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Arbeiten im Homeoffice: Nicht immer geht das.

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    So steht es ums Homeoffice in Bayerns Ämtern

    Beim Arbeiten im Homeoffice gehen viele Kommunen und Landratsämter mit gutem Beispiel voran. Andere überlegen noch, was sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anbieten können. Beispiele aus Oberbayern, Niederbayern und Schwaben.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Theresa Krinninger
    • Zara Kroiß
    • Viktoria Wagensommer

    Bad Reichenhall, Freilassing, Landkreis Berchtesgadener Land: Das Landratsamt und größere Städte im Berchtesgadener Land setzen verstärkt auf Homeoffice. Im Landratsamt haben 110 Mitarbeiter von insgesamt 370 Mitarbeitern die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Das gab eine Sprecherin auf BR-Anfrage bekannt. Künftig sollten so viele Mitarbeiter wie möglich im Homeoffice arbeiten, soweit die Tätigkeiten das erlaubten. Außerdem werde in fast allen Bereichen vermehrt auf Homeoffice gesetzt. Seit März 2020 habe die Kreisbehörde 200.000 Euro in die Ausstattung für Homeoffice-Plätze investiert.

    21.000 Euro für Homeoffice-Arbeitsplätze

    In größeren Städten des Landkreises ist die Situation ähnlich. Nach Informationen eines Sprechers der Stadt Freilassing, sind im Rathaus 60 Personen beschäftigt, inklusive Teilzeitkräfte, die sich kaum begegnen, weil eine Person am Vormittag arbeitet, die andere Person am Nachmittag. Davon haben 23 Personen die Möglichkeit auf Homeoffice. Aufgrund der am Dienstag (19.1.2021) beschlossenen Maßnahmen, werde die Stadt Freilassing wieder verstärkt auf Homeoffice umsteigen. Die Arbeit von Zuhause sei grundsätzlich nur bei den Kolleginnen und Kollegen möglich, die für ihre Arbeit keinen direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern benötigten. Dabei falle beispielsweise das Einwohnermeldeamt komplett raus. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe die Stadt Freilassing rund 21.000 Euro für die Hard- und Software-Ausstattung der Homeoffice-Arbeitsplätze ausgegeben.

    Parteienverkehr aufs Notwendigste reduziert

    Die Stadt Bad Reichenhall gibt auf BR-Anfrage keine genauen Zahlen bekannt, betont aber, dass die Leitung ihren Mitarbeitern Homeoffice-Arbeitsplätze ermögliche und zunehmende Anträge auf Heimarbeit grundsätzlich gewähre. Derzeit arbeiteten Mitarbeiter der Kunstakademie, der Volkshochschule, der Musikschule und der klassisch verwaltenden Tätigkeiten im Homeoffice. Dafür investiere die Stadt laufend in die technische Ausstattung und digitale Infrastruktur. In den Ämtern, in denen Parteienverkehr unbedingt nötig ist, werde der Kontakt auf das Notwendigste reduziert. Außerdem gebe es Splitregelungen und zeitversetzten Arbeitsbeginn, um Kontakte weiter zu reduzieren.

    Keine Pflicht zum Homeoffice

    Bund und Länder sind sich einig: Zur Bekämpfung des Coronavirus ist die Reduzierung von Kontakten weiterhin das wichtigste Mittel. Deshalb sollen die Arbeitgeber dazu mit Nachdruck angehalten werden, die Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, wo es nur möglich ist. Eine Homeoffice-Pflicht wird jedoch nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in Behörden kritisch gesehen. Aus Sicht vieler Landratsämter in Niederbayern etwa sei dies schwer umsetzbar.

    Niederbayerische Kreise prüfen Homeoffice für alle

    Eine BR-Nachfrage bei den Landratsämtern hat ergeben, dass die Landratsämter Landshut und Deggendorf versuchen, das Arbeiten von zu Hause aus für alle Mitarbeiter zu ermöglichen, wo es nur möglich ist. Derzeit befände sich hier ein Großteil im Homeoffice. Auch die Landratsämter Straubing-Bogen, Dingolfing-Landau und Regen prüfen gegenwärtig, Homeoffice für mehr Personen möglich zu machen. Im Landratsamt Kelheim befände sich derzeit die komplette Gesundheitsabteilung im Homeoffice.

    Katastrophenschutz und Kfz-Zulassung brauchen Präsenz

    Laut einem Sprecher des Landratsamts Kelheim wäre eine Homeoffice-Pflicht derzeit aber schwer umsetzbar, da einige Bereiche die Präsenz des Personals erfordern würden. So fungieren Landratsämter beispielsweise als Katastrophenschutzbehörden, bei der eine Anwesenheit oftmals notwendig sei. Auch gebe es alltägliche Aufgaben zu erledigen, die im Homeoffice schlichtweg nicht möglich seien, zum Beispiel die Zulassung von Fahrzeugen. Hinzu komme, dass Landratsämter in vielen Bereichen hochsensible Daten verwalten für die eine Bearbeitung von zu Hause aus datenschutzrechtlichen Gründen äußerst heikel wäre. In anderen Bereichen wiederum müsse noch auf Akten in Papierform zurückgegriffen werden, die ebenfalls nicht mit nach Hause genommen werden können, so ein Sprecher des Landratsamts Rottal-Inn.

