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Mittelfränkische Wirtschaft leidet erheblich unter Teil-Lockdown | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2020

Der Teil-Lockdown trifft auch die mittelfränkische Wirtschaft hart. Das zeigen zwei Umfragen der IHK Nürnberg für Mittelfranken und des BDS.

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    Mittelfränkische Wirtschaft leidet erheblich unter Teil-Lockdown

    Der erneute Teil-Lockdown belastet die mittelfränkische Wirtschaft schwer. Dies ist das Fazit einer Umfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Bestätigt wird das Ergebnis durch den Bund des Selbstständigen-Gewerbeverbands Bayern (BDS).

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    Von
    • Oliver Tubenauer
    • Annika Svitil

    In der Blitzumfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken unter 108 Unternehmen rechnen demnach rund 60 Prozent der Befragten für 2020 aufgrund der Corona-Krise mit Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings gibt es unter den an der Blitzumfrage teilnehmenden Unternehmen erhebliche Unterschiede: Während jeder sechste Betrieb stillsteht, kann jeder zehnte Befragte mit einem Umsatzzuwachs rechnen.

    Gesunkene Nachfrage im Teil-Lockdown und Personalprobleme

    Noch Anfang Oktober 2020 hatte die mittelfränkische Wirtschaft auf ein beachtliches Wachstum im 3. Quartal zurückgeblickt. So überwog in der Herbstumfrage der IHK zur Konjunktur bereits wieder die Zuversicht auf eine baldige Erholung von den historischen Einbrüchen der Wirtschaftsleistung.

    Wichtigste Ursachen der neuerlichen Eintrübung der Geschäftslage sind die gesunkene Nachfrage im Teil-Lockdown (57 Prozent der Befragten) und Corona- bzw. Quarantäne-bedingte Ausfälle in den Belegschaften (38 Prozent). Infolge der Umsatzrückgänge müssen die mittelfränkischen Unternehmen mit einer zunehmend angespannten Finanzlage sowie erschwerten Personalplanungen umgehen.

    Geteilte Meinung zu konjunkturstützenden Maßnahmen

    Geteilt ist das Meinungsbild, was die Notwendigkeit zusätzlicher konjunkturstützender Maßnahmen betrifft: Genau die Hälfte der Befragten bejaht sie, 46 Prozent lehnen sie ab, 4 Prozent plädieren sogar für eine Beendigung der bisherigen Unterstützungsmaßnahmen. "Angesichts der höchst unterschiedlichen Betroffenheit unserer Betriebe von den Folgen der Pandemie müssen wir sehen, dass etliche Existenzen weiterhin von staatlichen Fördergeldern abhängen, die gezielt und schnell Liquidität sichern – etwa Überbrückungshilfe und Außerordentliche Wirtschaftshilfe (Novemberhilfe)“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Lötzsch. "Hilfreich wäre darüber hinaus die von der IHK vorgeschlagene Ausweitung der Verlustverrechnung, sodass Gelder gar nicht erst an den Staat abfließen", ergänzt Lötzsch.

    Unternehmer erleiden Einbußen – egal, ob offen oder geschlossen

    Dass der momentane Teil-Lockdown nicht nur für geschlossene Betriebe große wirtschaftliche Folgen hat, sondern auch geöffnete Geschäfte hart trifft – das ergibt die aktuelle Umfrage des Bundes des Selbstständigen-Gewerbeverbands Bayern (BDS). Laut BDS beteiligten sich daran 1.197 Unternehmen (innerhalb von drei Tagen).

    Geschlossene Betriebe extrem betroffen

    Demnach hatten Betriebe, die aufgrund der geltenden Regeln schließen mussten, im Schnitt bereits im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Umsatzrückgang von knapp 46 Prozent zu verzeichnen. Für den November wird ein Rückgang von knapp 77 Prozent im Vergleich zum November 2019 geschätzt. Über 80 Prozent der Befragten schätzen die Lage schwer oder sogar existenzbedrohend ein.

    Auch geöffnete Unternehmen verzeichnen starkes Minus

    Auch Unternehmen, die nicht von Schließungen betroffen sind, hatten im Oktober 2020 im Vergleich zum Oktober 2019 einen Umsatzrückgang von fast 32 Prozent, im November werden etwa 43 Prozent prognostiziert. Diese Situation schätzen rund zwei Fünftel der befragten Unternehmen mittel ein, knapp einem Drittel macht diese Situation schwer zu schaffen.

    Offene Betriebe erhalten keine Unterstützung

    Kritisch sei hier laut BDS, dass diese Betriebe keine "Novemberhilfe" beantragen können. Mit diesen unterstützt der Freistaat geschlossene Geschäfte und Unternehmen finanziell mit 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019. Offene Betriebe schätzen, dass sie kaum 70 Prozent ihres Umsatzes von November 2019 schaffen.

    BDS übt Kritik: Hilfe lässt auf sich warten

    Darüber hinaus kritisiert der BDS, dass die versprochenen Hilfen zwar angekündigt sind, aber noch auf sich warten lassen. Rund 15.000 Unternehmen und Selbstständige aus sämtlichen Branchen sind Mitglied beim BDS Bayern. Über 90 Prozent dieser mittelständischen Betriebe sind in Familienbesitz.

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