BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Mit Wumms in die Armut? Solo-Selbständige in der Corona-Krise | BR24

© Picture Alliance

Solo-Selbstständige fühlen sich im Regen stehen gelassen. Aufgrund bürokratischer Hürden kommen sie oft kaum an Corona-Hilfen.

12
Per Mail sharen

    Mit Wumms in die Armut? Solo-Selbständige in der Corona-Krise

    Viele Solo-Selbständige in Bayern kämpfen während der Corona-Krise ums Überleben - ihr Verdienst ist teilweise komplett eingebrochen. Manche haben trotz des vereinfachten Antragsverfahrens nicht einmal Anspruch auf Grundsicherung, also Hartz IV.

    12
    Per Mail sharen

    Die ehemalige Leistungssportlerin Daniela Ullrich erntet Paprika - als Erntehelferin zu arbeiten, gebe ihr "wenigstens die Möglichkeit, ein paar Stunden irgendwas zu verdienen". Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Mitte März, kann sie ihr ursprüngliches Einkommen nicht mehr erzielen.

    Das Geld reicht nicht einmal für die Miete

    Rund 400 Euro bringt der Ernte-Job im Monat ein. Das reicht nicht einmal für die Miete ihrer Wohnung. Auch die Krankenkassen-Beiträge kann sie nicht bezahlen. Selbst für Lebensmittel ist kein Geld mehr da. Seit Wochen hat sie keine warme Mahlzeit mehr gegessen. Manchmal bringen ihr Freunde eine Kleinigkeit vorbei: Ein Stück Käse, Milch oder einen Salat.

    Obwohl sie gleich nach dem Lockdown auf Online-Fitnesskurse umgestellt hat, wird ihre Dienstleistung nicht mehr nachgefragt: "Es ist einfach so, dass der Großteil meiner Kunden einfach selbst nicht mehr zahlungsfähig ist", erklärt Ullrich. "Sie sind insolvent, weil es Solo-Selbständige waren, oder sie bekommen Kurzarbeitergeld. Die können sich mich schlicht und einfach nicht mehr leisten. Und das andere war ganz viel im Gruppenbereich".

    Solo-Selbständige fallen durch das soziale Netz

    Corona-Soforthilfe und Überbrückungsgeld dürfen Solo-Selbständige nur für ihre Betriebskosten verwenden, nicht aber für ihren Lebensunterhalt. Für Essen und Miete verweist sie der Staat auf Grundsicherung, also quasi Harzt IV. Die Bedingungen für einen Antrag wurden gelockert, zum Beispiel spielt die Größe der Wohnung keine Rolle und Ersparnisse bis 60.000 Euro sind erlaubt. Unter bestimmten Voraussetzungen muss auch die Altersvorsorge nicht aufgebraucht werden.

    Daniela Ullrich hat eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen, aber die zahlt keinen Cent, weil sie Corona-Soforthilfe erhalten hat. Eine Kombination von beidem ist nicht möglich. Harzt IV kann sie trotzdem nicht beantragen, weil sie eine Arbeitslosenversicherung hat. Paradox. Sie wird nicht vom sozialen Netz aufgefangen: "Man hat ja gesagt, man lässt niemanden fallen, man hilft allen und keiner fällt durch – und jetzt stelle ich eben fest, dass ich – obwohl ich an allen Ecken und Enden so viel mache – trotzdem überall durchfalle".

    Bayerische Künstlerhilfe reicht nicht zum Leben

    Opernsängerin Isabel Blechschmidt hat zumindest knapp 3.000 Euro Künstlerhilfe vom Land Bayern bekommen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, da seit März fast alle ihre Auftritte ausfallen. Sogar für Dezember hagelt es bereits Absagen. Sie lebt mit ihrem Freund zusammen und hat deshalb auch keinen Anspruch auf Grundsicherung.

    Die selbständige Sopranistin braucht derzeit ihr Erspartes auf und macht sich große Sorgen um ihre berufliche Zukunft: "Ich denke, die nächsten paar Monate entscheiden im Endeffekt darüber, wie weit ich den Beruf noch machen kann und auch machen möchte. Ich fühle mich schon ein bisschen allein gelassen".

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!