BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Milchbauern empört über Preissenkung bei Butter | BR24

© dpa/pa/picture alliance / imageBROKER | Jochen Tack

Butterregal im Supermarkt

36
Per Mail sharen

    Milchbauern empört über Preissenkung bei Butter

    Bayerische Milchbauern sind entrüstet über eine Senkung beim Butter-Einkaufspreis. Die hat der Lebensmitteleinzelhandel zu Jahresbeginn durchgesetzt, obwohl er während der Corona-Krise gute Geschäfte macht.

    36
    Per Mail sharen
    Von
    • Lorenz Storch

    Die Discounter haben die Preisschilder an der Butter rot eingefärbt – und "Billiger!" mit Ausrufezeichen dazu geschrieben. Trotzdem ein gutes Geschäft für die Handelsketten. Denn sie kaufen die Butter noch billiger ein und geben den Preisvorteil nur teilweise weiter, heißt es vom Milcherzeugerverband Bayern. Nach Angaben des Verbands hat der Handel für die Butter seiner Eigenmarken den Einkaufspreis um bis zu 56 Cent pro Kilogramm gedrückt. Das heißt, die Molkereien bekommen jetzt fast 15 Prozent weniger für die Butter.

    "Handelsketten nehmen Bauern nicht ernst"

    Viele Milchbauern sind empört, vor allem, weil es zum Jahreswechsel so gewirkt hatte, als würden die Discounter nach Bauernprotesten auf die Landwirte zugehen. Es habe sich so angehört, als ob die Bauern von den Handelsketten ernst genommen würden, so Milchbauer Simon Sedlmair aus dem Landkreis Dachau. Der Eindruck sei erst mal zerstört.

    "Ich gehe davon aus, dass die Handelsketten uns Bauern gar nicht ernst nehmen, und denen egal ist, wie produziert wird, Hauptsache es ist billig. Und wenn nicht, dann tauschen sie uns mit dem Ausland aus. Und so geht es nicht." Milchbauer Simon Sedlmair

    Kritik an Marktmacht

    Die Marktmacht der vier großen Ketten in Deutschland sei einfach zu groß, meint der Milchbauer, der auch Kreisobmann des Bauernverbands für Dachau ist. Der Handelsverband Bayern kontert: Von Monopolstrukturen bei Supermärkten und Discountern könne gerade in Deutschland nicht die Rede sein.

    "Der Lebensmitteleinzelhandel ist in Deutschland so umkämpft wie in ganz Europa nicht. Und davon profitiert der Verbraucher. Nirgendwo sind die Lebensmittelpreise im Vergleich so günstig wie in Deutschland. Das heißt also, es ist Konkurrenz da." Bernd Ohlmann, Handelsverband Bayern

    Hohe Nachfrage nach Lebensmitteln

    Aber: Billige Preise für die Verbraucher bedeutet auch Preisdruck für die Lieferanten. Im Fall der Butter also für Molkereien und Bauern. Allerdings gibt auch der Handelsverband zu: Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist gerade jetzt im Lockdown besonders hoch, weil viele zu Hause kochen und sich dabei gern auch mal was gönnen.

    Und der Milcherzeugerverband Bayern argumentiert: Das Angebot an Milch ist in Deutschland nicht gewachsen, die Milchbauern in Bayern haben 2020 sogar geringfügig weniger produziert als im Vorjahr. Allerdings komme aus Irland wegen des EU-Austritts von Großbritannien derzeit mehr Butter nach Deutschland. Mittelfristig hofft der Milcherzeugerverband auf eine Stabilisierung der Preise. Der von den Bauern kritisierte Butterkontrakt mit dem Handel läuft für zunächst zwei Monate.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!