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Kuh steht neben Mobilfunkmast

Bis 2020 könnten demnach allein in Gebieten mit sogenannten „weißen Flecken“, wo es bisher keine oder nicht ausreichende Mobilfunkversorgung gibt, mindestens 1000 neue Sendestandorte entstehen. Die Verbesserung der Mobilfunkversorgung sei elementar für die digitale Zukunft Bayerns. Bürger sowie Unternehmen würden zu Recht schnelle und deutliche Fortschritte erwarten.

Gemeinden werden mit 80 Millionen Euro unterstützt

Speziell in dünn besiedelten Gebieten, engen Tälern oder sonst schwierig zu versorgenden Regionen sei der Schulterschluss mit den Mobilfunkbetreibern und Kommunen wichtig, so Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer. Denn hier rechnet sich der Ausbau der Netze für die Mobilfunkanbieter nicht. 80 Millionen Euro stehen deshalb den Gemeinden zur Verfügung, um die Lücken selbst zu schließen. Starten kann das Förderprogramm jedoch erst im Anschluss an die Genehmigung durch die EU Kommission.

Die Kommission hatte noch eine Nachfrage, die wurde inzwischen auch beantwortet von uns. Wir sind optimistisch, dass wir von Seiten der Kommission die Genehmigung bekommen dieses Mobilfunkförderprogramm in Gang zu setzen. Franz Josef Pschierer, Bayerischer Wirtschaftsminister

Mit einer Genehmigung durch die Kommission rechnet Pschierer bereits in den kommenden Wochen.

Netzbetreiber begrüßen Mobilfunkpakt

Hannes Ametsreiter, Chef der Vodafone Deutschland, lobte, dass sich Bayern als erstes Bundesland entschlossen habe in Gebieten mit sogenannten weißen Flecken eine Förderung aufzusetzen. Auch Dirk Wössner, Vorstand der Telekom Deutschland, begrüßt den Mobilfunkpakt. Die Netzbetreiber seien auf die Unterstützung durch Politik und kommunale Gremien angewiesen. Auch weil der Aufbau von Mobilfunkstationen teilweise auf erhebliche Widerstände in der Bevölkerung stößt. Nur mit funktechnisch brauchbaren Standorten könne die Telekom jedoch eine ausreichende und flächendeckende Versorgung aufbauen.

Wir halten das geplante Programm für geeignet, um weiße Flecken zu schließen. Hier kann eine Förderung die Wirtschaftlichkeitslücke decken und auch im ländlichen Raum bei dünner Besiedelung und schwer zu versorgendem Gelände, für ein lückenloses Netz sorgen. Dirk Wössner, Vorstand Deutsche Telekom

Kritik am Mobilfunkpakt

Kritik am Mobilfunkpakt kommt von der Opposition im Bayerischen Landtag. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Freien Wähler, Thorsten Glauber, kritisiert den Pakt als wörtlich „leeres Versprechen“ kurz vor der Landtagswahl. Es sei Aufgabe des Freistaats, sowie der Telekommunikationsunternehmen, die weißen Flecken im Netz zu schließen. Die Kommunen sollten dafür nicht in die Pflicht genommen werden.

Wirtschaft fordert weitere Anstrengungen

Die Bayerische Wirtschaft begrüßt die Maßnahmen für bessere Mobilfunkversorgung, fordert aber weitere Anstrengungen. So weist der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie und Handelskammertags, Peter Driessen, darauf hin, das aktuell 62 Prozent der befragten Unternehmen über unzuverlässige Mobilfunk-Datenversorgung an ihrem Standort klagen.

Weiße Flecken sollen von der Landkarte verschwinden

Und 56 Prozent der befragten Firmen bemängeln häufige Abbrüche bei Mobiltelefonaten. Es sei höchste Zeit, dass weiße Flecken von der Landkarte verschwinden, so Drießen. Aber der Bayerische Mobilfunkpakt könne nur ein Anfang sein.

Das neue Programm mit 1000 zusätzlichen Antennen kann nur ein Anfang sein. Das flächendeckende 5G-Netz der nächsten Mobilfunkgeneration wird deutlich mehr Antennen brauchen, da die hohen Übertragungsraaten höhere Sendefrequenzen und damit kleinere Funkzellen bedingen. Peter Driessen, Hauptgeschäftsfüherer des Bayerischen Industrie-und Handelskammertags

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sieht zuverlässige, digitale Netze, kabelgebunden und mobil, als Basis für den Erfolg der Digitalisierung. Der Freistaat sei beim Ausbau gut unterwegs, jedoch würden auch die Anforderungen der Unternehmen an die digitale Infrastruktur weiter schnell wachsen. Es müsse deshalb schon jetzt der flächendeckende Bau der nächsten Mobilfunkgeneration 5G mit vorbereitet werden.

Autoren

Walter Kittel

Sendung

B5 Wirtschaft und Börse vom 14.09.2018 - 14:38 Uhr