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Schlüsselübergabe für Mietwagen.

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Mietwagen: Was tun bei einem Kratzer oder anderen Schaden?

Probleme mit dem Mietauto kommen immer mal wieder vor: Überteuerte Tankregelungen oder unnötige Zusatzversicherungen können einem nachträglich den Spaß am gemieteten Auto verderben - oder eine hohe Selbstbeteiligung im Schadensfall einbringen.

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Von
  • Julia Smilga

Martin Schleiß aus Fürth wollte seinem Sohn beim Umzug helfen. Dafür suchte er nach günstigen Mietangeboten für einen Kleintransporter im Internet – und wurde fündig bei der Firma Enterprise. In der Filiale in Nürnberg West lieh er einen Ford-Kastenwagen aus zum Preis von 54 Euro pro Tag und mit einem Selbstbehalt von 1.500 Euro im Schadensfall, erzählt er: "Die Firma Enterprise hat mir dann noch eine Reduzierung angeboten dieses Selbstbehalts. Aber das habe ich abgelehnt, weil es würde noch einmal 30 Euro pro Tag extra kosten."

Kontrollgang rund um das Mietauto bei Dunkelheit im Regen

Am 1. Februar um 17 Uhr holte Schleiß den Mietwagen ab und macht mit einem Mitarbeiter der Mietwagenfirma einen Kontrollgang. "Da hat mich ein junger Mann um das Auto begleitet", schildert Schleiß diesen Kontrollgang. "Es war bereits dunkel und es hat geregnet und wir sind da rumgeschlichen um das Auto. Er hat eine Taschenlampe gehabt und dann sind wir da danach vor dem Auto gestanden. Und er hat mich gefragt, ob alles passt. Und da hab ich gesagt: 'Passt schon, ich verlasse mich auf sie'. Und dann hab ich auch den Mietvertrag unterschrieben."

Die Umzugsfahrten verliefen ohne jegliche Vorkommnisse, erzählt Schleiß. Doch als er den Wagen zurückgibt, gibt es beim Kontrollgang des Enterprise-Mitarbeiters eine böse Überraschung. Der Enterprise-Mitarbeiter entdeckt "ziemlich zielgerichtet gleich einen Kratzer auf der linken Fahrerseite", berichtet Schleiß dem BR. "Der Kratzer war zehn Zentimeter lang und mit bloßem Auge erst dann erkennbar, wenn man ungefähr einen Meter davor steht. Dieser Kratzer, hat er mir dann gesagt, ist nicht in der Dokumentation enthalten und wird deswegen mir zugerechnet."

Kratzer soll 2.000 Euro kosten

Schleiß protestiert - der Kratzer kann unmöglich von ihm kommen, sagt er, so einen Schaden hätten er oder sein Sohn sicher gemerkt. Der Enterprise-Mitarbeiter behält trotzdem 1.150 Euro als Selbstbeteiligung von seiner Kreditkarte ein. Aber dabei bleibt es nicht: Ein paar Tage später schickt ihm die Mietwagenfirma ein Gutachten vom TÜV Rheinland: Der schätzt die Kosten für die Beseitigung auf über 2.000 Euro.

Schleiss kann so hohe Kosten nicht nachvollziehen. Er bietet der Firma Enterprise 300 Euro für das Lackieren des Kratzers an. Doch das lehnt Enterprise ab, geht allerdings zuerst auf 1.520 Euro runter, dann auf die 1.150 Euro – die bereits einbehalten sind. Auf Nachfrage des Verbraucherteams des Bayerischen Rundfunks erklärt die Mietwagenfirma:

"Den Zustand des Fahrzeugs laut Übergabeprotokoll und ohne den Schaden hat der Kunde mit seiner Unterschrift bestätigt. Entsprechend muss der Schaden entstanden sein, während das Fahrzeug in der Obhut des Kunden war. Wir sind einen Schritt auf den Kunden zugegangen, indem wir den Betrag aus Kulanz auf 1.150 Euro reduziert haben." Stellungnahme der Mietwagenfirma Enterprise

Schleiss will das nicht akzeptieren. Aber wie kann er beweisen, dass der Kratzer nicht von ihm stammt?

ADAC-Juristin: Vermieter muss Schaden beweisen

"Eigentlich muss der Vermieter beweisen, dass der Schaden auch in der Zeit entstanden ist, in der der Mieter das Fahrzeug gefahren hat und somit dem Mieter zuzurechnen ist", sagt Silvia Schattenkirchner, Leiterin der Abteilung Verbraucherrecht beim ADAC.

Das gelinge ihm manchmal mit diesem Übergabeprotokoll, in dem der Schaden möglicherweise eben noch nicht auftaucht, so die Verbraucherrechtlerin. Dann werde der Schaden dem Mieter zugerechnet: "Also zumindest entscheiden einige Gerichte so, aber zum Glück nicht alle. Es gibt auch sehr verbraucherfreundliche Entscheidungen, ist aber leider noch sehr unterschiedlich und nicht abschließend geklärt."

Verbraucher-Tipp: Geringe Selbstbeteiligung vereinbaren

Der Streit um hohe Selbstbeteiligung im Schadensfall ist ein Klassiker, sagt die ADAC-Juristin. Auch im Internet gibt es mehrere Erfahrungsberichte von Automietern, die nachträglich für Kratzer aufkommen mussten, welche sie ihrer Meinung nach nicht verursacht hatten. Wenn man eine hohe Selbstbeteiligung vereinbart, sei Ärger "im Prinzip vorprogrammiert bei der Rückgabe, weil es immer zu Schäden kommen kann", so Schattenkirchner: "So ein Kratzer kann auch entstehen, wenn ich gar nicht im Auto bin. Dass irgendjemand beim Einparken an dieses Auto dran stößt und es dadurch beschädigt."

Sie empfehle daher: "Eine möglichst geringe Selbstbeteiligung vereinbaren, damit solche Probleme von vornherein ausgeschlossen sind, und tatsächlich bei der Übernahme unbedingt darauf achten, ob an dem Fahrzeug Schäden vorhanden sind."

Fazit: Mängel am Mietauto genau dokumentieren

Für den Fall von Martin Schleiss ist ADAC-Juristin Silvia Schattenkrichner wenig optimistisch, denn das Kind sei ja schon "mehr oder weniger in den Brunnen gefallen. Da bleibt nur noch die Möglichkeit, es schlimmstenfalls auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen und möglicherweise darauf zu hoffen, dass der Richter verbraucherfreundlich entscheidet."

Doch ein Gerichtsprozess kommt für Martin Schleiss nicht in Frage. Sein Fazit: "Ich habe gelernt, dass ich jedenfalls ein Fahrzeug vorher selber genau anschauen werde. Alles, was ich sehe, werde ich dokumentieren mit Fotos", sagt er. "Und ich werde auch darauf achten, dass alles in der Dokumentation beim Vermieter auftaucht. Sprich, dass der Vermieter hier auch diese Mängel, die ich dann sehe, mit in der Dokumentation verzeichnet."

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Wer beim Buchen eines Mietwagens den günstigsten Tarif wählt, aber dafür eine hohe Selbstbeteiligung in Kauf nimmt, kann eine böse Überraschung erleben. Denn wenn der Wagen bei der Rückgabe einen Kratzer aufweist, kann das teuer werden.

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