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Ein Mann telefoniert vor einem Auto (Symbolbild)

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    Mobile Mitarbeitende: Dienstwagen verlieren an Bedeutung

    Dienstwagen gelten traditionell als Ausdruck von Wertschätzung, mit dem Arbeitgeber begehrte Mitarbeitende anlocken. Doch bei vielen Beschäftigten scheint dieser Reiz abzunehmen. Mobilitätsbudgets dagegen erfreuen sich steigender Beliebtheit.

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    Von
    • Gabriel Wirth

    Siemens und SAP probieren sie gerade aus, der japanische Pharmakonzern Daiichi Sanyo nutzt sie schon seit Jahren: flexibel nutzbare Mobilitätsangebote statt klassischer Dienstwagen. Allerdings läuten diese Angebote offensichtlich noch nicht das Ende der Dienstwagen ein.

    Neue Anreizprogramme für Mitarbeitende

    Der japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo bietet seit 2016 seinen Mitarbeitenden in Deutschland Mobilitätsbudgets an. Es gibt zwei Programme, das eine mit dem Namen "my mobility" richtet sich an alle Beschäftigte, die nicht dienstwagenberechtigt sind. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen hier einen Zuschuss für die öffentlichen Verkehrsmittel oder für die Bildung von Fahrgemeinschaften. "My mobility plus" dagegen ist für die Dienstwagennutzer.

    Nachhaltigkeit, ein Motiv für die neuen Konzepte

    Aus Gesundheitsgründen und um positive Anreize zu schaffen, habe man diese Konzepte eingeführt, erklärt der zuständige Mobilitätsmanager von Daiichi Sankyo in München, Dominic Erdle: "Wir sind sehr zufrieden und sehen auch, dass wir sehr viel CO2 einsparen können durch diese Mobilitätsangebote."

    Vor kurzem hat auch Siemens die Abkehr von der klassischen Dienstwagenpolitik des Unternehmens angekündigt. Ab nächstem Jahr soll es ein neues Flottenmodell für leitende Angestellte geben. Derzeit laufe eine Pilotphase, heißt es dazu aus München. Damit wolle Siemens seine Flotte flexibler und nachhaltiger gestalten.

    Neue Mobilitätsangebote sind noch Einzelfälle

    Seit einigen Monaten wird auch bei vielen Flottenmanagern im Bundesverband Fuhrparkmanagement verstärkt über nachhaltige Mobilität diskutiert, erzählt Axel Schäfer. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement. Doch man dürfe sich nicht täuschen, Daiichi Sankyo und andere seien Vorreiter, aber sie repräsentierten nicht den Gesamtmarkt.

    "Wir haben in etwa 4 Millionen gewerbliche Fahrzeuge in Deutschland. Ein Teil davon könnte durch ein Mobilitätskonzept ersetzt werden", sagt Schäfer. Es gebe sehr große namhafte Unternehmen, die tatsächlich schon Mobilitätsbudgets realisiert haben, die stellten dabei aber fest, "dass sich immer nur ein gewisser prozentualer Anteil davon angesprochen fühlt". Es finde nicht gerade ein großer Run statt, aber es gebe Bewegung, so Schäfer weiter.

    Vier Gruppen von Beschäftigten

    Die Firma Belmoto berät Unternehmen bei Mobilitätskonzepten. Sie hat die Beschäftigten in den Betrieben in vier Kategorien eingeteilt: Da gibt es die, die nicht auf Dienstwagen verzichten können, "heavy car user" genannt. Sie sind viel mit dem Auto unterwegs, häufig mit mehreren Personen und zwar auch privat mit Familie und Freunden. Dann gibt es Mitarbeitende, die auch mit einem kleineren Dienstwagen zurechtkommen, dann welche, die Autos flexibel, also saisonal nutzen wollen, und zuletzt die, die gar kein Auto brauchen, die zwischen verschiedenen Verkehrsträgern wählen.

    Zur Verteilung dieser Gruppe, sagt der Geschäftsführer von Belmoto Michael Müller: "Die größte Gruppe sind die sogenannten 'down sizer', die ein kleineren Dienstwagen nehmen, oder weniger Ausstattung oder sie fahren weniger. Sie bekommen dann die Kosteneinsparungen als Budget, die sie für ihre Mobilität anders nutzen können. Da sind wir bei 40 bis 45 Prozent, die sich dafür entscheiden."

    Viele wählen hier zum Beispiel die Möglichkeit, sich neben einem kleineren Dienstwagen ein E-Bike zu leasen, fügt Müller hinzu. Down Sizing bietet auch Daiichi Sankyo bei ihrem "My mobility plus" Konzept. Es gehe nicht gegen das Auto, sondern es gehe darum, eine weitere Option für die Mitarbeitenden zu schaffen, betont Müller.

    Komplexes Thema mit hohem Beratungsbedarf

    Wie komplex das Thema ist, zeigt sich auch daran, dass es keine klare Definition für die Bezeichnung "Mobilitätsbudget" gibt. Jedes Unternehmen scheine etwas anderes darunter zu verstehen, weiß man bei Belmoto. Darüber hinaus gelten für die unterschiedlichen Verkehrsmittel auch unterschiedliche Steuerregeln. Das macht die Sache nicht gerade einfacher. Und dann weist der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Fuhrparkmanagement Marc-Oliver Prinzing darauf hin, dass Dienstwagen ja nicht nur dienstlich, sondern häufig auch privat genutzt werden. Und bei der privaten Nutzung wird es dann mit Mobilitätskonzepten schwierig.

    "Wir haben eine völlig neue Situation, auch für Mitarbeiter", meint Prinzing. Viele Konzepte seien auf den ersten Blick nicht völlig transparent. "Viele haben sich an Dienstwagen gewöhnt, kennen dieses Thema. Dagegen muss bei einer Umstellung auf Mobilitätskonzepte auch der private Bereich ganz neu organisiert werden, das ist für viele eine neue Welt."

    Mobilitätskonzepte eher für Städter geeignet

    Doch trotz der neuen Welt: Geschäftswagen wird es wohl auch in Zukunft geben, aufgrund ihrer Vorzüge. Denn zu guter Letzt darf nicht vergessen werden, dass die Auswahl eines bestimmten Angebotes davon abhängt, wo man wohnt.

    In Ballungszentren ist das Interesse an Mobilitätsbudgets natürlich höher als auf dem Land. Denn in den Städten sind viele, vor allem jüngere Beschäftigte, bereit, auf einen Dienstwagen zu verzichten. Vor allem, wenn man viel im Stau steht. Auf dem Land dagegen sieht es anders aus. Dort sind viele aufgrund mangelnder öffentlicher Verkehrsmittel auf Autos angewiesen.

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