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Bildrechte: pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der insolventen unterfränkischen Modekette Adler droht, kurz vor dem Ende der Suche nach einem neuen Investor, das endgültige Aus. Dabei geht es um einen vergleichsweise geringen Betrag, der noch für eine Überbrückungszeit fehlt.

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Modekette Adler droht kurz vor der Rettung doch noch das Aus

Der insolventen unterfränkischen Modekette Adler droht kurz vor dem Ende der Suche nach einem neuen Investor das endgültige Aus. Dabei geht es um einen vergleichsweise geringen Betrag, der noch für eine Überbrückungszeit fehlt.

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Von
  • Margit Siller
  • Dirk Vilsmeier

Vor der Corona-Krise hatten die Adler Modemärkte mit ihren 140 Standorten keine Geldsorgen und die Bilanz war gesund. Doch innerhalb von nur knapp zwölf Monaten wurde das unterfränkische Traditionsunternehmen jetzt zum Sanierungsfall. Es fehlen zehn Millionen Euro, die Adler gerne als Darlehen aufnehmen würde, aber nicht bekommt.

Adler wartet auf Hilfe vom Bund

Zunächst wandte sich die Chefetage aus Haibach bei Aschaffenburg an das Bayerische Wirtschaftsministerium. Zuständig seien allerdings das Wirtschafts- und das Finanzministerium in Berlin hieß es dort. Doch in diesen Gesprächen über einen Staatskredit werde man immer wieder vertröstet, so Vorstandschef Thomas Freude. "Wir haben das Gefühl, dass wir da gegen Gummiwände laufen." Adler hofft jetzt seit Wochen auf ein Darlehen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds - doch bislang vergeblich.

"Kein Unternehmen in unserer Situation kann einen sechsmonatigen Lockdown ohne staatliche Unterstützung überstehen", sagte Anwalt Christian Gerloff, der Adler als Sanierer zur Seite steht. Adler seien in der Corona-Krise 280 Millionen Euro Umsatz durch die Lappen gegangen. Der Massekredit über 20 Millionen Euro, der die Fortführung sichern sollte, reiche wegen der Bundesnotbremse nicht mehr aus.

Adler fehlt eine Brückenfinanzierung

Seit Januar arbeiten die Verantwortlichen daran, das Insolvenzverfahren durch eine Sanierung in Eigenregie erfolgreich hinter sich zu lassen. Die Prognosen seien positiv, und die Gespräche mit einigen Investoren schon weit fortgeschritten. Die Filialen in Luxemburg, in Österreich und in der Schweiz sind geöffnet, und auch der Online-Handel läuft gut. Was jetzt fehlt, das sei eine Brückenfinanzierung.

Das Problem: Der Großaktionär ist selbst insolvent und kann nicht helfen. "Es geht darum, die Brücke über den Lockdown zu bauen, das sind nur noch wenige Meter", sagte Gerloff.

3.200 Arbeitsplätze bei Adler gefährdet

Die Überbrückungshilfe III kommt aber aus rechtlichen Gründen, wegen der Insolvenz, nicht infrage. Damit entgehen Adler neun Millionen Euro. Man sei aber bereit, ein öffentliches Darlehen inklusive Zinsen zurückzuzahlen, scheitere bislang aber an der "Blockadehaltung in Berlin".

Dies gefährde 3.200 Arbeitsplätze, davon 900 in Bayern. "Es ist nicht so, dass wir nächste Woche schließen müssten", so Vorstandschef Freude. Aber das Geschäft drohe zu "zerbröseln".

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