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Bezahlbarer Wohnraum in Bayern ist knapp, vor allem in München ist die Lage angespannt. Doch es gibt sie noch, Gebäude in der Stadt und auf dem Land, in denen Mieten erschwinglich sind. Möglich machen es sogenannte Syndikate.

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Mietshaussyndikate: Konzepte gegen Wohnungsnot

Bezahlbarer Wohnraum in Bayern ist knapp, vor allem in München ist die Lage angespannt. Doch es gibt sie noch, Gebäude in der Stadt und auf dem Land, in denen Mieten erschwinglich sind. Möglich machen es sogenannte Syndikate.

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Ein altes Genossenschaftshaus mitten im oberbayerischen Altötting steht seit fast einem Jahr leer und sollte eigentlich abgerissen werden. Doch Marcel Seehuber und David Pietzka wollen das rund 100 Jahre alte Gebäude kaufen und es damit vor Spekulanten und dem Abriss schützen. Bausubstanz ohne Not vernichten ist für die beiden nicht nachvollziehbar.

"Hier ist ja extrem viel Energie reingesteckt worden. Allein die Tür, das war hochwertiges Holz und da war ein Schreiner mindestens drei Tage damals mit beschäftigt. Das war ja ein Haufen Arbeit." David Pietzka, Gründer SauRiassl-Syndikat

Es sind Räume, die es wert sind, erhalten zu werden, findet David Pietzka. Sie bieten außerdem ideale Voraussetzungen für ein sogenanntes "Syndikats-Haus". 17 Wohnungen sollen in dem alten Gebäude entstehen mit einem Quadratmeterpreis zwischen sechs und sieben Euro netto. Das sind etwa zwei Euro weniger als es der Altöttinger Mietspiegel vorsieht.

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Syndikatshäuser im Trend

Mehr als 150 Syndikats-, also "Gemeinschaftshäuser", gibt es in Deutschland. Sie gehören zum Großteil zum deutschlandweiten Mietshäuser Syndikat. In Bayern sind es bisher vier.

Das Mietshäuser Syndikat ist ein Verbund von Syndikatsprojekten. Es unterstützt und berät Menschen, die zusammen in einem Syndikatshaus wohnen wollen.

Einzigartiges Syndikatshaus in München

Im Münchner Stadtteil Westend steht in der Ligsalzstraße 8 ein solches Syndikatshaus. Es ist in der bayerischen Landeshauptstadt einzigartig. Seit 13 Jahren leben die Bewohner hier nach dem Syndikatsprinzip. Zusammen mit sieben anderen hat York Runte das Haus für damals günstige 510.000 Euro gekauft.

"In der Süddeutschen Zeitung war so ein Zweizeiler, wo dieses Haus eben leer drin stand. Wenn wir ein Wohnprojekt machen wollen, können wir ja kein voll vermietetes Haus kaufen. Deswegen hat die Suche erst mal gedauert. Im Mai 2007 haben wir es dann gekauft. Eingezogen sind wir alle Ende Oktober 2008." York Runte, Mitgründer Syndikatshaus Ligsalz8

Wie gründet man ein Syndikatshaus?

Menschen die zusammen wohnen wollen, gründen zunächst einen Verein. Über den Verein wird dann eine GmbH gegründet. Ist eine passende Immobilie gefunden, treten die GmbH und auch teilweise das Mietshäuser Syndikat anteilig als Kreditnehmer auf. Auch private Direktkredite spielen eine zentrale Rolle. Die Kredite werden langfristig über die Mieten der Bewohner abbezahlt. Ein Weiterverkauf ist ausgeschlossen.

Zusammen kaufen, zusammen leben, zusammen arbeiten

In der Ligsalz8 zahlt jeder Bewohner 350 Euro warm und das seit über elf Jahren. Eigentlich ist es hier wie in einer WG. Alle 13 Bewohner haben ein eigenes Zimmer, teilen sich aber auch Gemeinschaftsräume.

Aber auch die Pflichten eines Eigentümers müssen von den Bewohnern übernommen werden.

"Wir haben mehrmals im Jahr Bautage, an denen wir uns überlegen, was erneuert werden kann. Zum Beispiel die Fenster von außen streichen oder sowas und das machen wir dann eben zusammen." York Runte, Mitgründer Syndikatshaus Ligsalz8

Für York Runte macht diese Mischung aus Selbstbestimmtheit und Kompromissbereitschaft den besonderen Reiz aus. Doch so ein WG-Leben ist nicht für jedermann geeignet.

Neuer Ansatz für ein Syndikat in Altötting

In Altötting haben David Pietzka und Marcel Seehuber die Syndikats-Idee weiterentwickelt. Sie haben das erste bayerische Syndikat gegründet: "SauRiassl" heißt es. Unterschiede zum deutschlandweiten Mietshäuser Syndikat: Zentralere Verwaltung und Organisation. David Pietzka und Marcel Seehuber suchen erst die Immobilie und dann die Bewohner.

"Unser Konzept bei dem Haus ist sicherlich nicht, dass wir jetzt hier WGs einbauen. Unser Ziel ist, dass wir private, einzelne Wohnungen schaffen, wo auch jeder seinen Rückzugsort hat." David Pietzka

Gemeinschaftsflächen wie ein Garten oder ein Gemeinschaftsraum sind zusätzlich vorgesehen.

Aus Erfahrung lernen

David Pietzka und Marcel Seehuber haben vor allem das Ziel, bezahlbaren Wohnraum vor allem in und um Altötting zu schaffen. Die Pläne der beiden Männer sind durchaus realistisch, denn das Gebäude ist nicht ihr erstes Projekt.

Nur zwei Kilometer weiter steht das Altöttinger Mieter-Konvent. Es gehört noch zum deutschlandweiten Mietshäuser Syndikat. Marcel und David haben es 2009 gegründet und leben auch hier. Insgesamt wohnen in dem Gebäude 20 Menschen im Alter von drei Monaten bis 78 Jahren.

Alte Gebäude kaufen und selbst renovieren

400.000 Euro hat das Gebäude samt Grundstück gekostet. Damals war alles stark renovierungsbedürftig. Bei den Renovierungsarbeiten wurden auch Wände eingerissen und aus zwei kleinen Wohnungen wurde eine große. Viele Bewohner haben selbst mit angepackt, wie Theresa Gauer. "Ich habe die Außendämmung hin geklatscht. Die Fliesen im Bad gelegt. Die Fenster getauscht."

Die kleine Familie von Theresa Gauer zahlt 640 Euro warm für 87 Quadratmeter selbst erarbeiten Wohnraum. Mit dem Altöttinger Mieterkonvent haben Marcel Seehuber und David Pietzka das erste Syndikatshaus in der Region geschaffen. Mit ihrem SauRiassl-Syndikat soll sich das Wohnprinzip noch stärker verbreiten.