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Weiteres Glyphosat-Urteil: Wie es jetzt für Bayer weitergeht | BR24

© ARD/Marcus Schuler

Bayer muss im juristischen Streit um den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat in den USA erneut eine Niederlage einstecken. Es geht um viel Geld. Der Pharmariese setzt sich zur Wehr hofft nun auf die nächsten Instanzen.

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Weiteres Glyphosat-Urteil: Wie es jetzt für Bayer weitergeht

Bayer muss im juristischen Streit um den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat in den USA erneut eine Niederlage einstecken. Es geht um viel Geld. Der Pharmariese setzt sich zur Wehr und hofft auf die nächsten Instanzen.

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Für Bayer-Chef Werner Baumann wird es immer ungemütlicher. Nach bereits zwei verlorenen Prozessen um Krebsrisiken von Unkrautvernichtern der US-Tochter Monsanto hatten Beobachter zwar auch im dritten Prozess mit einer Niederlage gerechnet. Das Ausmaß hatte aber wohl kaum jemand auf dem Zettel. Die Geschworenen-Jury des zuständigen Gerichts im kalifornischen Oakland verurteilte Bayer, Schadenersatz in Höhe von über zwei Milliarden US-Dollar an das klagende Rentnerehepaar zu zahlen. Bayer beharrt auf der Sicherheit von Glyphosat und will in Berufung gehen.

Bayer hat schon mehrere Prozesse verloren

Im ersten Prozess hatte eine Jury Bayer vergangenen August zunächst zu 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung verdonnert. Die Richterin reduzierte die Summe später auf rund 78 Millionen Dollar. Im Ende März verlorenen zweiten Prozess steht eine ähnlich hohe Summe im Raum.

Krebserregend oder nicht?

Damals wie heute betonte Bayer, die Urteile stünden in direktem Widerspruch zu vielen Studien zur Sicherheit von Glyphosat. Und in der Tat hatte die US-Umweltbehörde EPA den Unkrautvernichter Glyphosat erst Anfang Mai weiterhin als nicht krebserregend eingestuft.

Ob der glyphosatbasierte Verkaufsschlager Roundup Krebs verursacht, bleibt indes umstritten. So fußt die Klagewelle in den USA im Grunde auf einer Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Unkrautvernichter 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen einstufte.

Bayer-Aktie auf Talfahrt

Die Klagerisiken unterschätzt zu haben, ist der größte Vorwurf, dem sich Bayer-Chef Werner Baumann stellen muss. Auf der Hauptversammlung Ende April verweigerten ihm die Aktionäre sogar die Entlastung. Ein einmaliges Ereignis für einen amtierenden Chef eines Dax-Konzerns.

An der Börse bringt es der Konzern auf gerade einmal noch rund 50 Milliarden Euro Unternehmenswert. Zum Vergleich: Für Monsanto legten die Leverkusener 63 Milliarden Dollar oder zum aktuellen Wechselkurs rund 56 Milliarden Euro auf den Tisch.

Bayer verteidigt den Kauf von Monsanto

Bayer-Chef Baumann betonte unlängst, dass man angesichts der Kurseinbußen zwar nichts beschönigen dürfe, der Monsanto-Kauf auf lange Sicht aber dennoch der richtige Schritt gewesen sei. Mit Blick auf den Fortgang der Prozesse setzt Baumann auf die nächsten Instanzen und die dort zuständigen Berufsrichter, nachdem die Geschworenen in den ersten Runden aus der normalen Bevölkerung kamen. Von den Berufsrichtern erhofft sich Bayer größeres Augenmerk für die immer wieder zitierten Studien zur Sicherheit von Glyphosat und sachlichere Urteile.

Die Berufungsverfahren können sich aber sehr lange hinziehen, im laufenden Jahr wird voraussichtlich keine Entscheidung mehr fallen. Bis die Prozesse durch alle Instanzen gegangen sind, fließt seitens Bayer voraussichtlich auch erst einmal kein Geld. Allerdings dürfte der Druck nun zunehmen, mit Klägern einen Vergleich zu erzielen.

© BR

Der Chemie-Riese Bayer hat erneut in den USA eine Klage verloren. Wieder ging es dabei um eine Krebserkrankung, die durch einen Unkrautvernichter der Konzern-Tochter Monsanto verursacht worden sein soll.