    "Homeoffice-Pflicht würde faktisch Schließung bedeuten"

    Auch im Landratsamt Freyung-Grafenau hält man nichts von einer möglichen Homeoffice-Pflicht. So würde eine Homeoffice-Verpflichtung für ein Landratsamt faktisch die Schließung bedeuten, teilte eine Sprecherin mit. Schließlich gebe es Bürgeranliegen, die auch in Krisenzeiten und Notbetrieben verlässlich durchgeführt werden müssten, so die Sprecherin weiter.

    Kempten und Oberallgäu zur Hälfte im Homeoffice

    Die Verwaltungen der Stadt Kempten und des Landkreises Oberallgäu versuchen, der Forderung der Bundesregierung nach möglichst umfangreichen Homeoffice-Angeboten gerecht zu werden. Zumindest zeitweise seien etwa die Hälfte der Mitarbeiter der beiden Behörden im Homeoffice beschäftigt, heißt es. Nicht möglich sei es bei Mitarbeitern mit Kundenkontakt, oder bei Mitarbeitern, die beispielsweise bei einer kommunalen Kita, im Pflegeheim oder im Klärwerk arbeiten. Homeoffice-Willige müssen beispielsweise im Landratsamt Oberallgäu die technische Ausstattung selbst stellen und bezahlen, also den Computer, das Telefon oder das Handy und die Internetverbindung. Bei der Stadt Kempten hat man als Alternative damit angefangen, den Mitarbeitern im Notfall auch Laptops zu stellen. Rund fünfzig hat die Stadt nach eigenen Angaben schon angeschafft. Richard Schießl, Wirtschaftsreferent in Kempten, sagte dem BR, viele seien froh über die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und sehr zufrieden damit. Ihm zufolge schätzen sie es, dass sie sich dadurch besser vor einer Ansteckung schützen können. Sowohl im Büro als auch auf dem Weg zur Arbeit, zum Beispiel im Bus, können man dadurch viele Kontakte reduzieren.

    FFP2-Masken für Mitarbeiter

    In Sache Homeoffice für die Mitarbeiter in der Verwaltung sind die Landratsämter und Kreisstädte in Nordschwaben unterschiedlich weit:

    So sind in der Stadt Dillingen bereits etwa 50 Prozent der Mitarbeiter, bei denen Homeoffice möglich ist, zuhause zum Arbeiten. Das betreffe etwa die Mitarbeiter in der Kämmerei oder im Bauamt. Natürlich sei es aber bei Mitarbeitern mit Bürgerkontakt, wie im Bürgerbüro, oder auch in den Kitas oder dem Bauhof nicht möglich, so ein Sprecher der Stadt. Bereits seit März werde das so gehandhabt. In der Stadtverwaltung würden außerdem schon seit Wochen FFP2-Masken an die Mitarbeiter ausgegeben.

    In Dillingen ist jeder fünfte in Homeoffice

    Im Dillinger Landratsamt werde ebenfalls seit Beginn der Corona-Pandemie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice ermöglicht, sofern es die Tätigkeit zulasse und der Dienstbetrieb im Landratsamt aufrechterhalten werden könne, heißt es in einer Stellungnahme. Seit Pandemiebeginn habe rund ein Fünftel der Belegschaft, also etwa 60 Mitarbeiter/Innen, davon Gebrauch gemacht.

    Angebote in Donau-Ries

    Im Donau-Rieser Landratsamt liegt die Quote der im Homeoffice-Tätigen bei etwa fünf Prozent. Laut Pressesprecherin Gabriele Hoidn überlegen die Abteilungsleiter, wo es noch möglich sei, den Arbeitsplatz zu verlegen. Dort, wo es umsetzbar sei, wolle man das baldmöglichst anbieten.

    Kein flächendeckendes Homeoffice in Donauwörth

    Bei der Stadt Donauwörth kann derzeit, so wörtlich "aus technischen und prozessualen Gründen noch kein flächendeckendes Homeoffice angeboten werden". Derzeit werde aber jeder Arbeitsplatz dahingehend bewertet, ob eine Verlagerung ins Homeoffice möglich sei. Rund ein Drittel der etwa 350 Mitarbeiter sei nicht originär in der Verwaltung tätig, sondern beispielsweise im Bauhof, dem Klärwerk und der Wasserversorgung, im städtischen Kindergarten und den Schulen oder als Pflegekräfte. Die Tätigkeit dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei somit im Homeoffice nicht möglich. Dennoch sei es das Ziel, ein möglichst umfangreiches Angebot zu schaffen.

    Hygieneregeln wiederholt angepasst

    Da derzeit nur in wenigen Einzelfällen Homeoffice praktiziert werden könne, habe man die Hygieneregelungen zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wiederholt angepasst. Das heißt, höchstens zwei Mitarbeiter/innen seien in einem Büro tätig, außer der Raum sei sehr groß. Das eigene Büro soll nur noch zu Pausen, für Toilettengänge, für Besprechungstermine und in Notfällen verlassen werden. Informationsaustausch und Abstimmungsgespräche erfolgten telefonisch oder per E-Mail. Besprechungen würden intern auf das Nötigste reduziert, wenn sie stattfinden, lüfte man und desinfiziere Tische und Stühle danach. Die Arbeitszeit könne in Schichten abgeleistet werden, heißt es in der Mitteilung weiter.

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