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Durch die Lockdown-Maßnamen haben im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million Menschen ihren Minijob verloren. Damit hat die Corona-Krise in diesem Bereich für den wohl größten Einbruch auf dem Arbeitsmarkt gesorgt.

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Minijobber: Hohe Verluste durch Corona

Minijobber wurden von der Pandemie hart getroffen. 2020 haben hierzulande mehr als eine halbe Million Menschen mit dieser sogenannten geringfügigen Beschäftigung, die einen Verdienst bis zu 450 Euro im Monat erlaubt, ihren Job verloren.

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Von
  • Gisela Staiger

Graciela Sánchez ist normalerweise in Nürnberg als Fremdenführerin unterwegs. Die 57-Jährige, gebürtige Mexikanerin, kennt die Frankenmetropole so gut wie ihre Westentasche. An zwei Wochenenden im Monat hat sie Touristen aus den Vereinigten Staaten und aus Kanada die Sehenswürdigkeiten gezeigt und ihnen die besten Shopping-Tipps verraten.

Auf diese Weise hat sie rund 200 Euro im Monat dazuverdient. Doch mit Beginn der ersten Lockdown-Maßnahmen Mitte März 2020 wurde klar, dass es so schnell kein Saisongeschäft mit internationalen Touristen mehr geben würde. Graciela Sánchez verlor ihren Minijob.

Bundesagentur für Arbeit: große Verluste bei Minijobs

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg gab es im Dezember 2019, also vor der Pandemie, rund 7,5 Millionen Minijobber in Deutschland. Der Zuverdienst von bis zu 450 Euro monatlich ist begehrt. Doch durch die Lockdown-Maßnahmen haben im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million Menschen (529.000) ihren Minijob verloren. Für diejenigen, die zudem noch einen Vollzeitjob haben, mag das verkraftbar sein. Der größte Teil dieser Minijobber aber, darunter auch Hartz IV Empfänger, hatte nur diesen einen Verdienst. Matthias Kleindienst, Pressesprecher des Jobcenter Nürnberg, spricht von einem deutlichen Einbruch.

"Vor allem Frauen sind davon noch etwas stärker betroffen, als Männer. Das liegt daran, dass Frauen sehr häufig in der Gastronomie oder in der Gebäudereinigung oder in anderen Branchen tätig sind, die noch stärker von dem Lockdown und der Pandemie betroffen sind." Matthias Kleindienst, Pressesprecher Jobcenter Nürnberg

Durch Lockdown Mini- und Vollzeitjob verloren

Graciela Sánchez hat in Folge der Pandemie nicht nur ihren Minijob als Fremdenführerin verloren, sondern auch ihren Vollzeitjob. Die gelernte Kauffrau im Groß- und Außenhandel spricht fünf Sprachen und hatte einen Vollzeitjob bei einem Nürnberger Anbieter von Lasersystemen für Kosmetik und Medizin. Da sie diese Tätigkeit als Elternzeit-Vertretung ausübte, endete das Beschäftigungsverhältnis am 28. Februar 2020. Im März 2020 hätte sie eine Vollzeit-Beschäftigung als Sachbearbeiterin in einem großen Nürnberger Konzern bekommen. Doch da begann der erste Lockdown. Graciela Sánchez konnte ihre neue Stelle nicht antreten. Der Vertrag wurde kurze Zeit später aufgehoben. Die 57-Jährige bezog zunächst Arbeitslosengeld. Seit Dezember 2020 lebt sie von Hartz IV.

Hoffnung auf einen Arbeitsplatz

Im Moment schreibt Graciela Sánchez viele Bewerbungen. Sie hat festgestellt, dass sich doch hier und da auf dem Arbeitsmarkt etwas bewegt und Personal gesucht wird.

"Corona hat mir meine zwei Jobs genommen, sowohl meinen Nebenjob als auch meinen Hauptjob. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir das alle gemeinsam in den Griff kriegen und wieder die Wirtschaft in Schwung bringen, dass es wieder Jobs gibt für alle." Graciela Sánchez

Die 57-Jährige lässt sich nicht unterkriegen. Ihre Stärke ist ihre Erfahrung im Customer Service und Vertrieb. Hier kann sie auch mit ihren Fremdsprachenkenntnissen punkten. Den Minijob als Fremdenführerin allerdings, glaubt sie, werde sie so schnell nicht wieder bekommen. Denn bis der internationale Tourismus wieder anläuft, dürfte es noch eine Weile dauern.

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Minijobber wurden von der Pandemie hart getroffen. 2020 haben hierzulande mehr als eine halbe Million Menschen mit dieser sogenannten geringfügigen Beschäftigung ihren Job verloren.

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