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Milch aus Bayern: Corona-Boom oder Exportprobleme? | BR24

© dpa/ Erich Häfele

Werbung für Milch aus Bayern (Archiv 2009)

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Milch aus Bayern: Corona-Boom oder Exportprobleme?

Durch Corona verändert sich der Konsum: Einerseits Hamsterkäufe im Supermarkt, andererseits geschlossene Restaurants und Kantinen. Molkereien in Bayern müssen sich darauf einstellen – und sie sind stark vom internationalen Handel abhängig.

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Die Hamsterkäufe wegen Corona in den Supermärkten machen sich auf dem Milchmarkt stark bemerkbar. Molkereien, die für den Privatverbrauch produzieren, können die gestiegene Nachfrage kaum befriedigen. Etwa das Milchwerk Jäger in Haag in Oberbayern (Lkr. Mühldorf). Geschäftsführer Herrmann Jäger nimmt im Akkord Bestellungen an – und kann sie derzeit gar nicht alle bedienen: "Wir sind vollkommen ausverkauft und müssen Bestellungen durchweg kürzen." Und das obwohl die Mitarbeiter sogar Sonntagsschichten einlegen.

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Boom bei Milchprodukten für daheim, Ebbe in der Gastronomie

Das Geschäft entwickelt sich auf dem ganzen Milchmarkt derzeit sehr unterschiedlich. Die Nachfrage von Großpackungen durch die Gastronomie ist zusammengebrochen. Auf der anderen Seite boomen kleine Packungen für den Supermarkt. Das Milchwerk Jäger produziert zum Beispiel Mozzarella für die Eigenmarken der Discounter, in diesem Segment haben sich die Bestellungen verdreifacht.

Milch aus Österreich drängt nach Bayern

Die kleinen Packungsgrößen herzustellen ist allerdings aufwändiger und braucht mehr Personal. Milchnachschub gibt es genug. Derzeit drängt auch Milch aus Österreich auf den bayerischen Markt. Italienische Molkereien nehmen weniger ab, dort ruht die Produktion teilweise.

Jeder zweite Liter Milch wird exportiert

Dass die Milch- und Käseexporte nach Italien und Südeuropa weiter reibungslos laufen, ist für die bayerische Milchwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Denn im Freistaat wird viel mehr Milch produziert, als die Bayern selber brauchen. Rechnerisch liegt der Selbstversorgungsgrad Bayerns mit Milch bei 175 Prozent. Weil Bayern auch Milch importiert, heißt das laut Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern: „Jeder zweite Liter Milch, den wir erzeugen, muss aus Bayern raus.“

Logistikketten kommen wieder in Gang

Während die Menschen an den Grenzen aufgehalten werden, laufen die Warenströme nach Süd- und Osteuropa weiter, von ein paar Verzögerungen abgesehen. Aber selbst der Export nach China ist inzwischen für den deutschen Milchmarkt von Bedeutung: Seit dem letzten Jahrzehnt wird zunehmend mehr Milchpulver von Europa nach Asien ausgeführt. Mit der Corona-Krise kam die Logistik in China durcheinander. Das hat den Marktpreis für Milch gedrückt. Aber laut Verband der Milcherzeuger ist die Nachfrage in China trotzdem prinzipiell ungebrochen und die Logistikketten nach Asien kommen bereits wieder in Gang. Außerdem wird in Bayern vor allem Käse produziert, kaum Milchpulver wie es China nachfragt. Aber die Märkte stehen trotzdem in Verbindung.

Ob es für Milchbauern bald mehr als 35 Cent pro Liter gibt ist fraglich

Was bedeutet das für die bayerischen Milchbauern? Sie bekommen seit einiger Zeit durchschnittlich 35 Cent für den Liter konventionelle Milch und hatten gehofft, in kommenden Preisverhandlungen etwas mehr rauszuschlagen. Die Aussichten dafür sind unsicher geworden. Derzeit will kaum jemand eine Prognose abgeben, wie sich der Milchpreis weiterentwickelt.

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In Zeiten von Corona verändern sich die Konsumgewohnheiten: Restaurants sind zu, dafür gibt es Hamsterkäufe in den Supermärkten. Begehrt sind unter anderem auch Butter, Milch und Käse. Für die Molkereien in Bayern eine Umstellung.

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